Väter sind unfähig (?) – Offener Brief an takeaway.com / lieferando.de


Screenshot der Email von takeaway.com / lieferando.com von Ulrike Klein

Zu was außer fettiges Fastfood beim Lieferdienst zu bestellen sollen Väter sonst gut sein?

Liebe Ulrike Klein von takeaway.com / lieferando.de,
ich habe keine Ahnung, wie ich in Eurer Datenbank gelandet bin. Egal.
Im nachfolgenden Text werde ich es mir erlauben, mich als ehemaliger Scheinvater (Kuckucksvater) mit zu den Vätern zu zählen.

Dass Ihr für Eure Marketingaktion den anstehenden Vaterschaftstag entdeckt habt, begrüße ich sehr. Nur nicht, dass Ihr uns Väter dabei (unbewusst?) durch den Kakao zieht.
In Eurer Kampagne zeigt Ihr – so meine Lesart – einen getrennt lebenden Vater, der von seiner Tochter besucht wird und mit dieser etwas zusammen isst. Natürlich nicht etwas gesundes und auch nicht kultiviert am Tisch mit Messer und Gabel. Nein, der alleinerziehende Vater greift abstinent von jeglicher pädagogischen Kompetenz und verantwortungslos zum fetttriefenden Fastfood aus der Styropor-Verpackung vom Lieferdienst – denn für seine Tochter kochen kann oder will er nicht. Auf diese Weise präsentiert Ihr das Klischee der dummen, verantwortungslosen und erziehungsunfähigen Väter. Aber immerhin, die Tochter hat Spaß und der beziehungslose Vater wirkt auf den ersten Blick sympathisch. Eine Mutter, die ihn für sein Vatersein wertschätzt – Fehlanzeige. Immerhin zeigt Ihr mit diesem Mangel an Wertschätzung der Väter die bittere Realität, die vielen von uns Vätern seitens der Gesellschaft, Politik und Gerichten eisig ins Gesicht bläst.

Väter sind wichtig für ihre Kinder. Die meisten Väter – so zumindest meine persönliche Erfahrung – kümmern sich sehr gewissenhaft und fürsorglich um ihre Kinder, sofern es ihnen nicht verwehrt wird.

Ich wünsche mir von Euch, dass Ihr Euer Verständnis vom Vatersein noch einmal überdenkt und Eure aktuelle Kampagne zurückzieht bzw. zu einer väterwertschätzenden Aktion wandelt.

Mein Schreiben veröffentliche ich parallel im Kuckucksvaterblog und in sozialen Netzwerken. Ebenso habe ich einige Väter- und Männerrechtler, als auch Väterorganisationen wie z.B. den VafK und Gleichmass e.V. ins BCC gesetzt.

Ich bitte Dich und auch das Unternehmen, für das Du tätig bist, um eine Stellungnahme.

Mit sonnigen Grüßen aus Kolumbien
Ludger Pütz aka Max Kuckucksvater

PS: Ich empfehle jedem Vater, mit seinen Kindern zusammen zu kochen. Es ist nicht nur viel gesünder, sondern macht eine Menge Spaß und fördert die Bindung zwischen Vater und Kind.

UPDATE vom 15.05.2015: Antwort von Frau Klein per email:

„Lieber Ludger,

(…) Zu unserer Vatertags-Aktion ist zu sagen, dass wir uns über Kritik jeglicher Art freuen und auch Deine Meinung gerne zur Kenntnis nehmen. (…)

Ulrike“

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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16 Antworten zu Väter sind unfähig (?) – Offener Brief an takeaway.com / lieferando.de

  1. Norbert Potthoff schreibt:

    In einer Werbeagentur macht man sich durchaus gründlich Gedanken darüber, mit welchem Bild man die Message am Besten vermittelt, welche Zielgruppen erreicht werden sollen. Und natürlich bedient man dabei geschickt bereits bestehende Vorurteile.
    Das Bildmotiv, Papa, Kind und Fast Food auf der Wohnzimmercouch (!) wurde gezielt eingesetzt, um ein Klischee zu bedienen. Darum geht es.
    Es geht nicht darum, jetzt zu diskutieren, ob Fast Food ab und zu ok ist. Dann hätte man Papa und Kind auf einer Parkbank fotografieren können, bei einem Erlebnisausflug. Dann wäre die Botschaft klar gewesen: Der Vater unternimmt etwas mit seinem Kind und man hat Spass miteinander.
    Ich habe selbst lange in der Werbebranche gearbeitet und kenne die fiesen Psychotricks.

