Kuckuckskinder – Wenn alles ans Licht kommt – Filmbesprechung


Erklär Grafik von Simona Knuchel

Kuckuckskinder – wenn alles ans Licht kommt – Dokumentationsfilm von Andrea Pfalzgraf – im SRF – Illustration Simona Knuchel

Filmbesprechung – Filmkritik / SRF1 – DOK – Schweiz – Andrea Pfalzgraf / Kuckuckskind Agatha S. – Kuckucksfamilie – Scheinvater Michi – leiblicher Vater Martin Burr / Belgien – Die Schweizer Dokumentations-Reportage „Kuckuckskinder – Wenn alles ans Licht kommt“ von Andrea Pfalzgraf berichtet über die vier Positionen, sprich Kuckucksmutter, Scheinvater, (biologischer) Vater und Kuckuckskind anhand von vier Fällen. In der Schweiz ist der diskrete Vaterschaftstest (heimlicher Vaterschaftstest) nicht erlaubt, die Zustimmung der Kindsmutter muss eingeholt werden. Es ist eine der wenigen Reportagen, in der auch gezeigt wird, dass das Umfeld der vier Hauptbeteiligten ebenfalls betroffen ist. Eine Großmutter, ein Großvater etc. ist auf einmal nicht mehr, was es einst mal war. Der gesamte Film geht über 49 Minuten und nimmt sich Zeit für die einzelnen Geschichten. Der Film kommt völlig ohne den moralischen Zeigefinger auf die Kuckucksmutter und den leiblichen Vater aus und geht sehr nachsichtlich mit Kuckucksmüttern um. Diese sanfte Herangehensweise macht den Beitrag von Frau Pfalzgraf aus. Um so unverständlicher ist der Zerriß in der Neue Züricher Zeitung von (Radikalfeministin?) Claudia Schwartz, den sie mit „Immer schön die Wahrheit sagen“ titelte.

Immer schön die Wahrheit sagen
von Claudia Schwartz (ces ist ihr Kürzel in der nzz)

… Der moralische Unterton ist unüberhörbar, und zunehmend entwickelt der Film einen Ratgeber-Duktus, nach dem die Wahrheit den einzig richtigen Weg darstellt. Das ist moralisch schön angeordnet. Welche Funktion aber Familiengeheimnisse haben, ob vielleicht die biologische Vaterschaft überschätzt wird und wie viele Familien an der Wahrheit zerbrechen, darüber wird hier geschwiegen.

Mein dort geposteter aber von der NZZ-Redaktion gelöschter Kommentar:

„… wie viele Familien an der Wahrheit zerbrechen … “ Aha!

Wenn es ein Kuckuckskind in der Familie gibt, dann doch nur deswegen, da es schon längst einen Bruch in der Familie gibt. Spätestens zum Zeitpunkt der Zeugung des Kindes, zu welchem die Kuckucksmutter sich einem anderen Manne hingab, war der Bruch in der Familie längst entstanden.

Von der UN-Kinderrechtskonvention Art. 8, der jedem Kind das Recht auf Identität garantiert und somit ein Menschenrecht ist, erfährt man nichts in der Kritik von ces (Frau Claudia Schwartz), darüber wird hier geschwiegen.

Im Kuckucksvaterblog schreiben wir viel über die Dokumentarfilme und Reportagen. Nur selten werden sie dem Kuckuckskindthema auch nur annähernd gerecht. Meist wird die Verantwortung der Kuckucksmütter völlig ausgeblendet und so das Tabu weiter gefestigt.

Wir sind gespannt, wie der Dokumentarfilm wirklich ist. Wie Frau Claudia Schwartz hier polemisiert und Fakten verdreht hat, war diese Kritik keine Hilfe dabei, mir eine Meinung zu bilden, außer über Frau Schwartz selbst.

Das die NZZ nicht das Rückgrat hat, Kritik auf ihrer Webseite freizuschalten, läßt nichts gutes über das Selbstverständnis der NZZ-Redaktion vermuten. Qualitäts-Journalismus und Integrität sieht anders aus.

