Vaterschaftstest, es dauert eine gefühlte Ewigkeit – Teil 7 – von Sammy Anders


Erlebnisbericht / Leserbrief - Titelbild

Das kommende Kind ist nicht von mir – Leserbriefe von Sammy Anders

Seitensprung – Geheimnis – Schuldzuweisung – Vorwürfe – Verantwortung – Leugnung / Erlebnisbericht – Kuckuckskind

Vorgestern rief ich erneut im Labor an. Die Ergebnisse seien per Post versandt. Zu Hause ist nichts angekommen, die Nachfrage bei meiner Frau: ergebnislos.
Ich wollte nicht mehr warten und klärte die Übermittlung per Mail. So wurde mir das Ergebnis an meine E-Mailadresse, über die ich den Scan meines Ausweises gesendet hatte, gemailt.

Dann endlich traf das Vaterschaftstestergebnis bei mir ein. Vier Seiten für ein klares Ergebniss – ja oder nein – etwas anderes gibt es nicht. Also Gewissheit, mein 4. Kind ist von mir!
Endlich Klarheit, Beruhigung, keine Verunsicherung durch andere Menschen mehr möglich.

Das 5. eindeutig nicht von mir, auch im 2. Test.

Fast gleichzeitig der Anruf meiner Frau, der nachgefragte Umschlag wäre gekommen, damit wäre nun ja alle geklärt. Meine Frage, ob sie denn den an mich adressierten Umschlag geöffnet hätte, wurde bejaht, schließlich wäre sie ja Betroffene.  Na ja, für mich ein No-go, ich bin Auftraggeber und Empfänger. Klar wäre es ideal gewesen, den Umschlag gemeinsam zu öffnen. Sie unterstellte mir, dass es mir nur wichtig gewesen wäre, das Ergebnis als erster zu wissen. Dann die Frage, was ich bei einem anderen Ergebnis gemacht hätte.

Es folgte ein durchwachsener Abend mit Diskussionen und Vorwürfen, statt das Ergebnis als Klärung stehen zu lassen. Den Vorwurf, ich hätte die ganze Situation verursacht, konnte ich nicht stehen lassen.
Da rutschte mir die Frage raus, wer denn das ganze verbockt hätte, doch wohl nicht ich. Sofort der Konter, dass sie genau das erwartet hätte, egal, was mit dem Kind kommen würde, von mir der Vorwurf, es war doch dein Seitensprung. Nein, ich will ihr und vor allem dem Kind diesen Vorwurf nicht machen, aber auch mir keine Vorwürfe machen lassen. Nein, das ist kein Eigenlob. Ich glaube, ich brauche mir in dieser Situation, mit meinem Verhalten, von niemandem Vorwürfe machen zu lassen. Das Einzige, was ich mir anhören müßte, wären die Frage des Kindes „Wo ist mein leiblicher Vater?“ und die Frage des leiblichen Vaters „Warum habe ich es nicht erfahren?“ mit den damit verbundenen Vorwürfen.

Ich stehe weiter dazu, dass es für mich der richtige Weg ist, die soziale Vaterschaft zu leben, aber formal und rechtlich für Klarheit zu sorgen. Allerdings folge ich ihrem Wunsch, die formale Änderung erst nach der Taufe des Kindes durchzuführen. Diese soll Anfang Dezember stattfinden.

Was aber ist der für alle richtige Weg und der richtige Zeitpunkt?
Sollte der leibliche Vater nicht bereits informiert sein, hat er nicht das Recht zu erfahren, dass er bereits Vater ist? Hätte meine Frau im Januar, als er bei ihr anrief, nicht die Wahrheit sagen müssen statt die Beziehung zu beenden?

Wäre er nur ein Störfaktor in einer Scheinfamilie mit 5 Kindern und einem „nur“ sozialen Vater? Haben meine Frau und auch ich das Recht, ihn außen vor zu lassen oder nicht eher die Pflicht, für Wahrheit zu sorgen.
Ich bin davon überzeugt, dass das Kind ein Recht auf Identität hat. Dazu gehört unweigerlich das Wissen der Abstammung und zwar der genetischen. Dagegen steht das Verhalten und die Einstellung meiner Frau, dass sie keinen Dritten in der Familie haben will. Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nicht, wie er reagieren wird. Vielleicht würde er das Kind in seine Familie aufnehmen. Wie würde seine Partnerin das Ganze aufnehmen? So stark und schützend für die Kinder wie ich? Würde er sich abwenden und sagen „Interessiert mich nicht, ich wollte kein Kind.“ oder würde in ihm die Liebe zu seinem Sohn und meiner Frau lodern?

Fragen, ohne wirkliche Antwort und Fragen, die mich von einem geregelten Alltag abhalten. Den geregelten Alltag wie vor 6 Monaten gibt es nicht mehr. Ohne mein Zutun wurde nicht nur ich, sondern meine ganze Familie ins Wanken gebracht und die Zukunft meiner Kinder massiv belastet.

