Kuckucksväter werden nicht gehört – Kuckucks-News vom 06.03.2018


Kurzmitteilungen aus der Kuckuckswelt

Kuckucks-News aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen Teilen der Welt.

1. Männer.ch fordert, im Rahmen einer laufenden Gesetzesrevision die Rechte der Väter zu stärken, die an ihrer biologischen Vaterschaft zweifeln. Doch die Parlamentarier wollen nicht. Der schweizer Tagesanzeiger berichtet erstaunlich ungeschminkt über die Situation der Scheinväter und die Ignoranz der Parlamentier im Artikel „Kuckucksväter werden nicht gehört„. Der Artikel ist so mit wertvollen Informationen gespickt, dass ich ihn  nachfolgend zu großen Teilen zitiere.

… Kommt ein Kind während der Ehe zur Welt, ist der Mann automatisch der Vater – rechtlich. Ob er es auch biologisch ist, interessiert die Behörden nicht. Dasselbe, wenn ein Mann seine Vaterschaft per Unterschrift anerkennt. …

Das gilt leider auch für Deutschland so.

… Einen Vaterschaftstest darf er [der Scheinvater, Anmerk. d. Red.] in diesem Fall nur durchführen lassen, wenn auch die Mutter des Kindes einverstanden ist. Ansonsten muss er die Vaterschaft gerichtlich anfechten, und das ist schwierig. …

In Deutschland müssen Scheinväter weiterhin die Zustimmung der (Kuckucks-?)Mutter erhalten und ansonsten den gerichtlichen Weg einschlagen. Nur ist der gerichtliche Vaterschaftstest in der BRD recht leicht durch den Scheinvater zu beantragen – er bedarf entgegen der Vaterschaftsanfechtung keinerlei Begründung und stellt ein grundsätzliches Recht dar.

… Männer.ch, der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, will das ändern. Eine Gelegenheit dazu böte die laufende Revision des Bundesgesetzes über genetische Untersuchungen beim Menschen (GUMG), die Anfang Jahr von der nationalrätlichen Wissenschaftskommission (WBK) beraten wurde und am Montag erstmals ins Plenum kommt. …

… Das Recht auf Kenntnis der Abstammung sei ein Menschenrecht, es müsse umgekehrt auch für Eltern gelten.

Die Kommissionsmitglieder sehen das anders. «Der Schutz des Kindes geht vor», sagt die Schaffhauser SP-Nationalrätin Martina Munz, die das Geschäft am Montagnachmittag als Kommissionssprecherin vertreten wird. Zu gross sei die Gefahr, dass das Kind und sein ganzes Umfeld in eine Lebenskrise gestürzt werde, wenn unvermittelt bekannt wird, dass sein Vater gar nicht der biologische Vater ist.

Auch SVP-Nationalrat Felix Müri (LU) steht der Forderung der Väter skeptisch gegenüber. Gegen den Willen der Mutter würde er einen Vaterschaftstest nicht verordnen wollen, sagt er: «Im Zweifelsfall für die Frau.»Zudem gibt Müri zu bedenken, dass man von wenigen stossenden Einzelfällen ausgehen müsse. Das ganze Gesetz nach ihnen auszurichten, erscheine ihm unverhältnismässig. …

Es gibt guten und bösen Sexismus. In diesem Fall ist er gut, denn er bevorteilt Frauen aufgrund Ihrer Geschlechtszugehörigkeit. Im Radikalfeminismus auch „positive Diskriminierung von Männern“ genannt.

Martin Widrig, Jurist an der Universität Freiburg und Lektor am Lehrstuhl für Verfahren und Grundlagen des Rechts, hält die heutige Gesetzeslage für veraltet. «Früher hat es Sinn gemacht, unter allen Umständen einen rechtlichen Vater zu bestimmen. Denn wer wäre sonst für die Kinder aufgekommen?» Heute jedoch, wo Beziehungsformen äusserst divers und Trennungen normal geworden sind, wo die Gesellschaft insgesamt individualistischer und die Menschen eigenständiger sind, sollte seiner Ansicht nach das Recht auf Kenntnis der biologischen Elternschaft im Vordergrund stehen – zumal sich eine Vaterschaft heute viel einfacher abklären lässt.

