Du bist ein Kuckuckskind! – Mutterliebe – Kapitel 1 – von Marion Prinz


Serientitelbild zu "Mutterliebe" von Marion Prinz

Mutterliebe – von Marion Prinz

„Du bist ein Kuckuckskind! Papa ist nicht dein Papa, ihm ist ein Kuckucksei ins Nest gelegt worden und wir sind nur Halbschwestern!“, diesen Satz sagte meine Schwester Karin vor ca. 20 Jahren zu mir. Ich habe den Satz nicht ernst genommen und dachte, er wäre eine Lüge und eine Art mich zu verletzen, weil meine Schwester und meine Mutter meine Nähe zu meinem Vater nicht tolerieren. Meine Mutter und meine Schwester waren in der Vergangenheit schon immer eifersüchtig auf die innige Beziehung zu meinem Vater gewesen.
Meine Eltern sind geschieden. Nachdem ich bereits mit 15 Jahren mein Elternhaus verließ, steigerten sich die Streitigkeiten der Eltern bis ins Unerträgliche.
Die Situation zuhause verlief immer nach dem gleichem Muster ab. Mein Vater schrie und meine Mutter weinte. Wir Kinder fürchteten uns sehr und flüchteten in unsere Zimmer, versperrten die Türen und warteten, bis sich die Luft wieder gereinigt hatte.
Mit fünf Jahren habe ich gesehen wie meine Mutter aus dem Fenster sprang und mein Vater sie an beiden Handgelenken festhielt und sie zurück ins Zimmer zog.
Die Stimmung zu Tisch war oft spannungsgeladen und sehr erdrückend. Während den Mahlzeiten wurde oft gestritten und wir Kinder hatten zu schweigen. Meine Schwester verweigerte das Essen, weinte viel und erbrach sich und ich war still und aß brav meinen Teller leer.
Meine Eltern waren unglücklich miteinander verheiratet, vielleicht auch weil ihre Ehe auf einer Lüge basierte.
Ich habe lange an mir arbeiten müssen um dieses alte Muster zu überzeichnen. In meinen Beziehungen war ich unfähig über Probleme und Konflikte zu sprechen. Ich schwieg stets, vermied den Blickkontakt und flüchtete in „mein“ Zimmer.
Bei dem gemeinsamen Essen war ich auch stets angespannt und ertrug keine Geräusche. Meine Kinder mussten sich still verhalten und durften weder schmatzen noch schlürfen.
Heute kann ich zu jeder Situation kommunizieren. Die Probleme werden angesprochen und ausdiskutiert. Bei uns wird überhaupt sehr viel miteinander geredet und gelacht, vor allem beim Essen. Ich bin viel lockerer und entspannter geworden.

Was hat das nun mit dem Thema Kuckuckskinder zu tun?

Ich möchte erzählen, wie durch falsche Entscheidungen und Lügen das Leben der Familienmitglieder und mein Leben nachhaltig verändert wurden.

Ich habe nicht nur das Problem ein Kuckuckskind zu sein, sondern ich leide an dem Verlust der Mutterliebe und es fehlt mir das Urvertrauen.

Im nächsten Kapitel werde ich von meiner Kindheit erzählen.

 

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Fortsetzung: Der Tod ist mein Begleiter – Mutterliebe – Kapitel 2

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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4 Antworten zu Du bist ein Kuckuckskind! – Mutterliebe – Kapitel 1 – von Marion Prinz

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  2. Petra Scholz schreibt:

    Oft könnte ich schreien, wenn Eltern aus Gründen von Prestige heiraten und Kinder auf die Welt setzen, obwohl sie selbst nicht reif dafür sind und ihre Kinder dann für blöd verkaufen, dabei so tun als seien sie die Allwissenden mit der weißen Weste und letztlich ihr eigenes Fehlverthalten verheimlichen und dies an ihnen abzulassen.

    Dieses Phänomen ist auch mir nicht fremd geblieben.
    Es ist richtig, dass dies die Psyche schädigt, was oftmals vehement als Quatsch abgetan wird.

    Was das für Spätfolgen haben kann, geht deutlich aus Deinem Text hervor, die meist vehement igoriert werden.

    Letztlich tut es weh, wenn man plötzlich erkennt, dass man unbewusst jene Verhaltensstrategien entwickelt, die man selbst nicht für gut geheißen hat, aber trotz der Ablehnung auf andere Art zu durchsetzen versucht und es wieder die Kinder trifft, die nichts dafür können.

    Schön ist es, dass Du diesen Bann brechen konntest und Ihr nun über alles reden könnt.

    Den Zwang, als Kind stets zu schweigen, habe ich auch kennengelernt und hat mir sehr weh getan.
    Das führte selbst soweit, dass man mir selbst mit 30 Jahren den Mund verboten hat, was die Eltern offenbar noch nicht einmal bemerkten, oder vielleicht auch nicht bemerken wollten.

    Jene Situationen zeigen einem dann oftmals deutlich genug, was man in Wahrheit wert ist.
    Auch ich habe die Erfahrung machen müssen, wie viel Heuchelei mir letztlich entgegengekommen ist,- ich gar keine Rolle spielte und nur die Wahl hatte, entweder die „heile Welt“ mit zu spielen, kleinbei zu geben, oder gleich den Mund zu halten.

    Ich entschied mich zur Trennung, ansonsten wäre ich weiter kaputtgegangen.

    Alles Liebe.

  3. gregor simon schreibt:

    was kann ich machen, soll ich klage einreichen?

    mfg

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Die Frage kann Dir ein Fachanwalt beantworten, z.B. Rechtsanwalt Roland Hoheisel-Gruler ist unter der Nummer 0900-1876 0000 21 erreichbar. (EUR 1,99 aus dem deutschen Festnetz, abweichende Mobilfunktarife sind möglich)

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