Ich bin ein ungeliebtes Kind – von Gudrun Lange*


Erlebnisbericht - Titelbild

Ich bin ein ungeliebtes Kind – von Gudrun Lange*

Mein Name ist Gudrun.

Ich bin heute 46 Jahre alt, glücklich verheiratet und habe zwei wundervolle Kinder, einen Jungen, er ist heute 24 Jahre alt, und ein Mädchen, sie wird bald vierzehn. Meine Kinder wuchsen wohlbehütet auf, ohne Strafen und ohne Schläge.
Das kann ich von mir allerdings nicht behaupten, ganz im Gegenteil!!!!

Ich wurde 1967 in Nordhausen in Thüringen geboren.
Bei meiner Geburt war meine Mutter schon entsetzt, wie sie mir später gerne erzählte, da ich als Baby mit roten Haaren zur Welt kam. Als ich dann ca. drei Jahre alt war, bekam ich noch eine dicke Brille dazu. Somit war das hässliche Entlein entstanden.

Ich kam in den Kindergarten und wurde nur geärgert, in der Schule ging es dann zehn Jahre so weiter, obwohl ich immer gute Noten hatte. Was blieb mir auch anderes übrig als zu lernen, Freunde hatte ich doch eh keine, weil niemand mit mir spielen wollte, ich war ja schließlich immer „der rote Fuchs und die Brillenschlange“. Rückendeckung von meinen Eltern hatte ich damals wenig bis gar keine.

Ich wurde mir mehr oder weniger selbst überlassen oder war viel bei meiner Uroma, die dann leider 1981 verstarb.
Für mich brach damals eine Welt zusammen, weil sie der Mensch war, der mir alle Werte beigebracht hatte, die ich auch meinen Kindern weiter gegeben habe.
Eine richtige Mutter hatte ich nie, ich kenne keine Umarmungen von ihr, sie hat nie meine Hausaufgaben kontrolliert oder mal nachgefragt, ob ich Probleme habe.
Das ganze Gegenteil war der Fall…..
Sie schrie mich ständig an, bezeichnete mich mit den fiesesten Worten, die man einem Kind an den Kopf hauen kann, ich mag diese Beschimpfungen nicht wiedergeben, da sie unter aller Würde sind, und sie hat mich geschlagen…immer und immer wieder. Es gab Situationen, in denen sie versucht hatte, mir die Luft abzudrücken, und wenn ich dann vor ihr auf die Knie fiel hat sie noch zugetreten.
Sie sagte dabei oft, dass sie mich ins Heim geben würde, oder sie machte mir noch mehr Angst indem sie sagte, sie würde alles meinem Vater erzählen, wenn der nach Hause kommt. Meistens war es dann so, dass mein Vater von ihr so in Rage gebracht wurde, dass ich von ihm dann die nächste Prügel bekam.
Mir schnürt es gerade die Luft ab wenn ich darüber schreibe! Ich hatte als Kind nur Angst, sehr viel Angst vor meinen Eltern.
Niemals hätte ich gewagt meinen Eltern zu widersprechen, ich glaube die hätten mich totgeprügelt.
Es gab eine Situation in der ich zu meinem „Opa“ sagte er habe mir nichts zu sagen weil er nicht mein richtiger Opa sei, denn meine Mutter war auch nur ein Scheidungskind. Mein Vater stand daneben. In diesem Moment bekam ich von meinem Vater so eine geschmiert, dass ich auf unserem Hof umfiel und bewusstlos wurde. Erst da hatte er anscheinend gemerkt was er gerade getan hatte.
Ich habe mir schon als Kind geschworen, dass ich meine Kinder mal anders erziehen werde und das habe ich auch geschafft.
Trotzdem habe ich mich immer gefragt warum meine Mutter mir das angetan hat.

1980 wurde dann mein Bruder geboren. Von da an ging es bei mir komplett bergab. Ob ich da war interessierte sowieso keinen mehr, und wenn mein Bruder irgendetwas angerichtet hatte, musste ich dafür bluten, denn auch der hatte als Kind sehr schnell begriffen, dass Mama und Papa ihm sowieso nichts tun werden und ich die Prügel bekomme. Das hat auch er sehr oft ausgenutzt…noch bis zu seinem erwachsen werden.
Meine Mutter beherrschte mich bis vor vier Jahren, darauf gehe ich aber später näher ein.

So lebte ich mein tristes Leben bis ich fast neunzehn Jahre alt war. Während meiner Ausbildung gab es auch noch einmal eine Situation, da muss ich so 16 oder 17 gewesen sein. Ich widersprach irgendwie meinem Vater und bekam dafür so eine gefeuert, dass ich mit einem ausgerenktem Kiefer zur Arbeit gehen musste.
Dann kam der Tag, an dem ich zu meinem zukünftigen Mann ziehen wollte, ich war 19 Jahre alt. Mein zukünftiger Schwager und meine Schwägerin wollten mir dabei helfen, denn sie hatten bereits ein Auto.
Als wir an meinem Elternhaus ankamen, schrie meine Mutter schon aus der Tür heraus und beschimpfte mich wieder mal auf übelste Art und Weise.
Zum Packen meiner Sachen bin ich gar nicht mehr richtig gekommen. Jedes mal wenn ich die Treppe hoch oder runter ging bekam ich von dieser Frau Prügel. Meine Klamotten habe ich dann notgedrungen lose in den Kofferraum von Franks Wagen schmeißen müssen.
Dann war erst mal Ruhe, es sei denn sie brauchte mich, dann hatte ich sofort anzutanzen, und wenn ich das mal nicht tat, weil ich wirklich keine Zeit hatte, kamen wieder diese fiesen Beschimpfungen.