Hier im Netz fand ich eine Familie, die versucht hat, den leiblichen Vater zu integrieren, anscheinend ist es gescheitert.

Kennt jemand eine Familie, bei der es funktioniert?

Wir sind sicherlich kein Einzelfall, aber anscheinend doch eine Seltenheit. Oft, zu oft wird der Erfolg des Beischlafs einfach beseitigt. Die Seele, die ein Recht auf Leben hat, wird zerquetscht. Wie konnte meine Frau Gefühle für einen Mann entwickeln, der dies regelmäßig berufsmäßig tut?

Was ich auf gar keinen Fall möchte, ist die Lüge bis zum Tod meiner Frau.

Spätestens, wenn „mein“ Sohn, wissentlich der Sohn eines mir unbekannten Mannes, mich liebevoll anschaut und Papa zu mir sagt, wird das schlechte Gewissen aus mir hervorbrechen.

So bleibt es trotz der Klarheit beim 4. Kind weiterhin ein Auf und Ab. Ich habe weiterhin die Kraft, meine Kinder beständig zu schützen. Parallel spüre ich aber, was mir fehlt: Klarheit, Wahrheit, Ruhe, aber auch Partnerschaft, Liebe und ja, körperliche Liebe.

VG Sammy

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Das kommende Kind ist nicht von mir – Leserbriefe von Sammy Anders

Fortsetzung: folgt

Für die, die erst jetzt die Serie von Sammy kennen gelernt haben, hier der erste Teil: Wie kann ich ihr wieder vertrauen? – Das kommende Kind ist nicht von mir – Teil 1

Alle Teile im Überblick.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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7 Antworten zu Vaterschaftstest, es dauert eine gefühlte Ewigkeit – Teil 7 – von Sammy Anders

  1. Claudia schreibt:

    Hallo Sammy,
    ich habe leider heute nicht viel Zeit, vernünftig zu antworten. Mein kleiner Mann hält mich heute ganz schön auf Trapp. Ich habe mal eine Doku gesehen, die Max hier sehr gut beschreibt.

    Die Doku hat mich sehr beeindruckt, denn da ist auch eine Familie, die in einer ähnlichen Situation lebt wie meine und auch deine Familie. Allerdings haben die es geschafft, den biologischen Vater zu integrieren. Die Tochter hat eben zwei Papas. Ich fand / finde diese Familie sehr bewundernswert. Vielleicht kannst du dir die Doku irgendwo online oder so ansehen.

    Bis dahin LG Claudia

    P.s. deine Frau scheint sehr tief in der Depression drin zu stecken. Ich nehme ihr die scheinbare Gleichgültigeit deiner Person nicht ab. Ich kann nur wieder sagen, sie sollte sich Hilfe holen. Familienhebamme, familientherapie……… Es gibt hilfe……Man muss nur sagen, das man sie braucht……

    • Sammy schreibt:

      Hallo Claudia, danke für deinen Kommentar.
      Es besserte sich die letzten Tage, es gab gute Gespräche.
      Von meiner Therapeutin hatte ich die Adresse einer Beratungsstelle, beim Anruf eine kompetent wirkende Person, die die Aktualität der Lage sofort erkannte. Sie hat direkt einen Termin vorgeschlagen. Gemeinsam hinzugehen hat meine Frau abgelehnt, alleine vielleicht…. Wenn Sie’s bräuchte hätte sie Ansprechpartner, ansonsten würde sie alles mit sich selbst ausmachen und vergraben.
      Ich bleib drann und Versuchs trotzdem weiter.
      LG Sammy

      • Andrea schreibt:

        Hallo Sammy, auf Deiner Seite sehe ich immer 100% Motivation an der Beziehung zu arbeiten und auf der anderen Seite tendiert die Motivation aus Deinen Erzählungen nahezu gegen 0. So lange das der Fall bleibt kannst Du Dich auf den Kopf stellen und das gibt trotzdem nichts.

        • Sammy schreibt:

          Hallo Andrea,
          da muss ich dir leide recht geben, das führt dazu, dass bei mir auch eine gewisse Resignation eintritt. Wie war Dein Vorschlag: schnapp sie dir doch mal…
          Hab ich versucht, aber da kam kein Feuer auf… Immerhin ein vernünftiges Gespräch über das was mir fehlt.
          Es mangelt schon an der Kommunikation, ich bekomme keine Antwort auf smse,
          heute der Hinweis ich hätte manchmal zu hohe Erwartungen….. Ja, ich erwarte auf Fragen eine Antwort, auf eine smse eine Antwort und nicht ich würde zu viel schreiben.

