Der Antrag zur Vaterschaftsanfechtung ist eingereicht – Teil 9 – von Sammy Anders


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Das kommende Kind ist nicht von mir – Leserbriefe von Sammy Anders

Vaterschaftsanfechtung – Mustervorlage – Kosten – gerichtsverwertbares Abstammungsgutachten – Vaterschaftstest – Rechtspfleger / Erlebnisbericht – Kuckuckskind

Der Entschluss war ja schon längstens gefasst, nun ist er umgesetzt. Es war gar nicht so schwer. Im Internet gibt es Mustervorlagen und ich hatte kurz mit einem Rechtsanwalt darüber gesprochen.

Alle Verfahrensbeteiligten müssen benannt sein, inkl. der vollen Identität. Schlüssig begründen, warum es ausgeschlossen ist, dass ich der Vater bin. Unterlagen dazu, Heiratsurkunde, Geburtsurkunde, Abstammungsgutachten.

Auf Empfehlung des Jugendamtes habe ich ja das Abstammungsgutachten selbst beauftragt und gerichtsverwertbar durchführen lassen. Das Labor ist dem Gericht bekannt.

Ein komisches Gefühl den Antrag abzugeben. Danach im Auto liefen mir die Tränen runter. Aber ich stehe dazu. Ich bin nicht der leibliche Vater. Das Kind und der leibliche Vater sollen die Chance haben, zueinander zu finden und dies auch auf Basis des Standesamtseintrages. Meiner Frau ist das bewusst und der Zeitpunkt der Einreichung war mit ihr abgestimmt. Was mir nicht klar war, das Jugendamt wird vom Gericht aus direkt informiert und stellt ggf. einen Rechtspfleger für das Kind. Der Staat will ja nur eins, einen Vater. Nicht weil das Kind einen braucht und eine ordentliche Abstammung vorhanden sein muss. Nein, unser Staat braucht einen Geldgeber für das Kind, damit er nicht selbst zahlen muss.

Jetzt gilt es abzuwarten. Was als erstes kam: Überweisungsformular für die Gerichtskosten. Muss ich erstmal vorstrecken. Betrag ist verträglich. Was ich nicht verstehe ist, dass im Gesetz vorgeschrieben ist, dass auch wenn meine Vaterschaft nicht festgestellt wird, ich die Hälfte zahlen muss. Komische Regelung. Ich bin einfach so ohne Zutun rechtlicher Vater eine Kindes geworden, habe nichts dazu beigetragen, außer dass es meine Ehefrau war, der andere hatte hoffentlich wenigsten einen Spassfaktor. Ich habe nur den Aufwand und die Kosten.

Aber sein Kind im Arm. Das Gefühl ist schön. Ich hatte ja von Anfang an keine Probleme damit ihm ein Zu Hause und Geborgenheit zu beieten. Es gedeiht prächtig, keiner ahnt, dass es nicht mein Kind ist.

Meiner Frau ist es unangenehm, dass sich jetzt das Jugendamt einschaltet. Ok, kann ich verstehen. Aber letztendlich geht es um die Interessen des Kindes. Sie ist hin und hergerissen. Mal sagt sie, der Erzeuger wird es nicht erfahren, dann kommt wieder, sie fährt zu ihm. Ich weiss nicht mehr, was ich glauben soll. Aber nun ist Bewegung drin, auch wenn es dauert. Mindestens 3 Monate bis zum Gerichtstermin.

Derweil kümmere ich mich um meiner Kinder und schaue, dass sie nichts mitbekommen. Mit meinem Jüngsten habe ich einen super Kontakt aufgebaut. Er weiss nun wer sein Vater ist, kommt zu mir, will beim Essen neben mir sitzen. Sagt ich bin sein Schatz. Schön so.

Kalle kann mir gestohlen bleiben. Den Kontakt zu ihm lehne ich weiterhin ab. Das dauert bis ich da den Kontakt wieder akzeptiere. Wenn er wenigstens mal für sein Fehlverhalten Einsicht zeigen würde.

Ich bin gespannt, ob meine Frau nun tatsächlich den Erzeuger informiert und ob er dann den Kontakt zu seinem Kind suchen wird. Ich werde ihm dies ermöglichen, aber nicht im zu Hause meiner Kinder. Das sehe ich als geschützten Bereich, bis wir uns unter professioneller Anleitung entschlossen haben es auch unseren Kindern zu erklären.

Ich werde berichten.

VG Sammy

 

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Das kommende Kind ist nicht von mir – Leserbriefe von Sammy Anders

Fortsetzung: Ist der Erzeuger informiert? – Teil 10 – von Sammy Anders

Voriger Teil: Ihr braucht Euch keine Sorgen zu machen – Teil 8

Für die, die erst jetzt die Serie von Sammy kennen gelernt haben, hier der erste Teil: Inzwischen bin ich stationär eingewiesen – von Sammy Anders – Teil 1

Alle Teile im Überblick.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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4 Antworten zu Der Antrag zur Vaterschaftsanfechtung ist eingereicht – Teil 9 – von Sammy Anders

  1. Sven Denkhaus schreibt:

    Hallo Sammy,

    Dein Ansatz gefällt mir, ich überlege momentan auch ob ich nun doch die Vaterschaft anfechten soll oder nicht? Deine Geschichte gleicht meiner und dies unterstützt mich in meinen Entscheidungen.

    Vielen Dank.

    Sven Denkhaus

    • Sammy schreibt:

      Hallo Sven,

      ja, es gibt parallelen im Verhalten unserer Frauen.

      Meine Entscheidungen sind getroffen, das Verfahren läuft. Parallel läuft die Umsetzung weiterer Entscheidungen. Mehr kommt im nächsten Beitrag.

      Wie geht es nun mit Deiner Ehe und Beziehung weiter ?

      VG Sammy

  2. sammy schreibt:

    Hallo Stefan, ich kann deine Meinung gut verstehen und bin auch inzwischen
    einen Schritt weiter, mehr möchte ich meinem nächsten Teil nicht vorwegnehmen.
    Nur soviel: Ein Berater von mir meinte , da muss man schon masochistisch veranlagt sein um das noch länger zu ertragen.
    LG Sammy

  3. Stefan schreibt:

    Es ist mir ein Rätsel dass man sich bei sowas nicht scheiden lässt! Ganz ehrlich. das ist doch gleich zweimal ein Trennungsgrund! Und was den Kontakt zu den Kindern betrifft. Wo ein Wille ist ist auch ein Weg!

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