Gehöre ich wirklich hierhin? – Teil 1 – von Zweifelkind Floriane Brinks


Erlebnisbericht

Gehöre ich wirklich hierhin? – von Zweifelkind Floriane Brinks

Als zweites von fünf Kindern wurde ich im September 1982 geboren und bin also 32 Jahre alt. Meine Kindheit war sehr schön.

Ab und an hab ich mir die Frage gestellt: „Gehöre ich wirklich hierhin?“. Da ich mich charakterlich doch von meinen Geschwistern sehr unterscheide. Um nur ein Beispiel zu nennen: Mein Papa war bis vor einem Jahr Alkoholiker, meine Geschwister hatten über die Jahre hinweg ihre Kraft verloren und nahmen ihn nicht mehr ernst, nur ich, ich habe immer wieder gedacht, er schafft es irgendwann, davon weg zukommen. Und ich hatte recht! Mein Papa und ich hatten immer das beste Verhältnis zueinander, auch wenn er meiner jüngsten Schwester, dem Nesthäkchen immer den Zucker von vorne bis hinten in den Hintern steckte, hatten sie nie so ein inniges Verhältnis zueinander, wie wir beide.

Heute bin ich selbst Mutter von zwei Kindern im Alter von 4 und 13 Jahren. Seit 10 Jahren bin ich mit dem Vater meiner Kinder verheiratet – mal mehr, mal weniger glücklich. Mein Leben ist gut so, wie es ist! So dachte ich es zumindestens, bis zu einem Samstag Ende November diesen Jahres. Seither steht alles in Frage.

Meine Mutter war an diesem Wochenende in einem Wellness Hotel. So saßen mein Papa und ich alleine bei einem sehr intensiven Familiengespräch zusammen. Irgendwann blickte er zu mir herüber und fragte: „Sollen wir was probieren?“. Ich schaute erstaunt und fragte, was er probieren möchte. „Sollen wir einen Vaterschaftstest machen?“. Ich war geschockt. Das kann nur ein Scherz sein. Meine Eltern sind seit 36 Jahren verheiratet. Es war immer alles in Ordnung. Gut, zur Zeit kriselt es ein wenig, da mein Papa ihr nach seiner Langzeittherapie nachspioniert hat und dahinter kam, dass sie Kontakt zu ihrer damaligen Jugendliebe hatte und sie sich wohl auch getroffen haben. Ob da wirklich mehr war, sind reine Spekulationen. Aber trotzdem, es sind meine Eltern. Meine Eltern, die seit 36 Jahren verheiratet sind, die jede noch so große Krise gemeinsam meistern. Und jetzt soll meine Mutter vor gut 33 Jahren mindestens eine Nacht mit einem anderen Mann verbracht haben, in der ich gezeugt worden sein soll. Ich war wie vor den Kopf gestoßen, der Boden wurde mir unter den Füßen weggerissen. Nichts ist mehr klar. Und doch habe ich meinem Papa gesagt: „Ja, wir machen einen Test.“, denn ich weiß, dass auch diese Vermutung mit zum Alkoholproblem geführt haben wird und ausserdem kann ich das jetzt, wo ich es weiß nicht einfach so im Raum stehen lassen. Ich bin ein Kopfmensch und kann Dinge erst verarbeiten, wenn sie für mich schlüssig sind oder geklärt. Sprich, es würde mich sonst immer verfolgen.

Mein Gefühl sagt mir, dass mein rechtlicher Vater auch mein biologischer Vater ist! Doch stellt sich mir die Frage, warum trägt meine Mutter eine Kopie meiner Geburtsurkunde und nur meiner und nicht eine von meinen Geschwistern, sowie ein Foto von meinem evtl. Erzeuger in ihrer Brieftasche?

Für meinen Papa und mich steht fest, egal wie das Ergebnis ausgehen wird, an unserer Beziehung zueinander wird sich nichts ändern! Allerdings weiß ich nicht, ob ich meinen evtl. Erzeuger kennenlernen möchte, denn momentan ist er für mich der Schuldige. Ich weiß, es gehören immer zwei dazu, aber meiner Mama kann und will ich keine Schuld zuweisen, auch wenn ich weiß, dass sie schuldig ist, da sie nie etwas gesagt hat.

Zur Zeit empfinde ich nur Hass für ihn, denn gerade er hat jetzt wieder den Ärger in unsere Familie gebracht.

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Fortsetzung: Was mache ich denn nun? – Gehöre ich wirklich hierhin? – Teil 2 – von Zweifelkind Floriane Brinks

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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3 Antworten zu Gehöre ich wirklich hierhin? – Teil 1 – von Zweifelkind Floriane Brinks

  1. Grit schreibt:

    @Stefan..genau das Gleiche habe ich beim Lesen auch gedacht. Die Mutter hat dabei die Hauptschuld. Wir haben auch so eine Frau in der Familie, die ihren Mann (meinen Schwager) 20 Jahre lang betrogen hat und ihm 2 Kinder untergejubelt hat von einem anderen Mann. Alle wissen es, aber es wird eben unter den Teppich gekehrt. Die beiden Kinder werden von den Großeltern ebenso anerkannt, wie die „richtigen“ Enkelkinder, was ich nicht richtig finde-auch wenn die 2 Kuckuckskinder nichts dafür können. Aber so zu tun, als wäre alles normal und richtig so wie es ist, ist für mich falsch.

  2. Pingback: Was mache ich denn nun? – Gehöre ich wirklich hierhin? – Teil 2 – von Zweifelkind Floriane Brinks | kuckucksvater

  3. Stefan schreibt:

    das ist nachvollziehbar aber falsch! Schuld trägt deine Mutter und sonst niemand. Sie hätte die Pflicht gehabt es euch zu sagen nicht er!Er kennt euch ja gar nicht

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