Verschwende nicht Deine Zeit durch die Suche nach Deinem Erzeuger! – von Katharina Heister* – Was ich Dir schon immer sagen wollte


Was ich Dir schon immer sagen wollte

Verschwende nicht Deine Zeit durch die Suche nach Deinem Erzeuger – Brief von Katharina Heister* an die Kuckuckswelt

Kuckuckskind – Brief an die Kuckuckswelt – Katharina Heister

Hallo liebe Kuckuckswelt,

eigentlich wollte ich einen Brief an meinen Erzeuger Holli schreiben aber irgendwie hindert mich was daran. Ich denke ich habe abgeschlossen, weil ich die Erkenntnis gemacht habe nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern mein Leben zu leben.

Mein Erzeuger möchte mich nicht kennen lernen oder sich mit seiner Vergangenheit beschäftigen und streitet mich heut noch ab, obwohl der Test vorliegt. Weitere Angehörige suchen auch nicht den Kontakt zu mir, was ich selbst nicht schlimm finde. Daher ist er es nicht mehr wert, der Hauptpunkt meines Lebens zu sein, sondern ich.

In meinem Brief möchte ich meine Erfahrungen seit meiner Kuckuckswelt niederschreiben, um eventuell anderen zu helfen, die Sicht zu entwickeln, wie schön und liebenswert wir sind.

Als ich im Winter 2012 erfuhr, dass mein Vater nicht mein Vater ist, war ich auf der Suche nach Fragen und Antworten, nach irgendeiner Wahrheit, die ich eh nie wirklich erfahren werde.
Ich bin durch eine Talfahrt meiner Gefühle, meiner kleinen Welt gefahren und hab‘ gar nicht gemerkt, wie wirklich schön unsere Welt sein kann, welches Geschenk ich wirklich bekam.

Mein Geschenk aus der Geschichte ist, mich selbst zu erkennen, wer ich war, wer ich bin und wer ich sein möchte. Vor allem hab ich gelernt, um was es wirklich im Leben eines Kuckuckskindes geht.

Ich hab in den Jahren aufgehört zu leben. Ich war völlig in meiner Welt eingeschlossen und sah mich als das Opfer einer Dreiergeschichte. Ich litt unter mangelndes Selbstwertgefühl, geschweige denn vom Selbstbewusstsein, das völlig auf der Strecke blieb. Ich verpasste mein Leben, weil ich auf der Suche nach Wurzeln war, obwohl ich es heute weiß, kann ich trotzdem nichts damit anfangen.

Natürlich ist es wichtig zu wissen wo man her kommt, aber bevor man sich ständig in Mitleid sinkt, ist es doch besser auf die Details zu achten, was es in einem auslöst, wenn man so was erfährt.
Warum verschwendet man so viel Zeit nach seinem Erzeuger oder nach irgendeiner Wahrheit zu suchen? Ist es aus Verzweiflung, Wut oder weil man denkt, dass dieser Erzeuger zu seinen Fehlern stehen muss??!!

Der größte Fehler liegt nicht bei dir oder bei mir sondern beim Erzeuger welche wundervolle Zeit er vergeudet hat dich leben zu sehen. Aber man sollte sich darüber keine Gedanken machen, sondern über das Leben was man sonst verpasst. Die wunderbare Liebe die in dir steckt.

Wenn ich mich heute betrachte, bin ich für alles was ich erfahren durfte unheimlich dankbar, ich habe gelernt, dass nichts selbstverständlich ist. Ich habe gelernt los zu lassen, meine eigenen Wege zu gehen. Das schönste ist, zu erfahren, dass es wichtig ist, an sich selbst zu glauben, zu erkennen welch‘ wunderschöner Mensch man ist.

Ich für meine Geschichte durfte erfahren, wie wichtig Liebe ist, die Liebe zu sich selbst, weil wenn du dich liebst, werden dich andere lieben!!!!

Ich konnte vorher nie richtig lieben, mir war fremd für einen anderen Menschen etwas zu empfinden außer Freundschaft. Es tut so gut, sich endlich selbst zu lieben, den Mut zu entwickeln, neue Wege zu gehen und wofür ich am dankbarsten bin ist, Menschen lieben zu können.
Es kamen auch andere Erfahrungen dazu, wie falsch interpretierte Beziehungen, falsche Freunde, aber genau das Falsche schied aus meinem Leben.

Ich freue mich, der Mensch zu sein, der ich heute bin, eine junge Frau die lieben kann, ihr Glück teilen möchte.
Eine Frau, die weiß was sie will, die zu dem steht was sie ist und was ich sein möchte.

