Kuckuckskindartikel in der Wiener Zeitung – Lesenswert!


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Vaterschaft – Weiß der Kuckuck – ein Artikel von Petra Tempfer in der Wiener Zeitung – Screenshot

Österreich – Wien – Vaterschaftstest – Kuckuckskind – Gerade über die österreichischen Begebenheiten für Kuckuckskinder und deren Scheinväter und den daraus ergebenden Konsequenzen für Kuckucksmütter und den leiblichen Vätern findet man fast nahezu keine Informationen. Doch der Artikel „Vaterschaft – Weiß der Kuckuck“ von Petra Tempfer bringt ein wenig Licht in die Angelegenheit  und auch für mich gab es neues. Der Artikel ist so dicht geschrieben, dass ich einen großen Teil zitiere. Prädikat: Lesenswert.

Frau Tempfer hat bereits im Jahr 2011 den Artikel „Kuckuckskinder – Jedes 10. Kind hat falschen Papa“ in der Wiener Zeitung veröffentlicht und auch dort sich auf die DNA-Labor-Inhaberin und Genetikerin Susanne Haas bezogen.

»… Österreichweit seien es bereits 4000 Tests pro Jahr …«

Keine schlechte Zahl, wieviele davon sind aus Deutschland?

»… in jedem vierten Fall (25 Prozent) stelle sich heraus, dass der Mann nicht der Kindesvater ist. …«

Bei einigen Vaterschaftstest ist auch nicht unbedingt der Zweifel, sondern der Wunsch gar nicht erst rechtlicher Vater zu werden die Motivation. Ich vermute, dass die Prozentzahl deutlich steigen würde, wenn man alleine die Fälle der Zweifelväter auswerten würde.

»… „Erst wenn es Beziehungskrisen gibt, wird der Mann neugierig“, sagt Haas. Die meisten Vaterschaftstests würden im Zuge einer Scheidung durchgeführt. …«

Diese Beobachtung haben auch wir hier im Kuckucksvaterblog machen können. Die meisten Zweifelväter lassen ihre Zweifel unausgesprochen, solange sie mit der Kindsmutter zusammen sind. In Deutschland und der Schweiz kommt verstärkend hinzu, dass ein diskreter Vaterschaftstest eine Ordnungswidrigkeit (Deutschland) bzw. eine Straftat (Schweiz) darstellt. Wer mag denn schon für den Zweifel gleich die ganze Beziehung in Gefahr bringen?

»… „Die Angst vor Kuckuckskindern ist eine Urangst jedes Mannes, ein archaisches Phänomen“, so Haas. Die Familie des Mannes trage diese Urangst ebenfalls in sich und achte daher besonders genau auf Ähnlichkeiten in Aussehen und Charakter. „Der Großvater väterlicherseits kann doppelt unsicher sein, ob die Nachkommen auch wirklich von ihm stammen“, sagt Haas. Einen gewissen genetischen Egoismus hegt jeder von uns. Er gebietet uns, in unsere eigenen Nachkommen zu investieren – und nicht in die der anderen. …«

Früher, als die Dokumentationen und Ablaufsprozesse in den Geburtskliniken noch sehr lückenhaft und nicht standardisiert, also durchaus fehlerbehaftet waren, da hatten auch Frauen die Angst davor gehabt, ein anderes als das eigene Kind großzuziehen. Da verstand jeder, dass an dieser Situation etwas geändert werden mußte und man tat es. Einwegarmbändchen, Formular- und Ablaufstandardisierung etc. etc. etc. War das auch bloß ein archaisches Phänomen? Über den Brutpflegeparasitismus und die dadurch mögliche Vereitelung des biologischen Überlebensrecht (durch Fortpflanzung) hat Prof. Ulrich Kutschera sich ausführlich in einem Interview im Humanistischen Pressedienst geäußert – ebenfalls sehr lesenswert.

»… Stellt sich nach Jahren heraus, dass dieses ganz andere Wurzeln hat, „kann das den Mann in eine tiefe Krise stürzen“ …«

Ja, Männer, die erfahren, dass sie nicht der leibliche Vater ihres Kindes sind, sind der akuten Gefahr ausgesetzt, einen Nervenzusammenbruch und an Depression zu erkranken. Wie das aussieht, berichtet gerade Sammy Anders eindrucksvoll hier im Kuckucksvaterblog. Die gleichen Gefahren bestehen auch für Kuckskinder. Erst vor wenigen Tagen erfuhr ich, dass sich Kuckuckskind kurz nach der Aufdeckung sich das Leben nahm. Die von mir bis dahin nur vermutete Suizidgefahr bei Betroffenen ist real. Es bedarf professioneller Hilfsangebote für die vom Kuckuckskindthema betroffenen und einer ernsthafte Auseinandersetzung damit in der Politik.

»… Der eigentliche Leidtragende sei aber das Kuckuckskind selbst. …«

Womit sogleich das Leid der Scheinväter bagatellisiert wurde. Ein ‚ebenfalls‘ statt ‚eigentlich‘ würde beide Betroffenen nebeneinander bestehen lassen.

