Wir haben eigentlich keine Chance – von Jay Render


Erlebnisbericht

Wir haben eigentlich keine Chance – von Jay Render

2010, etwa ein Jahr nachdem ich meinen Mann verloren hatte, lernte ich Michael kennen und wir haben uns sofort verliebt.

Dass er zu dem Zeitpunkt unglücklich veheiratet war, war kein Hinderungsgrund.  Michael zog sehr schnell zu mir, reichte die Scheidung ein und somit stand uns nichts mehr im Wege. Michael war mir ein toller Partner und meinem Sohn Luca ein toller Ersatzvater.
Leider bekamen wir 2012 eine Krise und ich war mir unsicher, ob ich diese Beziehung weiterführen möchte. Ich bat ihn dann, mich für ein paar Tage allein zu lassen, damit ich den Kopf frei bekomme. Wir waren uns einig, dass wir uns lieben, es so aber nicht weitergehen kann. So ging Michael für ein paar Tage zu seinem Freund Holger.
Er meldete sich nicht und war auch nicht zu erreichen. Ich bekam direkt ein unwohles Gefühl und hatte Angst, ihn ganz verloren zu haben. Irgendwann stand er aber in der Türe, wir redeten viel und waren uns einig es nochmal zu versuchen. Alles war soweit okay, bis zu dem Tag, als ich bei Facebook mal wieder meinen „sonstige“ Ordner kontrollierte.

Eine junge Frau schrieb mich an, ob ich die Freundin von Michael K. wäre. Ich fragte Michael sofort ob er diese Frau kennt und warum sie mich denn nun anschreibt. Er schaute sich das Profil an und beteuerte, dass er sie nicht kennen würde. Meine Neugier war geweckt und so antwortete ich ihr : „Ja, um was geht´s denn? Hat er Mist gebaut?“.
Dann kam ein ellenlanger Text von ihr, dass sie und ihre Freundin Henriette die Schnauze voll hätten von Michaels Verhalten und dass sie mir deshalb schrieben. Sie wären der Meinung, ich müsse es wissen, dass er Vater sei und sich nicht kümmert und Henriette und das Kind sitzen lässt und sich ja lieber um ein „fremdes“, (MEIN) Kind kümmert, als um sein eigenes.
Ich dachte, ich träume. Ich schaute Michael an und fing gleich an zu weinen. Ich zeigte ihm die Nachrichten und er wurde blass.
Nachdem wir uns heftig gestritten hatten, ließ ich mir die Nummer dieser Frau geben und rief sie an. Heraus kam, dass das Kind Robin schon fast ein Jahr alt ist und Ende 2012 gezeugt wurde, genau in der Zeit als Michael und ich diese Krise hatten.

