Das Kind ist da … – von Sammy Anders


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Das kommende Kind ist nicht von mir – Leserbriefe von Sammy Anders

Hausgeburt – Hebamme – Geburt – Ähnlichkeiten – sozialer Vater – / Erlebnisbericht – Kuckuckskind

Das Kind ist da …

Mental hatte ich mich auf die Geburt und den Empfang des wissentlich nicht von mir gezeugten Kindes vorbereitet.

Wie es tatsächlich werden würde, wusste ich nicht.
Die letzten Wochen der Schwangerschaft meiner Frau waren wie immer anstrengend, die Stimmung oft gereizt, der Akku sehr früh am Tag leer.
Von meiner Frau gewollt war eine Hausgeburt, aber zunächst ohne mich, zumindest wollte sie die erste Zeit mit dem Kind alleine verbringen.

Dann ging alles schnell. Am Abend sagte

sie mir, dass sie sich unsicher wäre, es könnte losgehen. Wir haben dann einige Punkte besprochen, wie es ablaufen würde, da sich die Hebamme, die dazukommen sollte im Urlaub befand.

Nachts um 3 weckte sie mich. Die Geburt ging tatsächlich los. Ich bereitete alles vor, half meiner Frau so, wie ich es für richtig empfand. Aber der Geburtsvorgang kam ins stocken und ich entschied mich für den Weg per Krankenwagen in den Kreißsaal. Dort ging es ganz schnell, innerhalb von nicht mal 15 Minuten war das Kind auf der Welt. Es waren ähnliche Gefühle wie bei unseren anderen Kindern. Es ist immer wieder ein überwältigender Moment, wenn ein Kind zu Welt kommt und plötzlich da ist und schreit. Für die Frau unheimliche Schmerzen, die aber von den Gefühlen ein neues Leben zur Welt gebracht zu haben überlagert werden.
Kurz nachdem die Hebamme das Kind auf den Bauch der Mutter gelegt hatte, durchschnitt ich die Nabelschnur und nahm es zu mir auf meine nackte Brust. Es war ein bewegender Moment, dieses kleine Bündel Leben bei mir zu haben.
Ich musste weinen, fühlte aber nur Zuneigung und das verlangen Geborgenheit zu geben. So lag es längere Zeit bei mir, bevor es untersucht wurde und in einem Tuch gewickelt zum ersten mal an die Brust durfte.
Meine Frau war vollends überrascht über mein Verhalten, meine Unterstützung, meine Hilfe und uneingeschränktes für sie da sein und bedankte sich mehrfach.
Kein Mensch, weder Ärztin, Hebamme oder Rettungssanitäter bemerkten einen Unterschied und haben mich alle für den leiblichen Vater gehalten.
Ich muss zugeben, dass ich selbst über mich erstaunt war und bin und nicht gedacht hätte, dass ich mich so sicher verhalte.
Meine Frau war nie länger in der Klinik und so ging es bereits Mittags nach Hause. Dann  begann sie zum ersten Mal, die Glückwunschorgie. Da wurde es schon mal anstrengend und ich dachte mir manchmal, ist das für mich Glück, dass meine Frau schwanger wurde, von einem mir unbekannten Mann und ich nun eigentlich seinen Sohn in Händen halte und zeige?
Ich kümmere mich um das Kind, als wäre es mein eigenes. Es gibt für mich keinen Unterschied in der Versorgung und Behütung. Es ist ein Neugeborenes, das uneingeschränkte Hilfe benötigt und ein Mensch, den es gilt zu schützen.
Die Freundin meiner Frau, die als Hebamme die Nachsorge macht hat dies bestätigt und mir ihre Bewunderung ausgesprochen.
Ich muss innerlich lachen, wenn andere das Kind anschauen, dann mich und klare Ähnlichkeiten sehen.
Anstrengend wurde es letzten Sonntag, auch wieder die Beglückwünscherei auch von der Pfarrerin. Da wurde es mir mulmig und ich dachte, das kannst du nicht machen, selbst Deine Pfarrerin im Unwissen lassen und damit belügen.
