„Weißt Du was er mir angetan hat?“ – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 10


Der Grillabend war für mich alles andere als entspannend. Natürlich rechnete ich in jeder Minute mit einem „erheben wir unsere Gläser, es gibt etwas zu feiern“ oder aber mit provokanten Spitzen bezüglich Reiners Verweises aus dem Gerichtssaal. Aber es passierte wieder nichts. Die Familie saß vereint und schweigend am Tisch. Am Abend half ich meiner Mutter in der Küche und sagte ihr, dass ich es als das Mindeste ansehen würde, wenn sie sich bei meinem Papa entschuldigen würde. Sie guckte mich entrüstet an. „Weißt Du, was Klaus mir angetan hat?“ Nein, ich wusste es nicht und fragte nach. „Klaus war immer so egoistisch. Für ihn zählte nur, dass etwas zu essen auf dem Tisch stand und er alle 2 Jahre ein neues Auto kaufen konnte, das wars.“ Ich konnte es mal wieder nicht fassen. „Wer hat denn von diesem Verhalten profitiert? Du bist das Auto doch auch gefahren, nicht zuletzt, um Dich hinter seinem Rücken mit Reiner zu treffen und Dein zweites Leben zu leben. Du bist doch auch jedes Jahr mit in den Sommerurlaub gefahren. Reiner kocht also heute für Dich? Er kann doch gar nicht kochen. Im Gegenteil. Du versorgst hier nicht nur einen Ehemann, sondern seine verbitterte, alte Mutter, ein Enkelkind und einen Hund. Reiner entscheidet hier alles, sogar welche Klamotten Du tragen sollst. Ehrlich Mama? Es tut mir leid für Dich, wie Dein Leben gelaufen ist. Am liebsten würde ich Dich davor beschützen, aber Du hast Dich dazu entschieden, sogar schon vor 30 Jahren. Aber mein Leben ist und wird anders. Hör auf, mich in Deine Lebensvorstellung pressen zu wollen. Es passt nicht.“ Meine Mutter begann zu weinen. Irgendwo tief in ihr wusste sie, dass ich recht hatte. „Was kann ich denn jetzt nur für Dich tun mein Kind?“ „Nichts, Mama. Dazu ist es zu spät. Ich habe meinen Weg immer selber gestaltet und werde ihn auch zukünftig eigenständig formen. Denke über eine Entschuldigung gegenüber Papa nach.“ „Das werde ich nicht tun.“ „Gut, dann ist ja alles geklärt.“ Ich küsste sie und fuhr nach Hause.

Ich verbrachte also die nächsten Wochen juristisch vaterlos. Irgendwann kam dann das rechtskräftige Urteil. Mein Anwalt hatte die Einspruchsfrist abgewartet. Nun stand der nächste Termin mit ihm bevor. Die Vaterschaftsfeststellung.

Hier habe ich die Verfahrensschrift zum Vaterschaftanfechtungsverfahren als PDF eingestellt

Hier habe ich das Urteil des Amtsgerichts als PDF eingestellt

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Kuckuckskind Yelka Schmidt erzählt von ihren Erlebnissen auf dem Weg zur Klärung der Vaterschaft und den Folgen

Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt

Fortsetzung: „Jetzt änderst Du aber noch Deinen Namen.“ – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 11

Hier geht es zum vorangegangenen Teil 9 „Das Vaterschaftsanfechtungsverfahren

Eine Auflistung aller Teile dieser Serie findest Du hier.

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Über Yelka Schmidt

Geboren im Mai 1981, seit März 2011 weiß ich, dass ich ein Kuckuckskind bin. Ich will kein Tabu sein. Ich lebe. Ich lache. Ich liebe. Ich spreche. Über mich. Über Dich? Miteinander? Das würde mich freuen. Ich schreibe. Meistens drauf los. Das befreit mich. Das hilft mir Aktuelles oder Vergangenes zu begreifen und vielleicht auch zu verarbeiten.
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