Weltkindertag, auch und gerade für ‚Kuckuckskinder‘ – von Jens Ladenburger


Haben Sie, liebe Eltern, Väter und Mütter dieser Welt, heute am Sonntag, den 18.09.2016 schon etwas vor?

Verschieben Sie diesen Termin: Der Weltkindertag geht vor. Eigentlich ist der Termin am 20.09.2016, doch die dazugehörigen Veranstaltungen finden in Deutschland heute dazu statt.

Am diesem, seit nahezu 100 Jahren bestehenden Gedenktag, geht es um die Rechte Ihrer Kinder, die Sie in die Welt gesetzt haben – und diese, unsere Eine Welt, darf deshalb nicht noch weiter in Unordnung geraten.

Schauen wir uns diese Rechte unserer Kinder genauer an – zunächst noch unabhängig von deren Familiensituation.
Laut Artikel 6 der Kinderrechtskonvention hat jedes Kind das Recht zu leben – nicht nur achtlos vor sich hin zu ‚vegetieren‘.
Kein Kind sollte hungern und Angst vor Gewalt haben; an dieses umfängliche Lebensrecht sollten wir auch angesichts der teilweise hochbegabten Flüchtlingskinder denken, die wir darin unterstützen sollten, einmal als unverzichtbare Mitglieder unserer Gemeinschaft diese mittragen, voranbringen zu können.
Laut Artikel 2 der Kinderrechtskonvention sind alle Kinder gleichberechtigt oder sollten dies zumindest sein.
Gerade weil wir Erwachsenen wissen, dass dies eine Illusion ist oder doch eine Utopie, sollten wir, jeder einzelne von uns (gleich ob Vater, Mutter, kinderlos) dafür kämpfen, diesem Ziel so nahe wie möglich zu kommen.
Gleichgültig, aus welchem Land die Kinder und Jugendlichen stammen, welche Hautfarbe sie haben oder nach welcher Religion sie leben, welche Sprache sie sprechen, welchen Beruf ihre Eltern ausüben – nicht ein einziges darf benachteiligt oder gar diskriminiert werden! Natürlich dürfen Kinder auch nicht aufgrund ihres Geschlechtes benachteiligt werden, auch wenn Frauenministerin Manuela Schwesig, die ironischerweise zugleich auch die Schirmherrin des Weltkindertages ist – und manche Kinderhilfsorganisation, wie PLAN International das zu ignorieren scheinen.

Nicht Anpassung an die bestehende Gesellschaft ist vorrangig, sondern das in gegenseitigem Respekt rücksichtsvoll ausgeübte Recht auf auch ethnische Selbstverwirklichung (laut Artikel 30 der Kinderrechtskonvention).
Die ‚Schulpflicht‘ ist vor allem ein Recht – auf Lernen, auf Ausbildung, um (auch dies darf kein Tagtraum bleiben) den Beruf freier Wahl zu ergreifen, sozial auf gesichertem Boden zu stehen, selbst eine Familie gründen zu können.
Laut den Artikeln 7 und 8 der Kinderrechtskonvention hat jedes Kind ein Recht auf seine einzigartige Identität. Es muss und darf wissen, wer es ist und wer seine Eltern sind – auch seine leiblichen, selbst wenn für manche die ‚sozialen Eltern‘ die noch wichtigeren sein sollten.

Die Rechte unserer Kinder sind nicht denkbar ohne die Rechte, aber auch Pflichten ihrer Väter und Mütter.

Wenden wir uns hier vorrangig der Problematik der Kuckuckskinder, Kuckucksväter und Kuckucksmütter zu.
Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 3,7 bis 10 % aller Kinder Kuckuckskinder sind – in jedem Fall eine ‚Dunkelziffer‘ insofern, dass sich hinter solchen Statistiken Abgründe auftun, Lebensschicksale abzeichnen, Existenzen psychisch oder auch leiden, ja zugrunde gehen.
Sowohl die ‚echten‘ wie die Kuckucksväter haben ein Recht auf die Wahrheit – und die Pflicht, mit ihr gegenüber dem in vielen Fällen bereits erwachsenen, noch unbekannten bzw. von Entfremdung bedrohtem Kind optimal umzugehen. Das Kindeswohl steht nämlich an allererster Stelle; jedoch ist es oft schwierig, dieses einwand- und zweifelsfrei festzustellen. Hier ist notfalls vor Gericht der jeweilige Einzelfall zu prüfen.

Um eine erste Orientierung zu erlangen, empfiehlt sich die Beschäftigung mit mehreren ausgezeichneten Spielfilmen, die gerade durch ihre Fiktionalität, Tragikomödialität und ihrem eingeschränkten ‚Happy End‘ die Problematik verdeutlichen:

Kämpfen wir an diesem internationalen Tag des Kindes auch für die Rechte der völlig schuldlosen Kuckuckskinder, der allenfalls bedingt (durch Ignorieren diffuser Signale) mitschuldigen Kuckucksväter, der oft völlig ahnungslosen ‚echten‘ und mit der unerwarteten Situation psychisch, oft auch finanziell überforderten Väter; verurteilen wir hierbei nicht trotz ihrer unbestreitbaren moralischen Schuld die Kuckucksmütter, die nicht immer gewissenlos gelogen, sondern oft jahrzehntelang gehofft haben, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: dass nicht der Lebenspartner der ‚echte‘, jedenfalls der biologische Vater ihrer Kinder ist.
Fällen wir hier kein vorschnelles Urteil. Potenziell sitzen wir alle im Glashaus: Keinem steht es zu, den ersten Stein zu werfen.

Mit der aktuellen Rechtslage sollten wir uns freilich dennoch nicht zufrieden geben: Hier gilt es durch Petitionen, Veröffentlichungen und somit eine breite Öffentlichkeit für mehr Gerechtigkeit zu sorgen – vor allem zugunsten des Kindeswohls. Denn Kinder sind das Wertvollste, was wir auf dieser unvollkommenen Welt haben!

Lassen Sie uns in diesem Sinne diesen Feiertag gemeinsam feiern.

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Jens Ladenburger ist leiblicher Vater eines Kuckuckskindes und erzählte seine Geschichte hier im Kuckucksvaterblog.

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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