Am Abend sprach ich mit meiner Frau darüber. Diese Pfarrerin soll die Taufe durchführen und auch meine Frau ist der Meinung, dass sie vor der Taufe die Wahrheit erfahren soll. Wenn wir es im Rahmen einer Beichte erklären besteht auch das Beichtgeheimnis.
Vorgestern war die Frau bei uns, die meint die beste Freundin meiner Frau zu sein. Sie weiss von nichts, ihr Mann weiß alles, da er der Vertraute meiner Frau ist.  Eine ganz blöde Situation. Auch sie sah Ähnlichkeiten und ich war erschüttert über ihre Ahnungslosigkeit. Sie steht voll und ganz hinter meiner Frau und gibt mir die alleinige Schuld für die Schwierigkeiten in unserer Ehe. Ich solle doch endlich Kompromisse eingehen, die meiner Frau gut tun.
Gehe ich nicht schon den größten Kompromiss ein, indem ich das fremdgezeugte Kind in meiner Familie aufnehme und bereit bin, ihm ein sozialer Vater zu sein ??
Nein, ich erwarte keine Dankbarkeit, aber Verständnis für meine Situation, die ich natürlich von einer unwissenden Person nicht erwarten kann.
Ich habe den Fehler gemacht, mit der Freundin meiner Frau (die Hebamme) offen über die Situation und meine Gefühle zu sprechen, nicht wissend, dass wir von meiner Frau belauscht wurden. Tolle Situation. Ich bekam den Vorwurf,
zuviel mit anderen zu sprechen und meiner Frau ihre Freundin zu entziehen. Nicht ganz von der Hand zu weisen, aber es tat gut ein offenes Ohr zu finden und eben Verständnis für meine Situation, auch die Bestätigung zu bekommen, dass ich mich so verhalte, das niemand etwas merkt.
Jetzt wird es sich zeigen, wie schnell wir zum Alltag übergehen können und ob sich trotz der weiterhin angespannten Situation zwischen mir und meiner Frau eine Paarbeziehung wieder entwickeln kann.
Durch mehrere kleine Vorfälle ist das Vertrauen immer noch im Keller und ich verliere langsam die Hoffnung, habe aber weiterhin Geduld, denn klar ist, wir stehen wieder ganz am Anfang und müssen erst wieder zusammen finden.
Ein langer Weg ins Ungewisse, aber meine leiblichen Kindern geht es gut, sie freuen sich über das Geschwisterchen, sie haben weiterhin ihre Mutter und ihren Vater bei sich und leben im gewohnten Umfeld. Der wichtigste Grund um den eingeschlagenen Weg bei zu behalten.
Beste Grüße
Sammy
Demnächst: das Gespräch mit dem Jugendamt, sowie der Familienrechtlerin und der Weg zum Vaterschaftstest.

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Das kommende Kind ist nicht von mir – Leserbriefe von Sammy Anders

Fortsetzung: Ist auch das zweitjüngste Kind ein Kuckuckskind? – Teil 5

Für die, die erst jetzt die Serie von Sammy kennen gelernt haben, hier der erste Teil: Inzwischen bin ich stationär eingewiesen – von Sammy Anders – Teil 1

Alle Teile im Überblick.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Das Kind ist da … – von Sammy Anders

  1. Andrea schreibt:

    Hut ab, das hast Du so uebermenschlich gut gemacht. Es gibt nicht viele Männer wie Dich, glaube mir das. Jetzt lasse Dir bitte nur nicht vorschreiben mit wem Du darüber reden darfst und mit wem nicht. Lasse einfach alles raus so wie es Dir gut tut.
    Lieben Gruss und meinen Respekt

    • Sammy schreibt:

      Hallo Andrea,

      besten Dank für Deine Antwort die so gut tut……..
      Gerade heute, wo mir die Kraft mal wieder schwindet und ich schlecht geschlafen habe, aufgrund der Gedanken in meinem Kopf.. dazu mehr im nächsten Teil.

      DANKE

      LG Sammy

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