Von Samenspenderkindern, Adoptivkindern, Kuckuckskindern … und deren Rechten – Kommentar zum Antrag der Bündnis ’90/DIE GRÜNEN im Bundestag


Die Fraktion von Bündnis ’90/DIE GRÜNEN hat im Bundestag einen Antrag mit dem Titel „Elternschaftsvereinbarung bei Samenspende und das Recht auf Kenntnis eigener Abstammung“ eingereicht.

Nachfolgend die wichtigsten Passagen mit Kommentierung:

… Zu wenig Beachtung wurde hierbei jedoch dem Wohl der Menschen geschenkt, die durch diese Verfahren entstanden sind. Familiengründungen mit Samenspenden sind in Deutschland, anders als in den europäischen Nachbarstaaten wie Großbritannien, den Niederlande, Schweden, der Schweiz und Österreich, rechtlich nur rudimentär geregelt. Die Spenderwerbung, -aufklärung und -vermittlung wurde der Selbstregulierung der Ärzteschaft überlassen. Oft versprachen die beteiligten Medizinerinnen und Mediziner den Samenspendern Anonymität, obwohl die Bundesärztekammer bereits 1970 darauf hinwies, dass anonyme Spenden nicht möglich sind. Auch konnten Spender über Jahre hinweg spenden ohne dass geprüft wurde, wie viele Kinder durch einen Spender gezeugt wurden.

Auch die rechtliche Situation für Kuckuckskinder, Scheinväter und der leiblichen Väter ist nur rudimentär geregelt. Ebenso wird die tatsächliche Vaterschaft nicht durch den Staat überprüft. Der gesetzliche Vater eines

Kindes kann jeder x-beliebige Mann werden, sofern die Mutter es so will. Der Identitätsschutz der Kinder, zu dem sich die Staaten in den UN-Kinderrechtskonventionen selbstverpflichtet haben, kann nur durch den OVAG (Obligatorischer Vaterschaftstest ab Geburt) gewährleistet werden.

… führt dies dazu, dass viele Eltern, die ihre Kinder mittels Samenspende bekommen haben, diese nicht darüber aufklären und die Kinder, wenn überhaupt, dies oft nur durch Zufall oder in familiären Krisensituationen erfahren. Die so gezeugten Menschen stoßen bei den Reproduktionsmedizinerinnen und -medizinern oft auf eine Mauer des Schweigens und haben kaum Möglichkeiten herauszufinden, wer ihr biologischer Vater oder ihre Halbgeschwister sind. …<<

Viele Scheinväter und Kuckuckskinder können ein Lied davon singen, wie schwer bzw. unmöglich es für sie ist, die Kuckucksmutter zur Nennung des/der möglichen Vaters/Väter zu nennen. Der deutsche Gesetzgeber schützt hingegen die Kuckucksmütter auch noch, so dass sie nicht zur Auskunft verpflichtet ist. In der Schweiz und in Österreich sieht die Sachlage auch nicht besser aus.

>… Zudem sind viele Wunscheltern bislang mangels Beratung unzureichend darauf vorbereitet, welche rechtlichen, psychischen und sozialen Herausforderungen eine Familiengründung mittels Samenspende mit sich bringen kann. …<<

Für Männer, welche die Vaterschaftsanerkennung unterschreiben, gibt es keinerlei Aufklärungen darüber, was dies für rechtliche, psychologische und soziale Konsequenzen hat. Es fehlt ihnen gänzlich der Hinweis darauf, dass die Vaterschaft ab dem ersten begründeten Zweifel innerhalb von zwei Jahren angefochten werden muss. Aber was tut der Staat nicht alles, damit er einen Zahlesel zur Hand hat? Und wenn er oder das Kind eines Tages Zweifel hat, so dürfen diese keinen diskreten Vaterschaftstest durchführen, sondern müssen sich einem Eklat aussetzen. Hauptsache die Interessen der Mutter sind geschützt.

II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf:

1. Einen Gesetzentwurf vorzulegen, der:

b) unter Beachtung datenschutzrechtlicher Aspekte die Errichtung eines elektronischen Melde- und Auskunftssystems vorsieht, in dem die zur Umsetzung des Auskunftsanspruchs erforderlichen Daten aus heterologen Samenspenden erfasst werden und mittels dessen auf Antrag eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme von durch Samenspende gezeugten Kindern mit dem jeweiligen Samenspender und ggf. auch Halbgeschwistern geschaffen wird; berechtigte Interessen des Samenspenders sind dabei im Rahmen einer Härtefallregelung zu beachten;

Für zukünftig einwandfreie Vaterschaftsanerkennungen ist die Einführung des Nachweises der Vaterschaft mittels eines DNA-Vaterschaftstest zwingend, wenn die Bundesregierung die UN-Kinderrechtskonventionen einhalten möchte. Auch für Adoptionskinder müßte es eine entsprechende Lösung geben, so dass sie die Identitäten ihrer leiblichen Eltern OHNE die Zustimmung ihrer Adoptiveltern erfahren dürfen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum Samenspende-, Adoptiv- und Kuckuckskinder nicht die gleichen Rechte haben. Sie alle haben das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung, doch der Staat verwehrt es einem Teil von ihnen.

