Es fängt ein neues Leben für uns alle an – Meine Schwester und ich sind Kuckuckskinder – von Christine Mangold*


Titelbild

Meine Schwester und ich sind Kuckuckskinder – von Christine Mangold

Wir hatten gestern das Gespräch mit unserem Papa (Nicht-Vater). Es ging nun alles sehr schnell.
Am Dienstag hatte ich mich ja mit meiner Stiefmutter getroffen und ihr unsere Geschichte erzählt. Natürlich war sie total baff und musste mehrmals schlucken, auch sie konnte uns nicht sagen, wie mein Vater reagieren würden.

Nach dem sie eine Nacht darüber mehr oder auch weniger darüber geschlafen hatte, rief sie mich frühmorgens an, mit der Bitte, diese Sache schnellstmöglich mit unserem Vater zu besprechen.

Dieser Tag war gestern. Mit viel Bauchweh, Gefühlen die ich noch nicht mal meinen Erzfeinden wünschen würde und schlottrigen Knien sind meine Schwester und ich zu ihm gefahren und haben ihm die Sache erzählt.
Es war ein sehr emotionales Gespräch, mit vielen Tränen aber auch sehr ruhig, ohne Geschrei und Wut. Ob mein Vater was wusste kann ich nicht sagen, er hat eigentlich gar nicht viel gesagt. Ob wir das jemals erfahren werden, wie es wirklich war und wer was wusste, wissen wir nicht. – Es ist uns aber auch nicht wichtig.
Wichtig ist uns das unser Vater uns weiterhin als “seine” Kinder ansieht. Es wird sich nichts ändern. Das hoffe ich, wer weiß was die Zukunft bringt?
Er meinte, dann wären wir halt seine Adoptivkinder. Auch seine Frau sieht das so und unterstützt ihn und uns auf unserem neuen gemeinsamen Weg.

Nun haben wir zwei Stück Väter. Zwei wunderbare Väter, die uns in unserem Leben weiterbegleiten. Der eine, wie er es schon seit unserer Geburt getan hat, der andere als ein neuer unbekannter und noch zu entdeckender Teil. Beide voller Liebe für uns.
Das die Geschichte für uns so ausgehen würde, hätten wir nie zu hoffen gewagt. Wir können nun wieder frei atmen, frei denken und frei reden. Wir müssen nicht mehr abwägen, was wir sagen und wann wir uns wo mit wem treffen.

Es fängt ein neues Leben für uns alle an. Ich bin zuversichtlich das es ein schönes wird.

Ich möchte allen hier danken, die uns ihre Meinung und manchen Denkanstoß hier mitgeteilt haben. Es hat sehr geholfen. Im Moment brauche ich nun etwas “Erholung ” von dieser ganzen Sache. Wegen all der Gefühle, die sich angestaut hatten und nun raus sind. Ich fühle mich, als hätte ich einen Marathon hinter mir.
Natürlich werde ich die ganze Geschichte von Anfang bis Ende irgendwann nachreichen.

Ich wünsche mir, das auch Ihr anderen irgendwann mit der von Euch gewünschten Klarheit und Gewissheit Euer Leben so leben könnt wie Ihr es Euch wünscht.

Und an ALLE Kuckucksmütter da draußen: BITTE macht von Anfang an reinen Tisch, ihr wisst nicht was Ihr euren Kindern antut in dem Ihr schweigt!!! Gebt Ihnen die Antworten auf Ihre Fragen, sie haben ein Recht dazu. Ihr habt wusstet damals als, Ihr mit einem anderen ein Kind gezeugt habt, was Ihr tut. Nun habt auch den Mut dazu zu stehen. Mit Eurem Schweigen macht ihr nur alles schlimmer!

Liebe Grüße
Christine

*Christine Mangold ist ein Pseudonym

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Hier geht es zum ersten Teil: „Wie sagen wir es unserem Papa?

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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5 Antworten zu Es fängt ein neues Leben für uns alle an – Meine Schwester und ich sind Kuckuckskinder – von Christine Mangold*

  1. Pingback: Matthias’ Woche – Links der KW 45 - NICHT-Feminist

  2. Sammy schreibt:

    Hallo Christine,

    ich habe schon mit Spannung auf Deine Mitteilung gewartet.
    Ich freue mich sehr für Euch !!!!!
    Ihr habt wohl den richtigen Weg und den richtigen Moment gefunden, es sollte wohl so sein.
    Die Ruhe und Kraft der Wahrheit ist eingekehrt, ohne große Verletzungen und einem sehr schönen Ergebnis. Ich finde es berührend und ich könnte weinen, wie du schreibst ihr habt nun 2 wunderbare Väter…..
    Es ist gut zu wissen, dass es auch so ablaufen kann.

    Deinen Text habe ich direkt genommen und meiner Frau geschickt, in der Hoffnung, dass sie irgendwann aufwacht und die richtigen Schritte unternimmt. Die Zeit ist noch nicht reif dafür.
    Bei uns ist noch soviel Unwahrheit, Lüge und Unwissen. Irgendwo, ca. 300 km von hier schläft ein Mann, der nicht weiß, dass er einen süßen kleinen Sohn hat, der derzeit formal und faktisch „mein Sohn“ ist. Ein Stockwerk über mir schläft eine wissende Frau, die verheimlicht und neben dem anderen Mann schläft eine ahnungslose Frau und mindestens ein ahnungsloses Kind, das nicht weiß, dass es einen Halbbruder hat.

    Es fällt mir immer schwerer mit dieser Situation zu leben,
    aber im Kopf habe ich bereits den Antrag an das Familiengericht formuliert. Ich warte nicht mehr lange. Da ich meiner Frau entgegengekommen bin und akzeptiert hatte bis nach der Taufe zu warten, redet sie nicht mehr von dieser.
    Ich werde aber nicht ins neue Jahr gehen, mit dieser Lüge, auch wenn ich damit die Chance auf eine erneute Paarbeziehung zu meiner Frau riskiere, oder eher zerstöre, dann soll es so sein.

    Liebe Christine, gönnt Euch jetzt die Ruhe und lasst die Zeit mit Euren wunderbaren Vätern einfach auf Euch zukommen. Lebt im Heute und nicht mehr in der Vergangenheit. Ihr müsst nicht alles wissen, das wissen über die Herkunft ist vorhanden und jedes Detail dazu ist nicht notwendig.

    LG Sammy

  3. Norbert Potthoff schreibt:

    Phantastisch. Wenn es doch immer so gut liefe. Drück die Daumen, dass es stabil bleibt.

  4. Peter Teuschel schreibt:

    Freut mich sehr!
    Manchmal (oft!) hilft eben nur Mut.

  5. Norbert Potthoff schreibt:

    Toll! Alles Gute, Christine, dir und deiner Schwester, euren beiden Vätern und eurer Mutter.
    Bin erleichtert, dass es so gut für euch lief.

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