„Vater“ Staat kennt kein Erbarmen – Chronologie einer Vaterschaft, die es nur für die Ämter gab – Teil 2 von Matthias M.


Titelbild

Chronologie einer Vaterschaft, die es nur für die Ämter gab. – von Matthias M.

Die völlig absurde Geschichte (wir berichteten) des Scheinvaters Matthias M. geht in die nächste und hoffentlich letzte Runde. Für alle, denen der Fall – der sich seit fast zwanzig Jahren hinzieht – noch neu ist, hier der chronologische Bericht in drei Teilen von Matthias M. selbst.

Heute Teil 2:

2004: Es folgten Versuche, mit dem Jugendamt zu reden, denn trotz dieser nun bestehenden Rechtslage wusste doch alle Welt um die Wahrheit!
Mit Erreichen der Volljährigkeit wäre eine erneute Anfechtung durch das Kind möglich. Inzwischen war die Unterhaltsvorschusskasse seit dem Jahr 2000 in Vorleistung getreten.
Könnte dies nicht so beibehalten werden, bis zum Zeitpunkt der erneuten  Anfechtungsmöglichkeit? Das Geld danach erst einzutreiben?

Aber nein – obwohl an anderer Stelle öffentliche Mittel verprasst und verschleudert wurden und werden, kannte „Vater“ Staat kein Erbarmen.
Im Sommer 2004 stand der Gerichtsvollzieher bei meinem Arbeitgeber vor der Tür. Glücklicherweise war ich kurz zuvor versetzt worden, mein Arbeitgeber kannte meine  fatale Situation und verschwieg dem Henkersknecht meine neue Arbeitsstelle.
Meine Kräfte und Nerven versagten allerdings mit diesem Akt, ich landete für 6 Wochen wegen Suizidgefahr in der Psychiatrie, wurde dort wieder aufgebaut und auf Psycho-pharmaka eingestellt, die ich zwei Jahre lang einnehmen musste.

Nach meiner Entlassung ging ich an die Öffentlichkeit, schmückte sogar das Titelblatt einer Berliner Tageszeitung, meine Geschichte wurde in der ARD – Talkshow „Fliege“ behandelt, bald darauf schickte Pro 7 ein Fernsehteam für eine Reportage, ich war auch schon fast im SAT1 Frühstücksfernsehen – aber dann wurde der zuständige Redakteur plötzlich zurückgepfiffen – von wem auch immer …

schwarz-weiß-Karikatur

Heimlicher Vaterschaftstest verboten – Karikatur von Götz Wiedenroth

2005: Das Jugendamt hatte nun meine neue Arbeitsstelle ermittelt und schickte seinen Vollstrecker mit einer Lohnpfändung. Ganze 600 € sollten mir verbleiben, das hätte mal grad für Miete, Strom und Gas gereicht. Überschuldet war ich außerdem, hatte ich doch immense Anwalts- und Gerichtskosten zu tragen gehabt, aber auch andere Verpflichtungen abzubezahlen.

Eine verzweifelte Email an den zuständigen Stadtrat konnte nun wenigstens erreichen, dass die Lohnpfändung rückgängig gemacht und eingestellt wurde. Im Gegenzug verpflichtete ich mich nun zur Zahlung des monatlichen laufenden Unterhalts.
Die „Rückstände“ aus den Jahren 2000 bis 2004 wollte man zunächst nicht eintreiben. Dennoch wurde mit geflissentlicher Regelmäßigkeit die Unterhaltshöhe angehoben, Bitten um Reduzierung angesichts meiner angespannten finanziellen Situation wurde nicht entsprochen.

Bald wurde ich aufgefordert, die aufgelaufenen Rückstände von letztlich rund 14.000 € (wie das Jugendamt auf diese Summe kam, ist mir bis heute unklar) nunmehr in monatlichen Raten zu begleichen. Wieder Bittschriften, dem Hinweis auf die besondere Härte meines Falles, der Bitte um Stundung bis zu einem angemessenen Zeitpunkt nach Erreichen der Volljährigkeit des Kindes …
Und siehe da – meiner Bitte wurde entsprochen! Wenigstens konnte ich ein klein wenig aufatmen, auch wenn die Schulden nun immer mehr anwuchsen. Zum Glück stand auch die berufliche Säule unerschütterlich.

Nun war ich also stiller, stets pünktlich überweisender Zahlesel und Volltrottel. Vom Jugendamt kamen über die Jahre immer mal wieder Dankschreiben, verbunden mit der Erinnerung an die Rückstände, oder der Mitteilung erhöhter Unterhaltssätze oder immer wieder der Überprüfung meiner wirtschaftlichen Verhältnisse …

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Titelbild

Chronologie einer Vaterschaft, die es nur für die Ämter gab. – von Matthias M.

Fortsetzung folgt …

Teil 3 folgt am kommenden Freitag, den 7. November 2014

hier geht es zu Teil 1 der Geschichte: “Zuständigkeitshalber übergeben” – Chronologie einer Vaterschaft, die es nur für die Ämter gab – Teil 1 von Matthias M.

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Über Marcus Spicker

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