Bericht vom Kuckuckstreffen 2016 in FFM – von Karsten Kaiser


Zentral in Deutschland

Dieses Jahr trafen wir uns in Frankfurt.
Foto CC 3.0 Christian Wolf, http://www.c-w-design.de

Vom Kuckuckskind und anderen Konstellationen.

Unter diesem, oder sicherlich vielen anderen vergleichbaren Synonymen, hätte und hat sich am Samstag, den 08.10.2016, eine Gruppe bestehend aus 11 Personen in Frankfurt am Main getroffen. Die Gruppe, allesamt irgendwo miteinander bekannt rund um den Blog „Kuckucksvater“ von Ludger Pütz, traf sich, um sich mit „Gleichgesinnten“ oder ebenfalls „Betroffenen“ austauschen zu können. Ludger Pütz aka Max Kuckucksvater selbst, war via Skype aus seiner Wahlheimat Kolumbien den Geschehnissen zugeschaltet. Lokale Gastgeberin war Anja Paulmann, die den Raum mietete und für die Verpflegung spendete. Einen ganz besonderen Dank für die hervorragende Organisation des Treffen.

Ich selbst, war eher als „Unbeteiligter“ oder vielleicht in zweiter Reihe betroffener dabei, kann dadurch aber meine Eindrücke in unbefangener Form wiedergeben.

Alle Beteiligten hatten zum Kennenlernen ihre Familienkonstellationen in Form von Zeichnungen auf einem DIN-A4-Blatt festgehalten. Im Anschluss begann

die Vorstellungsrunde in der jeder Beteiligte sein Blatt vorstellte und hinreichend erläuterte. Vertreten waren „Kuckuckskinder“ und „Scheinväter“ aber auch, was ich besonders interessant fand, Teilnehmer, deren Absicht es ist die Thematik auf wissenschaftlicher Basis zu erfassen.

Die Erkenntnis, dass sich ebenfalls eine Kuckucksmutter unter den Teilnehmern befand, überrasche uns alle erst einmal sehr. Genau dafür sind wir sehr dankbar, dass auch eine Kuckucksmutter zu uns fand. Ludger hieß sie herzlich willkommen und wir alle waren froh, dass wir hier nun auf den Erfahrungsschatz einer Kuckucksmutter zurückgreifen konnten, um auch einmal mehr über die Emotionen, Beweggründe für die Handlungsweisen und auch Nöte solcher Mütter zu erfahren.

Nun, wie bereits eingangs erwähnt, bin ich selbst eher nicht betroffen und relativ unbefangen in dieser Thematik. Es war in der Gesprächsrunde faszinierend zu erkennen, welche Macht, durchaus auch von staatlicher Seite gestützt, eine Mutter heutzutage noch gegenüber Vätern und Scheinvätern hat. Auch, dass unsere Gesellschaft in der heutigen ach so modernen Zeit daraus ein Tabuthema macht, war wachrüttelnd und schockierend zugleich. Das Ganze geschieht unter dem Deckmantel der heilen Welt und häufig auch unter selbigem Mantel der Scham im Kreise der betroffenen Familien. In den meisten oder nahezu allen Fällen endet die Lösung des Problems darin, denjenigen der hinterfragt bzw. betroffen ist, auszuschließen.

Ebenfalls diskutiert wurde der OVAG, also der obligatorische Vateschaftstest ab Geburt. Direkt bei der Geburt des Kindes einen DNA Abgleich zu machen, wo im Regelfall doch Vater, Mutter und Kind zeitgleich anwesend sind, ist aus meiner Sicht sicherlich ein interessanter Ansatz, wo es doch in den USA vergleichbares bereits heute gibt. Sicherlich finden aber Daten- oder Persönlichkeitsrechtsschützer genügend Ansatzpunkte, die dabei berücksichtigt werden müssten.

Ein weiterer wesentlicher Gesprächspunkt war an diesem Abend die Absichtsbekundung zur Gründung eines Vereins. Es ist leider schlichtweg so, dass Betroffene bis heute keine offizielle Anlaufstelle haben. Hier soll Abhilfe geschaffen werden. Auf nähere Punkte möchte ich aufgrund der Entstehungsthematik noch nicht eingehen. Gerne berichte ich zu einem späteren Zeitpunkt darüber. Die Absicht an sich jedoch, schafft bei Umsetzung eine nie dagewesene Möglichkeit für Betroffene um sich zu informieren oder auszutauschen. Ein Kernproblem ist ja heute, dass ein Kuckuckskind zum Beispiel, mit niemandem darüber reden kann. Es kann es zwar versuchen, aber der Zustand der emotionalen Welt, kann von einem Außenstehenden eher selten erfasst werden.
In diesem Verein, sind überwiegend Selbstbetroffene vertreten, die die Umstände und auch das damit verbundene Gefühlschaos mehr als nachempfinden können.

Nach einem mehr als 4-stündigen Zusammensein haben wir den Abend dann im Anschluss noch gemeinsam mit einem Essen ausklingen lassen. Natürlich hat man sich hierbei immer noch rege mit dem Tischnachbarn ausgetauscht.

Für diejenigen die sich nun fragen, was ich denn dort zu suchen hatte, will ich natürlich auch eine Erklärung liefern. Ich selbst lebe mit einem Kuckuckskind zusammen. Die Erkenntnis kam hier, auch klärend durch einen DNA Test vor wenigen Jahren ans Licht. Leider haben wir auch hier, wie bei den Betroffenen oben den Umstand, dass sich die sog. Eltern leider in keinerlei Form zu den Umständen äußern. Auch hier wird das Kuckuckskind komplett mit dem Thema allein gelassen. Ich habe mit dem Besuch dort beabsichtigt, mehr Empathie für meinen Partner zu entwickeln, aber auch zu sehen, wie mit solchen Umständen in anderen Familien umgegangen wird. Denn eines ist mehr als klar: „Kuckuckskind, Scheinvater, leiblicher Vater oder Kuckucksmutter“, das Thema hat auch weitreichende Auswirkungen in die Partnerschaften des Kindes.

Das nächste Treffen wird vermutlich im Januar 2016 in Köln stattfinden.

Ich könnte noch seitenweise meine Gedanken und Eindrücke aus diesen gerade einmal 4 Stunden niederschreiben. Sicherlich bekomme ich dafür von Ludger auch die Gelegenheit, auch zur Veröffentlichung in seinem Blog. Wer mehr dazu oder zu diesem Thema wissen will und zunächst bevorzugt mit einer neutralen Person sprechen will, der kann jederzeit über Ludger via Email (kuckucksvater@hotmail.com) oder Facebook Kontakt mit mir herstellen. Bis dahin, begleitet leider durch die Ablehnung unserer Gesellschaft rund um dieses Thema, bitte ich um Verständnis, dass dieser Bericht unter meinem Pseudonym gepostet wird – auch wegen der aktuellen Lebenssituation meiner Frau.

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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Eine Antwort zu Bericht vom Kuckuckstreffen 2016 in FFM – von Karsten Kaiser

  1. luenzer schreibt:

    Es war ein sehr eindrucksvolles Treffen mit sehr interessanten Berichten.

    Dabei war der intensive und vertrauensvolle Erfahrungsaustausch sehr wertvoll.

    Herzlichen Dank an alle, die teilgenommen haben.

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