Der Tod meines leiblichen Vaters – Mutterliebe – Kapitel 12 – von Marion Prinz


Schwarz Weiß Passbild

Paßfoto von meinem Vater Mäx – Marion Prinz

Der Freitod von Mäx hat mir keine Ruhe gelassen. Ich wollte unbedingt wissen, wie er sich das Leben nahm. Die Antworten darauf entdeckte ich im Hamburger Abendblatt.

In der Zeitung vom 26.02.1965 gab es eine Unfallmeldung. In den frühen Morgenstunden wurde an der Tiergartenstraße in der Nähe des Dammtorbahnhofs die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Neben dem Gleis für Fernzüge lag ein toter Mann. Sein Kopf war am Rumpf abgetrennt und lag zwischen den Schienen.
Mit zwei Fotos war der Artikel bebildert. Einmal waren die Schienen vom Unfallort zu sehen und beim nächsten Bild transportierten Uniformierte einen Menschen auf einer Trage. Der Körper war mit einem weißen Tuch verhüllt, nur der rechte braune Schuh schaute hervor.

Am 01.03.1965 fand ich auf der Hamburger Seite noch einen kleinen Artikel darüber. In dem stand, dass der junge Mann jetzt identifiziert werden konnte. Es ist der 21 jährige Mäx aus Geislingen. Die Polizei ermittelte, dass er keinem Verbrechen zum Opfer gefallen ist sondern freiwillig aus seinem Leben schied. Er schrieb im Zug nach Hamburg Abschiedsbriefe an Eltern und Verwandte.
So, jetzt wusste ich Bescheid! In dem Moment, als ich Mäx auf dem Bild sah und seinen rechten Schuh erblickte, bekam ich eine Gänsehaut, mein Herz klopfte wie verrückt, ich spürte seine Nähe und wenn ich meine Augen schloss, sah ich rot, alles rot wie Blut. Ich habe mich auch an dem Abend übergeben müssen.
Vielleicht kann seine Familie mich nicht sehen, weil der Tod von Mäx so grausam war. Da kann man nur wegsehen und alles vergessen wollen. Ich möchte Mäx ansehen, ich möchte ihn kennen lernen und mit Menschen reden die ihn kannten, Schulfreunde,  Arbeitskollegen, seine Schwester, seinen Bruder.

Mit seinem Bruder wollte ich einen DNA-Abgleich machen und so Gewissheit über das Verwandtsein erhalten. Aber die Ansprechpartnerin des Institutes meinte, der Test wäre sehr unsicher und gäbe mir nur 50 prozentige Sicherheit, denn je mehr X-Chromosomen im Spiel sind, desto ungenauer wäre das Ergebnis.

Ich kann es leider nicht beweisen, ob Mäx mein Vater ist. Er ist schon 50 Jahre tot und sein Grab aufgelöst. Ich schicke meine positiven Bilder ins Universum und bitte liebevoll um Hilfe.

Meine Schwester sagte vor kurzem zu meinem Vater, dass sie dankbar darüber ist, dass er bei unserer Mutter geblieben ist, denn sonst wäre sie nicht auf der Welt. Ich finde das ist ein sehr guter Satz von meiner Schwester.

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Serientitelbild zu

Mutterliebe – von Marion Prinz

Fortsetzung folgt ….

Voriges Kapitel: Das Leben meines leiblichen Vaters – Mutterliebe – Kapitel 11

Erstes Kapitel: Du bist ein Kuckuckskind! – Mutterliebe

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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Eine Antwort zu Der Tod meines leiblichen Vaters – Mutterliebe – Kapitel 12 – von Marion Prinz

  1. Petra Scholz schreibt:

    Dennoch würde ich an Deiner Stelle nichts unversucht lassen.
    Da mein vermeintlicher Vater ca. 8 Monate nach meiner Klageerhebung verstorben ist, fragte mich das Gericht, ob mir bekannt wäre, wie er bestattet worden sei, denn im Fall einer Erdbestattung ist eine Exhumierung möglich.

    Darüber hinaus bat das Gericht um die Adresse meiner Zwillingsschwester (zweieiig) und um jene, meines vier Jahre älteren Bruders, der offenbar der leibliche Sohn ist.
    Dies wurde darüber hinaus veranlasst, um einen Geschwistertest zu vollziehen, bei welchem das Ergebnis auch feststellbar ist.

    Unabhängig davon, was Dir mitgeteilt wurde: „Es scheint auch Dir wichtig, also nimm diese Möglichkeit wahr“.
    Vielleicht gibt es bei irgendwem noch Nachlass Deines vermutlich, leiblichen Vaters, wie besondere Kleidungsstücke, Schmuck, Kamm, Zahnbürste,- oder Prothese, etc.

    Manchmal bewahren Angehörige oder Freunde jene Dinge zum Gedenken in einer Schatulle auf.

    Auch das ist möglich und nach heutigem Stand bekommt man mitunter aus kleinsten Partikeln eine DNA.

    Ich wünsche Dir für diesen möglichen Weg alles Gute.

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