Familienaufstellung – Mutterliebe – Kapitel 7 – von Marion Prinz


Marion Prinz

Marion Prinz erwachsen und lächelnd mit kurzem Haarschnitt – Foto: privat

Ich bin immer auf der Suche nach mir und durch die Erlebnisse in meiner Kindheit habe ich mit meiner Person lebenslänglich. In jeder Lebenssituation und in jeder Beziehungsgestaltung nehme ich immer eine Person mit, mich. Diverse Selbsterfahrungskurse besuchte ich.

Bei meiner Ausbildung zum Praxisanleiter und der Einübung von Konfliktgesprächen berichtete ich dem Dozenten für Kommunikation über mein Unvermögen, ein gutes Mitarbeitergespräch zu führen, wenn ich von einem Mitarbeiter angelogen wurde.
In einem privaten Gespräch in der Mittagspause meinte der Dozent zu mir, es wäre nicht normal, wenn ich auf die Lügen immer so empfindlich reagiere und es so persönlich nehme. Eine Lebenslüge, vermutete er, wäre der Hintergrund. Er empfahl mir die Familienaufstellung bei J.R. Schneider zu buchen.
Eine Familienaufstellung ist ein Selbsterfahrungskurs und dient der Lebenshilfe. Für die Erklärung, was eine Familienaufstellung ist, benutze ich die Worte von J.R. Schneider.

„Tiefer als über bewusst weitergegebene Informationen haben wir mit unserem Leben Anteil an der Schicksalsgemeinschaft der Familie und Sippe. Ohne dass wir das wollen und auch nur wahrnehmen, sind wir verknüpft mit den Ereignissen und Schicksalen der Angehörigen und auch fremder, aber mit der Familie existentiell verbundenen Personen und tragen in blindem Ausgleich und in blinder Liebe mit, was sich in ihrem Schmerz nicht gelöst hat, was nicht bedauert wurde, was ausgeklammert blieb, unausgeglichen und unversöhnt. Das Familienstellen kann die unbewussten Prozesse in unseren Beziehungen und in unserer Seele sichtbar und erfahrbar machen, so dass der Weg frei wird für sehende Liebe, die alle anerkennt, die dazu gehören, sie in ihrem Schicksal würdigt und loslässt.“

Im März 2014 war ich mit meinem Freund bei der Familienaufstellung. In der Vorstellungsrunde wollte Herr Schneider von jedem Teilnehmer wissen, warum er hier ist. Es war für mich sehr schwer heraus zu filtern, warum ich jetzt hier bin. Weil ich auf Lügen so empfindlich reagiere, oder weil ich auf meine Mutter immer so wütend bin, oder weil ich selten Glück mit Männern habe? Während der Vorstellungsrunde erzählte Herr Schneider von erlebten Aufstellungen und deren Bedeutung. Zum Beispiel, wie es den Menschen geht, wenn sie nicht wissen, wer ihr Vater ist. Welche Konsequenzen es auch für die eigenen Kinder haben kann. Ein Kind wird dann unbewusst auf der Suche sein. Wenn man nicht weiß, wer sein Vater ist, schaut man sich die fremden Männer an. Bei diesen Worten schlug mein Herz so heftig, ich bekam keine Luft mehr, mir wurde schlecht und meine Augen füllten sich mit Tränen. Da wusste ich, dass das Gerücht zu meiner Herkunft geklärt werden sollte.

Beim nächsten Mal erzähle ich von meiner Familienaufstellung, die ohne einem zufriedenen Ergebnis endete.

====================================================================

Serientitelbild zu

Mutterliebe – von Marion Prinz

Fortsetzung: Familienaufstellung führt zum Vaterschaftstest – Mutterliebe – Kapitel 8

Voriges Kapitel: Mein Papa, mein Held – Mutterliebe – Kapitel 6

Erstes Kapitel: Du bist ein Kuckuckskind! – Mutterliebe

Advertisements

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Geschichten, Kuckuckskind abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Familienaufstellung – Mutterliebe – Kapitel 7 – von Marion Prinz

  1. Manfred W. schreibt:

    Interessant, dass der Dozent so treffend die Ursache benennen konnte!

