Wir suchen seine Kinder – Leserbrief von Cornelia Blum*


Erlebnisbericht - Titelbild

Wir suchen seine Kinder – Leserbrief von Cornelia Blum

Cornelia* schrieb mir die Geschichte ihres Ehemannes. Das, was ihm geschehen ist und immer noch widerfährt, liest sich wie ein Drehbuch eines Hollywood-Dramas.

Hallo, ich verfolge Ihre Seite seit einiger Zeit mit sehr großem Interesse. Heute möchte ich Ihnen die Geschichte meines Mannes erzählen. Wenn man sie liest, denkt man eher an einen schlechten Roman, als an das wirkliche Leben.

Mein Mann war bereits einmal verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. Mein Mann liebt Kinder und die beiden waren sein ganzer Stolz und sein Glück. Eines Abends kam er etwas früher nach Hause und

ertappte seine Gattin mit seinem besten Freund im Bett. (Ich sag ja, Klischee hoch 5)
Er trennte sich von ihr und sie tauchte noch vor der Scheidung mit den Kindern in die Schweiz ab. Nichts konnte mein Mann erreichen … kein Gericht, kein Jugendamt; niemand wollte ihm helfen.
Das Einzige, was er bekam, war ein Schreiben seiner Ex, dass sie die Scheidung will und seine Kinder bereits einen anderen Nachnamen bekommen haben. Wie gesagt, noch vor der Scheidung! Eine Zeit verging und die Scheidung kam. Seine Ex-Frau forderte beim Scheidungstermin Unterhalt für die Kids, was auch legitim ist und mein Mann musste sich anhören, dass er die Kinder und sie geschlagen hätte. Er war ein gebrochener Mann.
Kurze Zeit später wanderte die Gute dann nach Kanada aus und dort verliert sich die Spur. Mein Mann wollte erzwingen, dass er seine Kinder sehen darf. Nichts. Bei einer weiteren Verhandlung, bei der die Dame nicht mal anwesend war und sich von ihrem Anwalt vertreten ließ, fragte mein Mann die Richterin, was gewesen wäre, wenn er mit den Kindern untergetaucht wäre. Darauf bekam er keinerlei Antwort. Denke, das war aber auch Antwort genug.

Mein Mann stellte die Zahlungen ein, seine einzige Hoffnung endlich zu hören, wo sich seine Kinder befinden. Antwort bekam er dann in Form von einer Lohnpfändung. Seine Ex hatte einen Titel erwirkt. Somit war er ganz unten angekommen. Die 1.000 Euro, die ihm blieben, reichten weder zum leben noch zum sterben. Er verlor seine Wohnung, wurde alkoholabhängig und gab sich immer mehr auf. Er ging aber dennoch weiterhin arbeiten und das Geld floss an seine Kids und seine Ex, die zu der Zeit bereits wieder verheiratet war mit seinem EX-Besten Freund.

Nach ein paar Jahren musste sein Betrieb Kurzarbeit anmelden. Er gab um Unterhaltminderung ein. Fehlanzeige. Die lapidare Antwort des Richters war: dann müssen Sie sich halt ’nen Nebenjob suchen. Ja klar, die wachsen ja auf Bäumen. In der Zeit stauten sich über 10.000 Euro an Unterhaltsschulden an…Schulden, die er eigentlich nicht haben hätte dürfen. Schulden, die er abbezahlen muss und das, obwohl er nicht wusste, wo die Kinder sind, ob sie noch leben und wieso sie einen neuen Nachnamen tragen. Als ich ihn kennenlernte, war es kurz vor zwölf. Er hatte bereits mit seinem Leben abgeschlossen. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann er nicht mal mehr die Kraft haben würde, aufzustehen.
Zu der Zeit lebte er in einem undichten Wohnwagen, in dem es im Winter so kalt wurde, dass alle Elektrogeräte einfroren. Ich verliebte mich in ihn und mir war es egal, wie er lebte. Er war mir wichtig. Nun sind wir seit einem Jahr verheiratet.