Ich bat Henriette zu uns zu kommen, ich wollte sie sehen und ich wollte sein Kind sehen. Nach ca. 2 Stunden kam sie bei uns zu Hause an, mit dem Kind auf dem Arm. Ich schaute Markus an, schaute Henriette an, starrte auf das Kind und ich wusste, dass da was nicht stimmt. Der kleine Mann war zuckersüss, aber niemals konnte er der Sohn der beiden sein. Fast schwarzes Haar, schwarze Augen und sehr dunkle Haut, all das ließ mich zweifeln.
Obwohl ich 3 Jahre nicht mehr geraucht habe, war es jetzt Zeit, eine zu rauchen. So ging ich in die Küche ans offene Fenster, nahm mir zitternd eine Zigarette und rauchte. Henriette übergab das Kind an Michael und folgte mir. Sie wollte mich trösten, mich in den Arm nehmen und redete auf mich ein, dass es ihr leid täte, sie hätte nicht gewusst, dass wir noch zusammen wären. Jetzt müsse man aber ans Kind denken, Robin bräuchte doch seinen Papa und ich soll dem nicht im Weg stehen. Ich wäre schließlich schon schuld daran, dass eine Beziehung zwischen Henriette und Michael nicht möglich gewesen wäre, da er ihr sagte, er würde nur mich lieben.
Wieder im Wonzimmer saßen wir nun zusammen und redeten.
Heraus kam, dass Henriette Michael damals erpresst hat, die Vaterschaft anzuerkennen. Michael war sehr aufgebracht und erzählte alles, Henriette hingegen wurde immer ruhiger.
Sie sagte Michael damals sofort, dass sie schwanger sei und das Kind nicht allein groß ziehen möchte, dass sie mit ihm eine Familie will. Michael aber sagte ihr, dass er mich liebt und mit ihr nicht zusammen sein kann und will, sondern nur mit mir. Sie drohte: „Du erkennst die Vaterschaft beim Amt an und niemand erfährt etwas oder aber ich werde deinen Eltern und deiner Freundin alles erzählen.“
Aus lauter Angst, dass ich von seinem Seitensprung erfahre, unterschrieb Michael die Vaterschaftsanerkennung.
Angeschrieben hat Henriette bzw. ihre Freundin mich ja dennoch. Auf die Frage, weshalb das Wort nicht gehalten wurde, hat sie nur gegrinst. Das zeigte mir schon wie berechnend diese Frau ist.
Sie fragte dann auch noch, weshalb sie so wenig Unterhalt bekommen würde, wo Michael doch so gutes Geld verdient. Da musste ich lachen, ich wusste das Michael als Leiharbeiter nicht viel Geld hat und Michael hat direkt eingeworfen, dass er nicht einen Cent an Unterhalt gezahlt hätte, da er nicht fähig sei, sie würde Unterhaltsvorschuss bekommen. Henriette machte grosse Augen und war entsetzt, er hätte erzählt wie gut er verdienen würde. Nun ja, für mich schon 2 Punkte, die mich stutzig machten, das südländische Aussehen dieses Zwergenmannes und sie wollte mehr Geld.
Es kam immer mehr ans Tageslicht, auch, dass Michael sich anscheinend doch um das Kind kümmerte. Wenn er Spätschicht hatte, ging er aus dem Haus, als hätte er Frühschicht und ging dann zu ihr, um sich um den Kleinen zu kümmern und ihr im Haushalt zu helfen (mal angemerkt, dass diese Frau von Hartz4 lebt, den ganzen Tag zu Hause hockt, lässt sie ihn dort putzen und aufräumen). Er machte dem Kind Geschenke und verbrachte viel Zeit mit ihm.
Henriette war ca. 3 oder 4 Stunden hier. Als sie ging, ging sie nicht im Frieden, ich sagte dass ich forschen werde, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Die erste Wahrheit kam dann kurz nachdem sie hier raus war – „Wenn du willst, dass sie blutet, verrate ich dir was – sie hat als Prostituierte gearbeitet und zwar schwarz!“, sagte Michael mir. Mir fiel bald alles aus dem Gesicht. „Interessant, hast du dafür Beweise? Hast du sie etwa bezahlt?“ Nein, hätte er nicht, das wäre alles rein freundschaftlich passiert … ja, sehr freundschaftlich das Ganze.
So setzte ich mich an den Rechner und recherchierte. Tatsächlich, sie arbeitet als Prostituierte, hat eine eigene Seite im Netz, arbeitet mit einem Künstlernamen, auf den Bildern war sie aber ganz klar zu erkennen. Ich durchforstete die Seite und fand tatsächlich etwas, was mir die Sprache verschlagen hat und das passiert echt selten! „Bei Vorlage eines negativen HIV Tests, der nicht älter als 3 Monate ist, besorge ich es euch auch ohne Gummi“.
Fassunglos schaute ich Michael an, der noch immer vom Tag geschockt war.
Wir beschlossen noch am nächsten Tag zum Anwalt zu gehen und die Vaterschaft anzufechten. Ich zog also zig Screenshots (von ihrer Website) auf einen USB Stick und hoffte, dass dies als Grund reicht, eine Vaterschaft anzufechten, in den 2 Jahren befanden wir uns ja auch noch.
Der Anwalt, schwer verwirrt von den Bildern und ihrer „Werbung“ auf meinem Stick, sagte sofort, dass es reichen wird und er umgehend alles in die Wege leiten würde.
Inzwischen haben wir auch Michaels Eltern kontaktiert, denn Henriette drohte weiter die Adresse von ihnen rauszubekommen und ihnen dann das Enkelchen zu präsentieren. Also nahmen wir ihr den Spaß und riefen dort an. Die Mutter, sehr geschockt, fragte gleich, ob wir Bilder hätten und ich sie per Mail schicken könnte. Noch während des Telefonates schickte ich die Bilder per Mail an sie und hörte sie sich räuspern. „Ist alles okay bei dir? Was sagst du zu den Bildern? Siehst du Ähnlichkeiten?“- Nein Kind, dieser Junge ist definitiv nicht von Michael, die verarscht euch nach Strich und Faden!“ Okay, sie denkt schonmal das Gleiche wie ich. Warten wir’s ab.