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  5. Petra Scholz schreibt:

    Diesem Schreiben schließe ich mich an und wünsche letztlich alles Gute. 👪 💕 🙌🚹👍 󾓨

  6. Alfred Mignon schreibt:

    Inhaltlich ist der offene Brief schon in Ordnung, Max. Aber welche Erwartung hast Du an eine Firma wie Lieferando? Die lebt doch von der Vermittlung von Essensbestellungen. Die Werbekampagne greift nach allem, was dazu anregen kann, bei den Passanten entsprechende Reflexe auszulösen. Da kann sich doch die Angeschriebene nicht mit Dir solidarisieren und gegen die Interessen der Arbeitgeberin Stellung beziehen. Frau Klein muss selbstverständlich diese Werbelinie verteidigen, egal wie weit hergeholt ihre Argumente dann letztlich „auf den Tisch kommen“ werden. – Opfer gibt es bei solcher Werbung wie im Krieg. Diesmal kamen die guten Väter unter die Räder, beim letzten Mal waren es andere.

  7. Sascha schreibt:

    Ich sehe in der Werbung keine Diskriminierung. Im Gegenteil sehe ich eher diese Botschaft: Einfach mal machen, wozu man Lust hat, ohne sich in Regeln pressen zu lassen (Tisch, Besteck, …). Ein Zeichen von Freiheit.

    Ich bin selbst geschieden und habe eine Tochter. Und genau diese Möglichkeit, Regeln mal beiseite zu lassen, geniesst meine Tochter bei mir.

  8. Michael Baleanu schreibt:

    „Zu den Kunden des lieferando.de Lieferservice gehören DAX30 ‐ Unternehmen genauso wie Werbeagenturen, Banken, IT‐Firmen, Anwaltskanzleien und Notare.“ https://www.lieferando.de/yd/media/pdf/lieferando-tv.pdf

    So sieht also ein Anwalt aus, der mit seiner Tochter Umgang hat? Dieses Foto hat garantiert die Ex geschossen, damit sie das alleinige Sorgerecht bekommt. https://www.lieferando.de/vatertag

  9. Martina G. schreibt:

    Meine Meinung? Das ist ein sehr gut formulierter Brief, hinter dessen Aussage ich unbedingt stehe. Darum teile ich diesen Blogbeitrag bei Facebook. Ich hoffe, daß es schon sehr bald dazu eine Stellungnahme von Frau Klein geben wird.
    Zitat: „Ich empfehle jedem Vater, mit seinen Kindern zusammen zu kochen. Es ist nicht nur viel gesünder, sondern macht eine Menge Spaß und fördert die Bindung zwischen Vater und Kind.“

    Das finde ich auch eine tolle Sache, nicht nur wegen der Gesundheit, sondern auch wegen dem gemeinschaftlichen Umgang im Haushalt, gerade beim Kochen als gute Gelegenheit um über verschiedene Dinge zu sprechen. Meist schneiden die Väter als der hastige schnelllebige Elternteil ab. Warum eigentlich? Ich finde,es gibt sogar Väter, von denen sich so manche Mutter eine Scheibe abschneiden könnte. Leider machen die Medien den guten Ruf der allein erziehenden oder Wochenendväter immer wieder mal zunichte. Bestes Beispiel ist Dein Beispiel, um das es gerade geht.

  10. Der Transhumanist schreibt:

    Du siehst auch immer nur, was du sehen willst.
    Mein Vater hat das früher auch manchmal gemacht. Nicht weil er nicht kochen kann, er kocht sogar heute noch manchmal für mich, wenn ich zu Besuch bin (Es gibt Dinge, die kann nur er so). Wir sind gelegentlich zu Fast-Food-Restaurants gefahren, weil es einfach was besonderes war und es mir gefallen hat. Und ab und zu ist Fast Food auch mal ok.
    Aber das siehst du nicht. Du siehst keinen Vater, der sich denkt: Die Mutter erlaubt meinem Kind nicht so oft Fast Food, da mach ich ihr ’ne Freude.
    Du siehst einen Vater, der zu dumm ist zum Kochen und das dies in der Werbung dargestellt sei.
    Und vielleicht ist diese Kampane tatsächlich aus einem Klischeé herraus entstanden, aber weißt du wie Klischeés überleben? Indem man sie eben denkt und weitergibt. Und eigentlich machst du genau das.