Entwickelt den Mut neue Wege zu gehen, kümmert euch nicht zu sehr um euren Erzeuger der es nicht wert ist.
Sieht die Menschen die euch lieben, die zu euch stehen.

Ich möchte mich bedanken bei meiner Ma, bei meinem Dad und meinem Erzeuger. Welch‘ wundervollen Menschen ihr aus mir gemacht habt.

PS: Das wichtigste ist die Liebe zu sich selbst, um von anderen geliebt zu werden!

*Katharina Heister ist ein Pseudonym

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Serienmotiv

Was ich Dir schon immer sagen wollte! Briefe aus der Kuckuckswelt – die neue Serie im Kblog – Füller&Brief-Foto: Norbert Potthoff

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Die Artikel-Übersicht aller bisher im Kuckucksvaterblog veröffentlichten Briefe aus der Kuckuckswelt findest Du hier.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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14 Antworten zu Verschwende nicht Deine Zeit durch die Suche nach Deinem Erzeuger! – von Katharina Heister* – Was ich Dir schon immer sagen wollte

  1. Alexander schreibt:

    @Katharina

    Weißt du, dann gibt’s aber auch leibliche Väter, die von der Mutter und dem juristischen Vater ausgebremst und blockiert werden.
    Was sollen diese Väter später mal ihrem Kind sagen?
    Ich bin in so einer Situation und resigniere langsam. Mein Kind ist zwei Jahre alt, ich kenne es bis heute nicht, Umgangsantrag ist vor einigen Monaten abgeschmettert worden.
    Das Schlimme ist, dass du über Jahre von dir nahestehenden Personen belogen worden bist.
    Auch wenn es dir bestimmt in deiner Entwicklung immer gut ergangen ist, du eine liebevolle Mutter und einen liebevollen “Scheinvater“ hattest. Die Lüge wird dich dein Leben lang im Kopf begleiten.

    • Katharina Heister schreibt:

      Die Lüge wird jeden begleiten, es tut mir leid um dich und finde deinen Einsatz bewundernswert!!! Deinem Kind schadet es doch nicht, er weiß es nicht.. Wer hier die dumme ist, ist die Frau die ihr Kind belügt.. Manchmal ist die Lüge besser, wie die bittere Wahrheit weil an der Wahrheit gehen manche Menschen kaputt obwohl jeder Recht darauf hat. Wenn ich gewusst hätte was auf mich zu kommt, würde ich mich für die Lüge entscheiden. Wenn du nicht weiter kommst in deiner Geschichte, wär es besser du lässt los weil der Einzigste der momentan leidet bist du.. Wenn dein Kind lernt auf seine Gefühle zu hören, dann wird es eines Tages kommen, weil jedes Kuckuckskind spürt das was falsch läuft

      • Andrea schreibt:

        Ja nur die Zeit mit Kind und biologischem Papa, die vergeht bis ein Kuckuckskind das dann eventuell einmal selbst herausfindet, ist verloren und die kann Dir dann keiner mehr zurückgeben.
        Das ist unfair gegenüber Kind und Papa, weil ein MENSCH UEBER IHREN KOPF HINWEG ENTSCHEIDEN WUERDE, dass sie diese Chance zusammen nicht nutzen können.
        Wenn ich so etwas höre wie das was Du geschrieben hast, dann muss ich an die 3 Affen denken, nichts hören, nichts sehen … Verstecken vor sich selbst spielen. Das Leben ist kein Wunschkonzert, Sachen aendern sich nicht dadurch, dass man vor ihnen die Augen verschliesst, sie bleiben so wie sie sind und da kannst Du 10 mal jammern, wenn ich das doch nur nicht gewusst haette.

  2. Leonie schreibt:

    Endlich mal jemand, der auf den Erzeuger pfeifft und sich vom Kreisen um Herkunft und Bio-Vater emanzipiert!

    • Norbert Potthoff schreibt:

      Kann man so sehen, muss man aber nicht.
      Ich bin beispielsweise ein „entsorgter Vater“. Hoffe, der Begriff sagt dir etwas. Habe mir dann auch irgendwann gesagt, hör auf damit, in Gedanken um deine Kinder und Enkel zu kreisen, dir auszumalen, was alles noch sein könnte, wenn man nur richtig wollte.