Einige Wochen vergingen, jeden Tag rannten wir wie ein paar Verrückte zum Briefkasten, ob endlich was da ist vom Anwalt oder vom Gericht und eines Tages war es soweit. Wir hatten eine Vorladung zur Verhandlung. Ich durfte nicht mit rein, aber die Sache war sehr schnell erledigt, sie müsse einen Vaterschaftstest machen, wir bekämen Post mit einem Termin für den DNA Test. Innerhalb von 2 Wochen war der Termin da. Weitere 3 Wochen später das Ergebnis. Und siehe da, die Vaterschaft ist ausgeschlossen. Bis zum bitteren Ende bestand Henriette darauf, dass Michael der Vater ist, beschimpfte und beleidigte ihn. Als ich sie dann zur Rede stellte, lachte sie mich nur an und meinte, sie wollte Michael nur einen Spiegel für alles vors Gesicht halten, wäre ja nichts passiert, ich solle mich nicht so anstellen.
Wir warten nun auf einen Termin, damit das alles offiziell ist und er als Vater ausgetragen wird. Desweiteren baten wir den Anwalt darum, ihr zu untersagen, weiterhin zu behaupten, Michael sei der Vater und wir wollen, dass sie für das, was sie getan hat bestraft wird. Unser Anwalt sagte, dass man da wenig bis nichts machen kann. Wir wiesen auf den Paragraphen 169 im StGB zur Personenstandsfälschung hin. Er will es nun versuchen, machte uns aber keine großen Hoffnungen auf Erfolg. Mittlerweile wissen wir vom Anwalt, dass wir eigentlich keine Chance haben, gegen diese schreckliche Frau vorzugehen, aber wir kämpfen weiter!

Wer der wirkliche Vater ist, werden wir wohl nie erfahren und der arme Junge vermutlich auch nicht. Ich werde euch weiter berichten, ob wir sie nun doch belangen konnten oder nicht. Wahrscheinlich wird sie ungeschoren davonkommen.

Herzliche Grüße
Jay

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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Eine Antwort zu Wir haben eigentlich keine Chance – von Jay Render

  1. Petra Scholz schreibt:

    Dass es Mütter gibt, die selbst auf Kosten ihrer Kinder quasi über Leichen gehen,- denen es darüber hinaus offensichtlich an Verantwortung mangelt,- ist schon schlimm genug.
    Schlimm dabei ist, dass solche Menschen überhaupt Kinder in die Welt setzen und das Ganze letztlich missbrauchen, als gehe es dabei um Ihr eigenes Wollen mit geplanter, heiler Familie und meinen, sich dafür einen, fast X- beliebigen Mann als Kindsvater an sich binden können, nur um finanziell abgesichert zu sein.

    Auch wenn es nicht realisierbar ist und anderseits kurios klingt: „Der Führerschein für das, in die Welt setzen von Kindern ist dennoch kein Gedanke von Irrsinn gewesen und findet,- was einige Menschen anbelangt schon irgendwie seine Berechtigung.“

    Schließlich zeigt auch diese Geschichte, dass die Leidtragenden,- außer den geschädigten Scheinvätern,- letztlich die Kinder sein werden, was Spätfolgen hinterlassen kann, von denen dann einige,- wie gerade jene Menschen, nichts wissen wollen aber schlimmstenfalls am Lautesten nach härteren Strafen schreien.

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