          Ich habe mir jetzt strikt vorgenommen erst was neues zu schreiben, wenn ich eine Antwort erhalten habe. Aber irgendwann vergeht einem die Lust. Am Samstag ist mein Geburtstagsabend geplatzt. Ich reagierte etwas schroff auf den Inhalt einer Mail ihres Bekannten und die Feststellung, dass sie eben bei anderen Zeit hat zum Antworten. Ich saß dann eben alleine vorm Glas Wein, während Sie mir 2 Stockwerke höher eine E-Mail schrieb…. Ich hatte ihr einen Teil Deiner langen Antwort geschickt, da kam dann nur die Frage wer das an wen geschrieben hat. Mal ein Austausch über den Inhalt, Fehlanzeige.

          Achtsamkeit ist angesagt, mich um mich und die Kinder kümmern. Entweder es entsteht noch etwas wie Paarbeziehung, oder ich folge eben Deinem Vorschlag….

          Auf Arbeit merke ich wie einfach und entspannt Gespräche mit Frauen sein können, aber bei der Mutter meiner Kinder fehlt einfach die Leichtigkeit, es ist so zäh und reduziert sich hauptsächlich auf die Organisation der Kinder.

          VG Sammy

  2. Andrea schreibt:

    Hi Sammy,

    so bin jetzt mit allem erst mal fertig und dazu gekommen Deinen Text zu lesen. Warum klingelt eigentlich immer der Postbote, wenn ich gerade meinen Kleinen wickle ?
    Im Prinzip hättest Du bei informiertem Vater im Endeffekt ja das selbe Familienmodell, das andere auch haben, wenn z.b. jemand ein fremdes Kind mit in eine neue Beziehung bringt. Da gibt es auch Papas außerhalb der Paarbeziehung die vorher mal eine Beziehung zur Ehefrau gehabt haben und die sich entweder um das Kind kümmern wollen oder nicht. Mal funktioniert es mal nicht. Nur mit dem gravierenden Unterschied dass bei Dir das ganze natürlich durch Betrug in der Beziehung zustande gekommen ist. Also ich denke rein theoretisch ist Dein Familienmodell auf jeden Fall auf die Reihe zu bekommen, aber natürlich sehr anspruchsvoll und schwierig.
    Wenn das einer schafft, dann Du und wenn nicht dann soll es auch nicht so sein.
    Vielleicht hilft es, wenn Du Dich mal mit Patchworkfamilien unterhältst und da vielleicht den einen oder anderen Tipp bekommst ? Und mit Leuten zu reden, die ihre Beziehung nach Betrug wieder auf die Reihe bekommen haben ist bestimmt auch eine gute Idee.
    Ich denke, Du weißt mit der Weile die Antwort auf alle Deine Fragen selbst sehr gut, vertraue Dir einfach selbst und mache es so, wie es sich für Dich richtig anfühlt.
    Was Dich und die Kinder angeht mache ich mir überhaupt keine Sorgen in Bezug auf ein Gelingen des `Familienprojekts`. Alles andere wird die Zeit zeigen, Du wirst das Richtige machen
    egal wie sich das weiter entwickelt und das ist das was letztendlich zählt.
    So jetzt widme ich mich meinem neuen Buch über meine geliebten Akitas das endlich aus den USA gekommen ist, Dog Man, über Mori Sawataishi.
    Lange Rede kurzer Sinn, ich gehe mein Buch lesen.

  3. Kaspar Hauser schreibt:

    Lieber Sammy.

    Mal im Klartext:
    Der Störfaktor in eurer Familie scheint die Mutter der Kinder zu sein.

    Ein deutlicheres Zeichen, als das Brechen des Briefgeheimnisses, gibt es nicht dafür,
    daß bei ihr einige grundsätzliche Dinge, die – zumindest für mich – essentiell für ein auf Dauer angelegtes Zusammenleben sind, zienlich schief hängen.

    Jede Hoffnung, daß sich etwas daran ändern könnte, gehört in die Abteilung des magischen Denkens. Du kannst nur dich ändern oder dich in eine andere Situation begeben.
    Du hattest lange genug Zeit, um festzustellen, was sie für ein Mensch ist.

    Deine bisherigen Blogbeiträge sind voll mit wiederholten Situationen, die einfach inaktzeptabel sind, und von denen jede einzelne ein deutliches Warnsignal ist.

    Nur auf die Warnung reagieren mußt du selbst. Dich wird da keiner rausholen. Sie wird sich auch nicht ändern. Kannst du damit leben, daß es genauso bleibt, wie es ist? Dann aktezptiere alles so, du kannst sie nicht ändern. Wenn nicht, weißt du hoffentlich, was zu tun ist, und hast nur noch Angst davor. Keine Panik: der Weg ist dort, wo die Angst ist.

    Ich wünsche dir alles Gute und Kraft dabei, das wirklich Richtige für dich selbst zu tun

    sagt
    ein 39 Jahre altes Kuckuckskind, das erst seit 8 Jahren Bescheid weiß

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