    Das Schlimme ist, dass man eine Lebenslüge erst dann bearbeiten kann, wenn sie einem bekannt wird. Und das Widerliche an all denen, die Lebenslügen aufrechterhalten, ist, dass sie dem Betroffenen wertvolle Lebenszeit stehlen, die man zur Aufarbeitung der Lebenslüge hätte einsetzen können.

  2. Petra Scholz schreibt:

    Leider zieht sich eine solche Lebenslüge durch das ganze Leben hindurch und stempelt einen in dieser Hinsicht, durch die unbewusste Suche, samt wiederholenden Verdrängungen auch ab.

    Es prägt einen im wahrsten Sinne, spiegelt sich in vielen Bereichen des Lebens wieder und durchzieht Generationen, dessen Kindeskinder bewusst, wie unbewusst und/-oder zwangsläufig mit in dessen Sog der Lebenslüge geraten, was sich letztlich an den verschiedenen Verhaltensweisen wiederspiegelt, auf Kosten der Kinder und Kindeskinder, auf welchen eine solche Lüge weiter haften bleibt und weitere Spätfolgen nicht ausgeschlossen sind.

    So wurde es beispielsweise durchaus möglich, dass sich selbst Halbgeschwister verpaarten, ohne zu wissen dass sie vom gleichen Vater abstammen, was neues Leid produziert, doch wenn spätestens dann, Mütter/Eltern noch immer schweigen, dessen Lüge gegenüber den eigenen Kindern sich bereits derart manifestiert hat, da ihnen selbst dann die eigene Fassade wichtiger erscheint und sie durch strikte Geheimhaltung derart verdrängt haben, dass sie selbst an die Lüge glauben, wird es kritisch, wenn nicht kriminell.

    Hinzu kommt,- was jene Kehrseiten von Betroffenen anbelangt,- das Bewusstsein des betreffenden Kindes, der Wahrheit nicht würdig gewesen zu sein und letztlich eine unbedeutende Rolle gespielt zu haben,- in jenen Situationen von insgeheimer Ablehnung durch die Mütter/Eltern, dementsprechend abgestempelt zum Sündenbock, allenfalls noch als dass insgeheime, „notwendige Übel“ als Mittel zum Zweck dienend gewesen zu sein, auf dem jeglicher Frust durch das geheimgehaltene „Fehlverhalten“ lastet und einschließlich für das eigene Dasein dafür als „Prellbock“ und „Ablassventil“ dienend, für all das verantwortlich gemacht wird.

    Bringt man dann als Kind jenes Thema auf und beginnt sich auf die Suche seiner wahren Herkunft zu machen, endet dies nicht selten mit einem erneuten Schlag ins Gesicht und man wird selbst als Lügner, Phantast verschrien und so bleiben jene Mütter/Eltern, trotz des verankerten Rechts des Kindes auf das Wissen seiner wahren Herkunft, zur freien Entfaltung seiner Persönlichkeit und Entwicklung nicht selten noch gesellschaftlich und rechtlich geschützt.
    So gewinnt die Lüge, die über die Rechte des Kindes gestellt werden, weil Mütter/Eltern meinen im Recht zu sein und strikt an einer solchen Lüge festhalten, die dann letztlich an ihr „Recht“ glauben, wenn aus ihrem begangenem Unrecht selbst mit anwaltlicher Hilfe ein Rechtsspruch erwirkt wird, was sie dann tatsächlich „Recht“ nennen und Dank dieses, inzwischen 100 Jahre alten, schwammigen Gesetzes, als solches empfinden.

    Diese Geschichte verdeutlicht, wie sehr eine solche Lüge sich im späteren Leben wiederspiegelt und mit wessen Folgen dies verbunden sein kann, die Leben und Gesundheit der Betroffenen derart beeinträchtigen und diesbezüglich auch dahingehend eine Gesellschaft formt, was vielen gar nicht so recht bewusst ist und bereits von der Warte aus alle Menschen etwas angeht, anstelle dies als meist „unwichtig“ anzusehen, weil: „nicht sein kann, was nicht sein darf“, was uns letztlich längerfristig allen schadet.

    Dir, Marion, vielen Dank für Deinen Beitrag und alles Gute für Dein zukünftiges Leben, welches Du trotz allem,- wie ich einschätze,- sehr gut gemeistert hast. (y)

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s