»… „Es (das Kuckuckskind, Anm. d. Red.) verliert nicht nur den Vater, sondern auch seine Familienidentität. Aus der Adoptionsforschung ist bekannt, dass Kinder, die früh von ihren Eltern getrennt wurden, ihr Leben lang an ihren abgeschnittenen Wurzeln leiden.“ …«

Wann kommt das endlich bei den Politikern an? Sie lieben es doch, vom ‚Kindeswohl‘ zu faseln.

»… Haas spricht sich daher für standardisierte Vaterschaftstests bei der Geburt aus. Diese würden Rechtssicherheit schaffen und könnten schmerzvolle Prozesse verhindern. In naher Zukunft sind sie allerdings nicht in Sicht. „Der finanzielle Aufwand wäre zu hoch“, heißt es auf Nachfrage der „Wiener Zeitung“ vom Justizministerium. …«

Wenn das Justizministerium das Recht des Kindes auf die Kenntnis um die eigene Abstammung und den Schutz des Mannes vor dem meist finanziell motivierten Betrug im Auge hätte, dann würden diese Zahlen mit einem Gegenwert aufgewogen werden. Dazu kann sich das Justizministerium ja einmal bei den Kollegen im Gesundheitsministerium erkundigen, wie hoch die Therapiekosten sind, die durch den Vaterschaftstest ab Geburt eingespart werden würden. Ganz zu schweigen, von den Gerichtskosten der Vaterschaftsanfechtungen, die der Staat zu tragen hat, da die Kinder meist mittellos sind.

Danach kommt die Autorin auf den vorgeburtlichen (pränatalen) Vaterschaftstest zu sprechen.

»… Ein vorgeburtlicher Test kostet rund 1000 Euro, ein Vaterschaftstest nach der Geburt zwischen 350 und 800 Euro, je nachdem ob ein gerichtlich beeideter Sachverständiger hinzugezogen wird oder nicht. …«

Ein Vaterschaftstest ist für deutlich unter 200 Euro zu bekommen, lediglich, wenn es mit Sachverständigen durchgeführt wird, wird es teurer. Vaterschaftstests können in Österreich sogar diskret (also ohne die Unterschrift der Kindsmutter) vom gesetzlichen Vater in Auftrag gegeben werden, wenn er das gemeinsame Sorgerecht hat. Wie sieht es aus, wenn er das alleinige Sorgerecht hat? Rechtswidrig erstellte Vaterschaftstest können – so die Autorin – in Österreich dennoch vor Gericht verwendet werden, da es dort kein Beweisverwertungsverbot gibt. Eine vernünftige Lösung, denn Beweis ist Beweis.

»… „Fatal wird es, wenn die Mutter ohne Wissen des Mannes einen Vaterschaftstest durchführen lässt und dahinterkommt, dass das Kind nicht von ihm ist. Dann ist weder sie noch der Arzt verpflichtet, den betrogenen Mann aufzuklären“, sagt Haas. Die Mütter hätten dadurch eine gewisse Macht inne – zusätzlich zu der naturgegebenen, biologischen Schieflage zugunsten der Frau. …«

Eine bemerkenswert kristallklare Aussage zur Bevorteilung der Mütter durch den Gesetzgeber gegenüber den Männern. Da klingelt doch gleich das Hashtag #Aufschrei in meinen Ohren. Ach ne, es geht ja um Männer, die ganz real benachteiligt werden und nicht um eine Journallie, der es bereits schon nach einem Jahr auffällt, dass sie doch ganz übel sexistisch angemacht worden sei.

»… Falls er (der Scheinvater, Anm. d. Red.) mit der Kindesmutter verheiratet war, kann diese verpflichtet werden, den Unterhalt für das Kind von Geburt an zurückzuzahlen. Falls der leibliche Vater einkommensstärker als der betrogene Mann ist, muss er Unterhalt nachzahlen. Ähnlich verhält es sich bei gerichtlich festgestellten Partnerschaften.

Heikel wird es, wenn ein Mann ein außerehelich geborenes Kind anerkannt hat. In diesem Fall kann der Schadenersatz nur dann geltend gemacht werden, wenn die Frau den Mann bewusst getäuscht hat …«

Noch nicht ganz das Optimum, aber Scheinväter in der Schweiz und in Deutschland können davon nur träumen und bekommen wohl ganz feuchte Augen im Gedanken daran, dass es auch anders gehen könnte – wenn denn der Wille in der Politik vorhanden wäre, dieses heiße Eisen endlich anzufassen.

»… Die Kinder selbst können seit 2005 ebenfalls vor Gericht beantragen, herauszufinden, ob sie ein Kuckuckskind sind – und gegebenenfalls einen sogenannten „Vätertausch“ veranlassen.«

Interessant und sogleich stellt sich mir die Frage, ob es auch da Fristen gibt und wenn ja, welche?

Fazit: Die Journalistin Petra Tempfer hat enorm dicht die Informationen gepackt und bis auf einen kleinen Schnitzer das den Scheinvätern widerfahrende Leid und Unrecht gesehen. Wahrscheinlich hat sie sogar noch viel mehr hineinpacken können, doch durch die vermutlich bestehende Begrenzung der Artikellänge Abstriche machen müssen. Ursprünglich wollte ich möglichst wenig zitieren und dass es doch so viel wurde, das heißt einiges.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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