Ich empfinde nur noch Traurigkeit, Wut und Hass – Kuckucksmutter, das war ich mal – Teil 6 – von Lea Freundt


Erlebnisbericht

Kuckucksmutter, das war ich mal von Lea Freundt

Nachdem ich ihm sagte, dass er nicht der Vater sei und der Vater meines Sohnes die Vaterschaft anerkannte, empfand ich nur noch enorme Traurigkeit, Wut und Hass.
Es wurden noch ein paar Nachrichten ausgetauscht, wo er mir sagte, dass ich eine Betrügerin sei und ihm ein fremdes Kind unterjubeln wollte und dass man das Jugendamt einschalten müsse. Er hat eine Staatsanwältin in der Familie und natürlich wurde auch sie involviert und hat sich mit Familienrichtern auseinander gesetzt, laut seiner Aussage. Was er mir mitteilen wollte, ist bzw. war mir in dem Moment nicht so ganz klar. Wollte er gegen mich vorgehen, weil ich ihm sagte, das er nicht der Vater sei und er sich betrogen fühlte? Oder war ihm schon klar, dass ich ihn belogen habe und er suchte nach Wegen, dagegen vorzugehen. Wie auch immer, ich war Schuld, ein Flittchen, eine Betrügerin, eine schlechte Mutter … und ich nahm diese Rolle an, da ich für mich keinen anderen Weg sah.

Wie ich schon beschrieben habe, habe ich es ca. 8 Wochen später aufgeklärt und ihm gesagt, dass er doch wusste, was er in mir auslöst und das ich nur noch geflüchtet bin. Aber es prallte völlig an ihm ab. Er meinte nur, dass er mit mir und meiner Familie nichts mehr zu tun haben wolle. Das waren seine letzten Worte, nachdem ich um ein klärendes Treffen bat.

Ich fing wieder an klarer zu denken und es zerfraß mich innerlich. Ich bin mit dem Gedanken an ihn aufgestanden, habe den Tag über, mit den Gedanken, was alles geschehen ist, verbracht oder wollen wir lieber sagen ich habe dahin vegetiert und jeden Tag gebetet, dass der Tag schnell endet und bin damit wieder ins Bett gegangen. Und selbst nachts blieb ich davon nicht verschont und träumte davon. Immer mehr setzte ich mich damit auseinander und entwickelte große Schuldgefuhle. Teilweise empfand ich sogar nur noch Schuld in meiner Person und habe das Tun der Anderen völlig ausgeblendet.
Besonders schlimm empfand ich es, wenn ich meine Tochter ansah. Es war so traurig zu sehen, dass ich vielleicht Schuld an allem Geschehenen war und sie deshalb auf ihren Vater verzichten müsste. Ich brauchte Kraft und habe jeden Tag versucht, neue Wege zu finden, um zu überleben. Es gab Tage, da war ich nicht mehr ich selbst und fühlte nur noch Leere und Schmerz.

Im nächsten Teil erzähle ich meinen Gang zur Psychotherapeutin und was sie mir riet.

Erster Teil meiner Geschichte: Ich hatte auch einmal Glück, dachte ich. – Kuckucksmutter, das war ich mal – Teil 1

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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