Auffallend ist laut Widrig, wie restriktiv Gesetz und Gerichte sind, wenn ein Vater seine biologische Vaterschaft abklären lassen will – und wie schnell sie hingegen darin seien, bei fehlendem Vater einen rechtlichen Vater zu bestimmen. Meistens würden die Gerichte einen Mann zu einem Vaterschaftstest zwingen, wenn er sich weigert. Andernfalls ist es auch möglich, dass das Gericht ihn ohne DNA-Test zum gesetzlichen Vater macht.

Das Messen mit zweierlei Maß ist sowie in der Schweiz, als auch in Deutschland Gang und Gäbe, sobald es sich etwas zum Nachteil von Frauen handeln könnte. Wie man sieht, leben wir in einem die Frauen unterdrückenden Patriarchat.

Widrig glaubt, dass finanzielle Interessen mitspielen. «Der Staat, und damit auch der Gesetzgeber, haben alles Interesse daran, einen rechtlichen und damit unterhaltspflichtigen Vater zu bestimmen.» Das zeige sich auch im neuen Unterhaltsrecht und in der Ausdehnung der Unterhaltspflicht für unverheiratete Väter. «Es entlastet der Staat, wenn es einen rechtlichen Vater gibt.»

Das Messen mit zweierlei Maß ist sowie in der Schweiz, als auch in Deutschland gang und gäbe, sobald es sich etwas zum Nachteil von Frauen handeln könnte. Die meisten Politiker kennen – bisher – in Vaterschaftsfragen keinerlei Scham.

Weiter sei es ein heikles Thema, zu dem viele Parlamentarier sich scheuten, klar Stellung zu beziehen. Und nicht zuletzt sei die Revision des GUMG ein so grosses Projekt, dass die partikularen Väterinteressen hier nicht im Vordergrund standen.

In Zeiten der #Aufschrei und #MeToo Hexenjagd möchte keiner riskieren, dass auch auf ihn zur Jagd geblasen wird.

 

2. Gleich ein paar Tage später relativiert Bettina Weber (Ressortleiterin Gesellschaft) im selben schweizer Tagesanzeiger die Notwendigkeit der Stärkung der Väterrechte, denn es seien ja nur ein paar wenige Betroffen und bezieht sich auf zwei Studien, deren Aussagekraft aufgrund des Studienaufbaus sehr fraglich sind.

Die Mär vom Kuckuckskind
In jeder Schulklasse soll eines sitzen, wird immer wieder behauptet. Stimmt nicht.

Männer, die daran zweifeln, ob sie tatsächlich der biologische Vater ihres angeblichen Kindes sind, dürfen gegen den Willen der Mutter keinen Gentest verlangen. Daran soll weiterhin festge­halten werden, wie letzte Woche die Debatte im Nationalrat zum Gesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen gezeigt hat.

So uneinsichtig und stossend das ist, können sich die Männer immerhin damit trösten, dass ihr Verdacht vermutlich sehr oft unbegründet sein wird: ­Kuckuckskinder sind nämlich weitaus seltener, als immer wieder kolportiert wird. …

Und selbst, wenn es tatsächlich sich „nur“ um einen Prozent, die Kuckuckskinder sind, handeln würde, wären das alleine in der Schweiz 84.000 Kuckuckskinder. Wenn man dann die Eltern, Geschwister und Großeltern mitzählt, dann sind weit über 800.000 Schweizer von der Kuckuckskindthematik betroffen. Und wie würde es wohl klingen, wenn man in den Medien schreiben würde, dass die Besorgnis, Vergewaltigt zu werden in den meisten Fällen unbegründet sein wird und somit sich die Frauen doch bitte getröstet fühlen sollten. Ich glaube der nächste #Aufkreisch wäre gleich im Rollen und der verantwortliche Redakteur fristlos entlassen.
Alleine schon das Vokabular „trösten“ hat eine widerliche Konnation. Sollen sich in etwa Heulsusen und Weicheier getröstet fühlen?