    PS: Ich finde Leute, die sich hinstellen und darauf aufmerksam machen, mit welchen Klischeés Väter diskriminiert werden, genauso nervig, wie Moralapostel, welche gegen Aufdrucke von Smoothie-Flaschen wettern.

    • chrima schreibt:

      Transhumanist? Da war doch letztens schon so eine Nervensäge mit null Ahnung auf nem anderen Blog. Da bekam es dann auch ordentlich Gegenwind…

      Nervig sind in meinen Augen die Null-Checker die nicht kapieren wollen, dass die gegen Väter gerichteten und überall verbreiteten Klischees über Väter so ziemlich jedem Vater entgegenschlagen, der das Pech hat mit deutschen Jugendämtern und/oder deutschem Familienunrecht in Kontakt zu kommen.

      Und da werden dann aus Klischees ganz schnell irrsinnige Verfügungen bzw. Urteile.

      Leuten wie dir wünsche ich dann immer wieder gern mal die Erfahrung machen zu müssen, die Väter nicht nur in D erleiden.

      • Michael Baleanu schreibt:

        „Leuten wie dir wünsche ich dann immer wieder gern mal die Erfahrung machen zu müssen, die Väter nicht nur in D erleiden.“

        Leute wie Transhumanist sind doch die Menschen, die hinter den Entscheidungen stehen, die den Vätern so viel Leid bereiten. Die wissen ganz genau darüber Bescheid, was sie machen.

        Durch Beschämung versuchen sie ihr Werk zu schützen: Väter, die auf ihre Diskriminierung hinweisen sollen lächerlich gemacht werden. Solche Väter sollen in der öffentlichen Wahrnehmung als schwache Väter dargestellt werden, über die man sich lustig machen kann, darf und soll.

        So ähnlich funktionierte auch die Beschämung junger Männer im 1. Weltkrieg durch die Verleihung des „Ordens von der weissen Feder“: http://nicht-feminist.de/2014/11/feminismus-emmeline-pankhurst-vom-terror-zur-ikone/

        Feministische Frauen hatten sich daran ergötzt, die Männer als Feiglinge hinzustellen, um sie zum Sterben in den Schützengräben zu animieren.

        Heute, im tobenden Geschlechterkrieg, versuchen die Transhumanisten (also solche, die die Transition vom Humanisten zum ..??.. geschafft haben) durch Beschämung die Väter ruhig zu stellen und ihr Schicksal zu akzeptieren.

      • Der Transhumanist schreibt:

        Nee, du hast mich nicht richtig verstanden. Klischees bekämpft man nicht, wenn man selbst mit ihnen denkt, dann hat das Klischee ja eigentlich schon gewonnen.

        Natürlich kann man sich für Väter einsetzen. Aber wie das nun mal so ist, ist man für die meisten Menschen eine Lachnummer, wenn man auf den Sexismus in Werbung aufmerksam macht. Übrigens finde ich es kontraproduktiv, wenn man Leuten die nicht direkt die eigene Meinung haben, das wünscht, was man eigentlich beseitigen will. Komische Logik. Generell sollte man aufpassen, was man anderen Menschen wünscht 😉

        Ein einen Gegenwind spüre ich hier nicht. Nur eine laue Brise, die sich verirrt hat. Aber schön das man sich an mich erinnert. Sehr schön.

  11. EinFragender schreibt:

    Meine Tochter kennt nichts anderes als das Papa kocht – auch im Urlaub.
    Wer seltener kocht, ist ihre Mutter.

    PS: … wobei ich Pommes mit Ketchup für Kinder auch als OK ansehe. Normale Kinder haben so viel Bewegung das sie dringend Energiezufuhr brauchen und warum dann keine Pommes. Man darf nichts übertreiben, weder das eine, noch das andere. Normale Kinder essen auch Pommes in normalen Mengen und können dazu eine Vorliebe für Obst und Gemüse entwickeln. Deshalb gibt es bei uns auch keine Essbeschränkungen und deshalb hat meine Tochter auch Normalgewicht.

  12. m schreibt:

    Ach was, fast food ist schon ok.

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