      Heute bin ich 65 Jahre alt, meine Töchter 40 und 38, meine Enkel 16 und 13.
      Ich weiss, dass es sie gibt, ich freue mich, dass es sie gibt, ich liebe sie. Aber sehen werde ich sie wohl nie wieder.
      Damit muss ich leben.
      Aber ich habe mich nicht davon emanzipiert, dass es sie gibt und ich sie nicht mehr erreichen kann. Ich denke oft und gerne an sie. Sie sind und sie bleiben für immer ein Teil meines Lebens, so wie ich für immer ein Teil ihres Lebens bleiben werde.

    • Katharina Heister schreibt:

      Danke dir!!!!!!!

      • Katharina Heister schreibt:

        Entschuldigung, habe mich vertippt, dass tut mir so unheimlich leid für dich.
        Die Entscheidung manche Menschen muss man akzeptieren auch wenn man es nicht immer versteht. Aber weißt du eines Tages wär man froh gewesen wenn man es anderster gemacht hätte, weil man vermisst erst wirklich, wenn man es nicht mehr hat. Da du alles versucht hast, sie aber nicht wirst du eines Tages in Friede schlafen während andere für immer ein schlechtes Gewissen haben werden. Man sollte zur Lebzeit, die Zeit genießen und sich nicht gegenseitig irgendwelche Fehler unter die Nase reiben

    • Katharina Heister schreibt:

      Danke dir, ich pfeiff wirklich drauf, dass tolle daran ist ich fange an zu leben und sehe welch positive Veränderungen in meinem Leben statt finden

    • Alexander schreibt:

      Solche Worte können nur von einer total frustrierten Frau kommen, welche wahrscheinlich – sofern sie Mutter ist – einen biologischen Kindesvater hat, der sich nicht um sein Kind kümmert. Was das mit dem Thema Kuckuckskind zu tun hat, das erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht.

    • Alexander schreibt:

      @Leonie
      Solche Worte können nur von einer total frustrierten Frau kommen, welche wahrscheinlich – sofern sie Mutter ist – einen biologischen Kindesvater hat, der sich nicht um sein Kind kümmert. Was das mit dem Thema Kuckuckskind zu tun hat, das erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht.

  3. Isara schreibt:

    Wow….jetzt hat mich deine Sichtweise umgehauen, denn tatsächlich so schön wie dieser Text zu sein Scheint, scheint ja nur eine Moment Aufnahme zu sein, die Aufnahme die auch mich Heute höher schwingen ließ. Doch je höher wir fliegen desto tiefer können wir stürzen und ich sehe tatsächlich drin auch eine Art Flucht von der Wirklichkeit, den Tatsachen. Es ließt sich so spirituell – weise und doch voller unerlöster Schmerzlicher Erfahrungen, die nicht verarbeitet sind, aber auch diese Art zu schwingen und fliegen und abheben kenne ich in meiner Welt, denn das ist der einzige Weg dem Schmerz zu entkommen, ihn nicht zu zulassen oder zu ignorieren…

  4. Fiete schreibt:

    Erschütternd! Was muß diesem Kind passiert sein, daß es sich in solche Texte flüchten muß?

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Die Frage stellte ich mir ebenfalls. Es klingt sehr nach der Flucht vor Schmerzen, die sie aus der Ablehnung durch den leiblichen Vater erlebt. Da sind offenbar Erwartungen gewesen, die nicht erfüllt und deren Nichterfüllung nicht verarbeitet wurden.

      • Katharina Heister schreibt:

        Welch erschütternde Rückmeldung, ich rede mir nichts schön. Es ist auch keine Flucht!!
        Es ist die Erfahrung die mir es zeigt und außerdem hat es in meiner Kindheit an nichts gefehlt. Mein nicht-leiblicher Vater war immer für mich da, es gab keine Schläge, kein Liebesentzug oder ähnliches auch heute nicht.. Natürlich wäre mir lieber ein Gespräch mit meinem Erzeuger aber muss ich mein Leben danach aus richten, ich glaube nicht!!

        Aufgrund meiner Berufserfahrung in der Intesivpflege, Palliativpflege und Betreuung kranker Menschen, hab ich mich fürs Leben entschieden vor allem fürs glücklich sein!!
        Vor allem die Liebe, das gesund sein usw. zu genießen!!

        Weil jeder selbst für sich verantwortlich ist und seinen eigenen Weg geht, liegt es an ihm für was er sich entscheidet, leider ist unsre Zeit begrenzt und ich will mir nämlich nicht am Ende meines Lebens die Frage stellen: “ ist es das wert gewesen wenn der Mensch dem es egal ist mein Leben unglücklich zu machen???
        Man weiß nie wann das Leben vorbei ist, dann entscheid ich mich für das glücklich sein und mich so zu lieben wie ich bin und für die Menschen die es gut mit mir meinen !!!

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