Hier die Verlinkung auf die Reportage, die man sich derzeit auf der Webseite des SRF1 online anschauen kann.

Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung der vier Beispielfälle. Achtung! Spoiler!

Fall Nr. 1: Kuckuckskind Agatha S. (51), die mit 44 Jahren ihren Zweifeln folgte und die Vaterschaft mittels eines Vaterschaftstest geklärt hat. Agatha hatte immer das Gefühl, dass sie am falschen Ort ist. Sie ist das jüngste Kind von sieben Kindern. Auch ihr Bruder Andreas, der zweitjüngste in der Familie, ist ein Kuckuckskind, dass dem leiblichen Vater bald schon so ähnlich sah, dass er zu Verwandten in die USA geschickt wurde und dort aufwuchs. Der Vater der beiden ist ein Priester, der aus Ungarn geflohen war und Freund der Familie in der Schweiz wurde. Beide – Scheinvater und Vater – blieben bis zum Lebensende enge Freunde und beide nahmen ihre Geheimnisse mit ins Grab. Agathas Mutter ist inzwischen an Demenz erkrankt und kann auch keine weiteren Informationen preis geben. Im Interview muss Agatha viele Male mit den Tränen kämpfen, sie ist sichtlich betroffen.

Fall Nr. 2: Michi, geschieden, zwei Söhne. Jonas, sein ältester Sohn ist 12 Jahre alt und nicht sein leibliches Kind. Die Vaterschaft hat er aberkennen und sich scheiden lassen, nachdem er durch den Exfreund seiner damaligen Frau erfuhr, dass er nicht der Vater des Kindes ist. Dennoch pflegt er weiter Kontakt zu Jonas, wie zu seinem jüngeren Sohn auch und fühlt sich nach wie vor als Vater. Ironie des Schicksals, Michi ist selbst ein Kuckuckskind.

Fall Nr. 3:  Martin Burr ist leiblicher Vater eines Kuckuckskindes. Er hatte eine verheiratete Freundin, die von ihm schwanger wurde. Doch die Schauspielerin verließ ihn wortlos und ging zurück zu ihrem Ehemann in Belgien. Dort wurde das Mädchen auch geboren und ihr der Name Mika gegeben. Die Kuckucksmutter verweigert jeglichen Kontakt zwischen Kind und Vater. Während der Reportage erhält er die Nachricht, dass seinem Antrag auf eine Vaterschaftsfeststellung gerichtlich zugestimmt wurde, doch die Kuckucksmutter Revision einlegte. Der Prozess wird sich somit noch ein paar Monate hinziehen.

Fall Nr. 4: Matalena Wittwer ist eine fast-Kuckucksmutter, die mit Michael Wittwer seit 25 Jahren verheiratet ist. Beide haben drei Kinder gemeinsam großgezogen (sind es auch deren gemeinsame Kinder?). Mit 41 Jahren wurde sie von ihrem Liebhaber schwanger und ging gleich mit der Tatsache offensiv umzugehen. Sie weihte somit ihren Mann, den Liebhaber und ihre drei Kinder in die neuen Umstände ein. Das Kind von ihr und ihrem Liebhaber wächst in der bestehenden Beziehung von Matalena und Michael auf und bekommt regelmäßig Besuch von ihrem Vater. Elina darf sein wer sie ist und ist somit kein Kuckuckskind. Sie darf die Tochter ihres Vaters Thomas Ineichen sein. Die zwischenmenschlichen Probleme haben somit die Erwachsenen untereinander gelöst ohne das Kind seiner Identität zu berauben und somit ohne die Lösung auf dem Rücken des Kindes auszutragen. (Genau dieser Lösungsweg stieß der (Journalistin?) Frau Claudia Schwartz von der NZZ übelst auf.)

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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Eine Antwort zu Kuckuckskinder – Wenn alles ans Licht kommt – Filmbesprechung

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