Mutter gibt die Wahrheit preis – Mutterliebe – Kapitel 10 – von Marion Prinz


Ähnlichkeiten?

Marion Prinz und ihr leiblicher Vater auf einem Foto mittels Fotomantage vereint – Fotos & Fotomontage: Privat

Es war an der Zeit, meine Mutter über den Vaterschaftstest und dessen Ergebnis zu informieren. Meine Mutter hatte mit 47 Jahren einen Schlaganfall bekommen. Dadurch ist sie in ihren Lebensqualitäten eingeschränkt. Am Telefon sprach ich mit ruhiger Stimme zu ihr: „Das wird jetzt für Dich kein angenehmes Gespräch,  es wird Dir auch nicht gefallen. Mit Papa habe ich einen Vaterschaftstest gemacht. Er ist nicht mein Vater!“ Nach einer langen Pause sagte meine Mutter: „Und jetzt?“ „Jetzt gebe ich dir zwei Wochen Zeit, dann komme ich dich besuchen und möchte  von dir wissen wer mein Vater ist. Ich habe ein recht darauf zu Wissen, wer mein Vater ist, okay?“ „Okay!”, sagte meine Mutter.

In der Zwischenzeit fragte ich meinen Vater, ob er wüsste mit wem meine Mutter vor meiner Geburt Kontakt hatte. Er würde auch schon die ganze Zeit überlegen. Mit einem Italiener und mit einem Sohn des Eisenhändlers wäre sie befreundet gewesen. Der Italiener könne aber nicht mein Vater sein, weil er klein und schmächtig ist. Nun, ich bin klein aber nicht schmächtig! Den Namen des italienischen Gastarbeiters wusste mein Vater nicht mehr, jedoch an den Namen und an die vollständige Adresse  des anderen jungen Mannes konnte er sich gut erinnern. Die darauf folgende Internetrecherche zeigte einen Großunternehmer.

Bei dem Besuch meiner Mutter legte ich ihr das schriftliche Ergebnis auf den Tisch mit der bitte um Antworten.
Meine Mutter hat im Sommer 1962  einen jungen Mann kennengelernt. Sie begegneten sich in den Klosterstuben in Oettingen. Er war ein großer kräftiger Mann mit schwarzen Haaren und braunen Augen. Zur schwarzen Stoffhose trug er einen halblangen Wildledermantel.  Mit seiner Mutter und deren Lebensgefährten verbrachte er zwei Wochen in Donau-Ries. Die  Mutter war eine gepflegte Frau und trug ein dunkles Kostüm. Sie war Köchin, nach dem Ärger mit ihrem Chef suchte sie eine neue Arbeitsstelle. Ihr Freund war Vertreter für Futtermittel und fuhr einen Mercedes. Der junge Mann wohnte in Hamburg und war Bierbrauer von Beruf. Er hatte sich auch bei der Oettinger Bierbrauerei beworben. Für kurze Zeit mieteten sie sich eine möblierte Wohnung in Klosterzimmern an, dorthin lud der 18-jährige Mann meine Mutter per Brief ein. Mit dem Zug fuhr meine Mutter nach Klosterzimmern. Voller Stolz zeigte er ihr das gute Zeugnis und seinen Gesellenbrief.  Er war ruhig, gebildet mit guten Umgangsformen, anders als die Rieser-Burschen, gewesen. Sie blieb bei ihm über Nacht und dort wurde ich gezeugt. Seine Mutter nannte ihn „Mäx“. Ihre Bekanntschaft dauere zirka zwei Wochen. Mäx hatte ihr versprochen regelmäßig Briefe zu schreiben.  Sie hat von ihm keine Briefe mehr erhalten und  hatte deswegen auch keinen Kontakt mehr zu Mäx. Bei einer heftigen Auseinandersetzung mit ihrer Mutter, bestätigte sie, die Briefe von Mäx im Ofen verbrannt zu haben.
Meine Mutter wünschte mir Glück bei meiner Suche und dass Mäx noch lebe.

Nun hatte ich den Vornamen, den Nachnamen, mit dem Wohnort Hamburg. Im Internet suchte mein Sohn Dominique nach Mäx aus Hamburg. Bereits nach zehn Minuten konnte er schon Ergebnisse aufzeigen.
Völlig aufgeregt, mit zittrigen Händen wählte ich die Nummer. Am Telefon sprach ich mit seinem Bruder und dessen Ehefrau. Sie erzählten mir, Mäx wäre 1965 bei einem Autounfall verstorben. So erfuhr ich am gleichen Tag von der Existenz und vom Ableben meines Vaters.  Meinen neuen Verwandten schrieb ich sogleich einen Brief mit ganz vielen Fragen zu Mäx, mit der Bitte um ein Bild von ihm. Nach zwei Wochen erhielt ich aus Hamburg Post. Dem Brief wurden drei vergrößerte Passbilder von Mäx und seine Sterbeurkunde in Kopie beigelegt. Mäx ist nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er hat sich am 26. Februar  1965 das Leben genommen.

Warum hat er sich das Leben genommen? Wie hat er sich getötet? Was ist passiert in der Zeit von Juni 1962 und Februar 1965?

Davon möchte ich beim nächsten Mal erzählen.

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Serientitelbild zu

Mutterliebe – von Marion Prinz

Fortsetzung folgt ….

Voriges Kapitel: Wie sage ich es meinem Vater? – Mutterliebe – Kapitel 9

Erstes Kapitel: Du bist ein Kuckuckskind! – Mutterliebe

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Mutter gibt die Wahrheit preis – Mutterliebe – Kapitel 10 – von Marion Prinz

  1. Thor schreibt:

    1962 abtreiben in Deutschland? So ein dämlicher Kommentar.

  2. phantadu schreibt:

    Meine Meinung? Sie hätte ihn auch abtreiben können. Aber ne, sie bekam ihn, und besorgte ihm einen Vater, die Böse.

    Männer….

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