Sein Leben hat sich vollkommen verändert, die Situation mit seinen Kindern nicht. Noch immer wissen wir nicht, wo und ob sie noch leben. Interessanterweise haben wir eine Adresse, aber wenn man rausbekommen will, ob sie da noch sind, stößt man an eine Mauer. Das Geld für einen Flug nach Kanada haben wir nicht. Ich muss dazu sagen, ich habe einen Hirntumor und arbeiten ist für mich im Moment nicht möglich. Unser Anwalt hat sich nun an den gegnerischen Anwalt gewandt, da wir fürs Finanzamt eine Lebensbestätigung benötigt hätten (Die Anwaltskosten sparen wir uns vom Mund ab). Eine offizielle Bestätigung bekamen wir nicht … lediglich die Zusage des Anwaltes. Ich frage mich, woher der das wissen will. Er sitzt in Deutschland, die Kinder in Kanada. Man kann viel sagen, aber ob es der Wahrheit entspricht … keine Ahnung. Der Finanzbeamte sah dann aber doch ein, dass wenn Papa Staat den Unterhalt pfändet, wohl das als Beweis genug sein sollte um die Steuer, die meinem Mann zusteht, auch auszuzahlen … natürlich nicht an uns … nein, das geht sofort an die Exfrau meines Mannes, dank der Lohnpfändung.

Wir sitzen nun hier, wissen nichts von den Kindern, bezahlen das Geld, obwohl wir nicht mal sicher wissen, ob die Kids bereits arbeiten (16 und 18) oder was mit ihnen ist; ohne Aussicht auf Infos, oder jemals Kontakt zu den Kinder bekommen zu können, was meinem Mann die Welt bedeuten würde. Nicht mal gerichtlich können wir vorgehen, da das Geld nicht da ist, aber zu viel, dass wir keine Gerichtskostenhilfe bekommen. So sieht es aus, wenn man ein Vater ist, der immer arbeiten war, nie auch nur einen Tag daran gedacht hat, alles aufzugeben, nur um aus der Sache rauszukommen. Ein Staat, in dem man als Vater nur Pflichten hat, aber keinerlei Handhabe Kontakt zu seinen Kindern zu bekommen. Man läuft gegen Mauern, wenn man sich ans Jugendamt wendet: nicht zuständig. Konsultieren sie einen Anwalt. Wo sich die Katze wieder in den eigenen Schwanz beißt. Alles in allem habe ich den Glauben an den Deutschen Staat verloren.

*Cornelia Blum ist ein Pseudonym, ihr Name ist der Redaktion bekannt. Wir danken für die Veröffentlichungsgenehmigung.

Die Frage, die sich stellt ist, wann die Affäre seiner damaligen Ehefrau mit seinem „besten Freund“ begann und ob er überhaupt der leibliche Vater dieser Kinder ist.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Wir suchen seine Kinder – Leserbrief von Cornelia Blum*

  1. Joachim Seise schreibt:

    Dieses mag zwar kein Trost sein, aber ich möchte euch einen Rat geben. Das was Ihr erlebt habt und noch weiter erleben werdet, wird euch immer stark belasten. Die Sehnsucht nach dem was Ihr nicht haben könnt, wird euch zerstören, wenn ihr nicht lernt mit dieser Sehnsucht umzugehen oder sie ab zu stellen. Ich weiß dass meine Zeilen hart klingen mögen und das sind sie auch, aber ich denke ihr seid nach dem was ich gelesen habe an einem Punkt an dem Ihr auch an euch selber denken müsst. Es wird die Zeit der Reife kommen und dann kommen die Kinder zu euch, oder auch nicht, dass wird nur die Zukunft zeigen. Liebe „Cornelia“, ich finde es sehr bewundernswert wie du dich für deinen Mann einsetzt und ihr habt mein vollsten Respekt. Mein Rat an euch ist folgender: Die Mutter kann nur bis zu Volljährigkeit der Kinder ihr Gift versteuen danach ist Schluss. Ab dem 18 Lebenjahr müssen die Kinder selber aktiv werden, wenn sie Unterhalt benötigen, haltet bis dahin durch, verschwendet nicht weiter eure Energie in einen Wunsch, der auch zum Albtraum werden kann. Ich habe diesen Kampf schon lange eingestellt, weil auch ich nur ein Leben habe, gewonnen oder verlohren, keines von beidem. Bei derartiten Kriegen gibt es nur Verlierer. Und zum Schluss, als kleiner Trost „Ihr seid kein Einzelfall“ und möget Ihr die Kraft finden euer Leben zu genießen, es ist zu kurz!

  2. Norbert Potthoff schreibt:

    Eine abenteuerliche Geschichte. Besonders abenteuerlich, die rasche Flucht mit den Kindern ins Ausland. Das wirft eine Menge Fragen auf. So etwas macht man nicht ohne einen triftigen Grund. Warum hat die Frau die Kinder umgehend vor dem Mann verborgen, nachdem sie mit ihrem Liebhaber im Bett ertappt worden ist? Hätte man, plötzlich „wach“ geworden, Gesichtsvergleiche anstellen können?

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