… d) ein neues familienrechtliches Institut der Elternschaftsvereinbarung einführt; danach können künftige Eltern und der künftige Spender präkonzeptionell, d.h. vor der Zeugung gemeinsam vereinbaren, wer mit der Geburt rechtlicher Vater bzw. Co-Mutter wird; die Elternschaftsvereinbarung wird beim Jugendamt begründet, das die Wunscheltern über rechtliche Konsequenzen belehrt und über die Möglichkeiten einer psychosozialen Beratung informiert;

Sinnvoller ist es, dass die Elternschaftsvereinbarung im Jugendamt unter den Kriterien einer Adoption abgeschlossen wird. Ob es nun eine Adoption im klassischen Sinne oder eine Samenspende oder eine Kindesanerkennung wider besseren Wissens ist, spielt keine Rolle. Das Ergebnis ist das Gleiche: Die Elternschaft ist danach eine rein gesetzliche und getrennt von der leiblichen Elternschaft. Zusätzlich ist es höchste Zeit, dass die Jugendämter einer Aufsichtsbehörde unterstellt werden, damit bei Verstößen sich die Betroffenen bei einer unabhängigen Kontrollinstanz beschweren und Hilfe erhalten können. Derzeit sind sie der Willkür der Jugendämter ausgesetzt, die selber über die Rechtmäßigkeit der Beschwerden gegen sie urteilt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

3. Gemeinsam mit den Ländern ein unabhängiges Beratungs- und Betreuungsangebot für Menschen, die mithilfe von Samenspenden gezeugt wurden, einschließlich Unterstützung deren Beratungs- und Selbsthilfeeinrichtungen, zu schaffen.

Diese Forderung gehört ausgeweitet, so dass die Einrichtungen auch Adoptiv- und Kuckuckskindern sowie Scheinvätern, leiblichen Vätern und Kuckucksmüttern Beratung und Hilfe anbieten. Derzeit gibt es nur dieses Blog und die dazugehörigen Facebookgruppen, die Kuckuckskindern, etc. Hilfe anbietet.Wir machen diese Hilfe ehrenamtlich und kostenfrei neben unserer Berufstätigkeit. Staatliche Unterstützung tut Not.

4. Eine bundesweite Studie hinsichtlich der Situation von Menschen, die mithilfe von Samenspenden gezeugt wurden, und ihren Familien in Auftrag zu geben.

Diese Studien sind auch für Kuckuckskinder, Scheinväter, leibliche Kuckucksväter und Kuckucksmütter dringend notwendig.

Auch der Verein der Samenspendekinder hat eine Kommentierung seinerseits abgegeben.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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5 Antworten zu Von Samenspenderkindern, Adoptivkindern, Kuckuckskindern … und deren Rechten – Kommentar zum Antrag der Bündnis ’90/DIE GRÜNEN im Bundestag

  1. Norbert Potthoff schreibt:

    Na, ich würde Max nicht als Don Quijote oder Don Quichotte, bezeichnen, der einer völlig absurden Idee hinterher jagt
    Steter Tropfen höhlt den Stein.
    Der träge, selbstverliebte Politikerbetrieb in Deutschland wird eh gerade aufgemischt.

    • don2alfredo schreibt:

      Das, Max als Don Quijote zu bezeichnen, liegt mir fern. Der einzige Vergleichspunkt ist die von mir behauptete Vergeblichkeit der Attacke.
      Im aufgemischten Politikbetrieb werden die zu befürchtenden neuen Besen nichts zum Besseren kehren. Wie sagt der Volksmund: „Es kommt meist nichts besseres nach.“

  2. Pingback: JAWO am Sonntag - 09/16 - kristallklare Zeiten (Crystal Meth) - NICHT-Feminist

  3. Pingback: Kuckucks-News vom 06.03.2016 – 11 Meldungen | kuckucksvater

  4. don2alfredo schreibt:

    Max K. kämpft gegen Windmühlenflügel, aber das macht ihn sympathisch. Die Gegner einer zeitgemäßen Regelung der Elternschaftsprobleme durch Fremdbefruchtung (die natürlich auch Probleme der Kinder sind) sitzen am längeren Hebel. Die Reproduktionsmedizin kann kein Interesse daran haben, ihr gutes Geschäft durch nach ihrem Verständnis ausufernde Regelungswut zu belasten oder gar zu gefährden. Wieviele Samenspender wird es noch geben, wenn jeder damit rechnen muss, für seine Großzügigkeit und seinen kleinen Nebenverdienst lebenslang zur Verantwortung gezogen zu werden? Die aktive Lobby dieses Geschäfts und die Trägheit des Politikbetriebs (agiert wird nur schnell, wenn sich damit Wähler beeinflussen lassen) sind die natürlichen Feinde von Max Kuckucksvater.

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