Er will den Vaterschaftstest! – Kuckucksmutter, das war ich mal – Teil 4 – von Lea Freundt


Erlebnisbericht

Kuckucksmutter, das war ich mal von Lea Freundt

Sie wurde geboren und ich gab ihm drei Tage nach dem Kaiserschnitt Bescheid, dass seine Tochter auf der Welt ist. Als ich entlassen wurde, habe ich ihn sofort gefragt, ob er seine Tochter sehen möchte. Er gab an, seine Tochter bei sich zu Hause kennenlernen zu wollen.
Gesagt getan. Ich war am 5. Tag nach Sectio vor Ort und es viel mir weiß Gott nicht leicht, so kurz nach der OP dort zu stehen. Aber ich habe mich gefreut und war so stolz. Seine Mutter war ebenfalls vor Ort und beide wirkten sehr reserviert. Eigentlich hätte ich es da schon wissen müssen und hätte gehen sollen, aber ich blieb und dachte, ich mache alles richtig.
Fakt ist, dass mir dort dann nach kurzem Aufenthalt gesagt wurde, dass man einen Vaterschaftstest anstreben würde. Also er und seine Mutter saßen dort und beide sagten, wie aus einem Mund, dass man einen Vaterschaftstest wünscht. Und wieder war ich das Flittchen, was sich ja zuvor schon durch die ganze Zeit zog. Ich kann gar nicht beschreiben, was in dem Moment durch meinen Kopf ging. Ich geriet wie in eine Schockstarre. Sagte noch leise, dass man das dann über das Jugendamt und Gericht klären würde und wollte nur noch da raus. Ich war sooo traurig.
Ich vernahm dann noch, dass das zu teuer wäre und dass man das mit ’nem x-beliebegen Labor durchführen könnte, da die Kosten sonst zu hoch wären. Ich wollte nur noch weg, weg, ganz schnell weg. Sie standen auf und mir wurde klar, dass ich nicht dort hingerufen wurde, um das Kind der Familie vorzustellen, sondern dass es der Tag der Abrechnung sein sollte. Beide fingen auf einmal an, auf mich einzubrüllen. Die Mutter brüllte: „Du bleibst jetzt gefälligst hier Fräuleinchen … Wir sind noch nicht fertig. (Ich bin 38 Jahre ) … Kannst Du mir mal sagen, warum Du sie nicht abgetrieben hast?“
Beide standen mir gegenüber. Er nickte nur bestätigend und ich konnte nix sagen. Mir schossen die Tränen ins Gesicht und alles, was ich dazu sagen konnte war: „Sooo schlimm, was ihr beide gerade mit mir tut!“ Mein Ex meinte dann nur noch, dass es schon schlimmere Dinge in meinem Leben gab, als dieses. Ich flüchtete aus der Wohnung, da meine 5 Tage alte Tochter anfing zu brüllen. Das agressive und laute Verhalten von den beiden ging auch an ihr nicht unbemerkt vorüber. Es wurde mir sogar noch hinterher gebrüllt. Aber ich vernahm die Worte nicht mehr.

Ich muss an dieser Stelle kurz mal in meine Vergangenheit gehen und dazu sagen, dass mein Vater ebenfalls ein Vaterschaftstest wünschte und ich diesen damals live miterleben durfte. Es wurde sogar ein Gutachten erstellt, welcher Rasse ich entspreche, da er damals angab dass ich von einem Asiaten (seinem damaligen Freund) abstammen würde. Ich habe das alles damals als sehr schlimm empfunden und dachte in dem Moment, als mir diese Worte gesagt wurden, dass sich gerade alles wiederholen würde. Mein Gedanke damals war nur: weg, weg, weit weg.

Ich wollte diese Menschen nie wieder sehen. Die Welt drehte sich nicht mehr. Ich war kaputt geschlagen. Ich konnte nicht mehr denken und habe nur noch geweint und das Stillen hatte sich seit diesem Tag auch erledigt gehabt.

Im nächsten Teil erzähle ich, wie ich ihn anlog, dass er doch nicht der Vater sei und …

Erster Teil meiner Geschichte: Ich hatte auch einmal Glück, dachte ich. – Kuckucksmutter, das war ich mal – Teil 1

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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