3. Nicolas Zogg, Leiter Politik und Medien bei männer.ch nimmt im Interview „Ist der Vater auch wirklich der Erzeuger?“ Stellung zum Vaterschaftstest und Väterrechten. Im Migromagazin kommt nicht nur er zu Wort, sondern es stellt auch seinen Lesern die Frage, ob Männer auch ohne die Zustimmung der Mutter einen Vaterschaftstest machen dürfen sollten. Das Umfrageergebnis ist deutlich. 78% der Teilnehmer stimmten dafür, 14% konnten das nicht pauschal beantworten und lediglich 7% stimmten dagegen. Auch wenn das mit Sicherheit keine representative Umfrage ist, so zeigt sie eine Tendenz, die mir schon sehr häufig auffiel: Das Land wird von einer laut schreienden Minderheit tyrannisiert, der sich kaum einer entgegenstellen mag, um nicht selbst unter die Räder der FanatikerInnen zu kommen.

4. Der Schreibtrainer und Kinderbuch-Autor Udo Taubitz, Jahrgang 1969, schreibt im Spiegel online (SPON) über seine Gefühlswelt als Junge und dann Mann, der vaterlos aufwuchs. Sein Artikel „Mein Vater ist tot. Ich habe es von einem Fremden erfahren“ ist in Gänze lesenswert und vermittelt sehr deutlich das, die mit der Abstinenz, ja gar Ablehnung durch den Vater entsteht. Es gibt hier sehr viele Parallelen zu Kuckuckskindern, die von ihrem leiblichen Vater abgelehnt werden.

Nun zu den etwas älteren Mitteilungen, die dennoch erwähnenswert sind:

5. Wenn es um das Eintreiben des Kindesunterhaltes und Vaterschaftsfeststellungen geht, dann ist die Familie (des Mannes) plötzlich nicht schützenswert. Nun hat die Berliner Behörde dem ganzen noch die Krone aufgesetzt und verlangte von einem Mann die Gebührenerstattung eines Vaterschaftstest, den er nie durchführte. Dank der behördlichen Schlamperei liegt dessen Familie mit zwei Kindern irreparabel in Trümmern. Die Bild berichtet darüber leider hinter einer Zahlwand. Kostenlos erfährt man hingegen in der Huffington Post über den Vorfall unter dem Titel Behördenfehler: Berliner soll Geld für fremdes Kind zahlen “Egal was ich sage, das glaubt mir meine Freundin nie!”.

6. Der Dokumentarfilm „Mein Vater der Samenspender – Auf der Suche nach einem Unbekannten“ gibt Einblicke in das Seelenleben eines Spenderkindes und dessen sehnlichen Wunsch, seinen Vater zu finden. Die Filmemacherin Julia Kaulbars begleitet das erwachsene Spenderkind Jörg Serig auf der Suche nach seinem leiblichen Vater und bezieht sich dabei auch immer wieder auf das neue Abstammungsgesetz, welches ab Juli 2018 in Kraft treten soll.

 

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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3 Antworten zu Kuckucksväter werden nicht gehört – Kuckucks-News vom 06.03.2018

  1. Matthias Rahrbach schreibt:

    Kuckuckskinder? Das Problem wird unterschätzt. Das kommt häufiger vor, als man denkt. Als ich zu meinem Buch recherchierte, stieß ich darauf, dass einige Untersuchungen auf einen zweistelligen Prozentsatz an Kuckuckskindern kamen.
    Mehr dazu bei Bedarf hier:
    http://www.verlag-natur-und-gesellschaft.de

    • Marcus Spicker schreibt:

      Hallo Herr Rahrbach,
      haben Sie für uns da ein paar Links bzw. Quellen parat, was die zweistelligen Prozentsätze betrifft? Würde mich sehr interessieren…
      Beste Grüße
      Marcus Spicker

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