Als ich dann dreißig wurde, kamen meine Eltern mal zu Besuch, ich hatte zu der Zeit schon meinen zweiten Mann kennengelernt. Meine Mutter eröffnete mir bei diesem Besuch, dass sie mich damals am liebsten abgetrieben hätte. Ich war geschockt…warum sagt man so etwas seinem eigenen Kind???
Meinen zweiten Mann konnte sie noch nie leiden, ihre Worte waren immer „ den werde ich nie akzeptieren“. Nun gut.. Michael konnte damit umgehen nur ich nicht denn gehetzt hat sie gegen ihn hinter seinem Rücken immer nur über mich. Das ging so weit, dass sie irgendwann beim Jugendamt behauptete, er würde meinen Sohn aus erster Ehe misshandeln.
Es wurde die Hölle für mich. Mein Sohn wurde seitens meiner Mutter und meines Exmannes so bearbeitet, dass er irgendwann sagte er wolle zu seinem Papa.
Dafür war einzig und allein meine Mutter verantwortlich, das habe ich heute schriftlich, denn der Junge hatte das irgendwann beim Jugendamt erzählt.
Die Behauptungen waren völlig haltlos, dies hatte sich irgendwann herausgestellt.
Dann kam im Jahr 2000 meiner Tochter zu Welt.
Dieses arme kleine Würmchen wurde von meiner Mutter als Bastard bezeichnet und auch nie richtig als Enkelkind angenommen.

Und jetzt kommt der Hammer!!!
Irgendwann saß ich vor ca. einem Jahr nachmittags vorm Fernseher und es lief eine Sendung, in der Kinder im Biounterricht einen Test gemacht hatten, bei dem das Mädchen um das es ging feststellte, dass der eigene Vater gar nicht ihr Vater sein könne, da die Blutgruppen der Eltern nicht mit der ihrigen übereinstimmten.
Das brachte mich auf den Gedanken einfach mal in meinem Mutterpass nachzuschauen welche Blutgruppe ich eigentlich habe.
Also schaute ich nach und stellte fest, dass ich A positiv bin.
Ich wusste aber, dass mein Vater immer getönt hatte, dass er jedem Blut spenden könne und das auch jahrelang getan hatte. Er hat die Blutgruppe 0 positiv.
Von meiner Mutter wusste ich, dass sie B negativ ist, denn sie brauchte bei der Geburt meines Bruders eine sogenannte Umwandlungsspritze für ihr Blut. Außerdem hat sie immer behauptet, sie hätte die seltenste und schmutzigste Blutgruppe die es gäbe.
Um sicher zu gehen, rief ich meinen Bruder an, gaukelte ihm vor, ich hätte was mit meinem Blut worauf er sofort bereit war für mich zu spenden, denn er sei ja schließlich auch 0 positiv, genau wie sein Vater.
Ich bat ihn die Mutter anzurufen und zu fragen welche Blutgruppe sie hat, denn Kontakt hatte ich zu ihr nicht mehr, da ich ihr 2010 klar machte, dass sie das mit mir nicht mehr machen könne. Sie bedauerte das damals sehr denn sie meinte als ich noch Prügel bekommen hätte wäre ich wenigstens noch grade gegangen und dass ich froh sein könne, dass mein Vater nicht zu Hause wäre. Da war ich aber schon 45 Jahre alt.
Kurz danach kam der Rückruf von ihm und er bestätigte mir mein Wissen.
Jetzt ging ich ins Internet um zu recherchieren und siehe da… B negativ und 0 positiv kann niemals A ergeben.
Dann wäre ich ein medizinisches Wunder. Also ist mein eingetragener Vater auch nicht mein richtiger Vater.
Ich dachte in diesem Moment ich falle vom Glauben ab.
Plötzlich war mir alles klar, warum die mich mein ganzes Leben so behandelt hat.
Mein Bruder hatte das meinem Vater erzählt und der meinte nur „da muss sie wohl besoffen gewesen sein“. Mehr Reaktion kam leider nicht.

Nur leider wusste ich immer noch nicht wem ich eigentlich ähnlich sehe.
Ich saß abends allein in unserem Wohnzimmer und machte mir darüber Gedanken bis es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen fiel.
Ungeschminkt sehe ich aus wie mein Stiefopa. Aber warum???
Das geht doch gar nicht, der war ja nie mit mir verwandt, denn er war schließlich nicht der leibliche Vater meiner Mutter.
Ich habe sie damit konfrontiert, eine Reaktion kam aber nicht, nur ein Schreiben von ihrem Anwalt, der mir dann vorschlug einen Gentest zu machen, den ich auch noch bezahlen sollte. Nachdem ich ihn über diese Sache aufgeklärt hatte und auch mitgeteilt hatte, dass man schon anhand der Blutgruppen sagen kann, das etwas nicht stimmt, hörte ich nie wieder von ihm.
Und eine Reaktion seitens meiner Eltern kam auch nie wieder.
Was soll ich machen?
Mein eventueller Erzeuger, dem ich ähnlich sehe, ist leider seit 2009 tot und wurde eingeäschert, verwandtschaftlich ist da niemand mehr, über ich noch etwas beweisen könnte.
Ich bin mal auf Eure Reaktionen gespannt!!!

Liebe Grüße Gudrun

* Gudrun Lange ist ein Pseudonym

Advertisements

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Geschichten, Kuckuckskind, Vaterschaftstest abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Ich bin ein ungeliebtes Kind – von Gudrun Lange*

  1. milly schreibt:

    Mir drängt sich bei deiner Schilderung der Verdacht auf, deine Mutter könnte von ihrem Stief-Vater vergewaltigt worden sein. Das würde Abtreibungswünsche erklären können.

    Für deine heutige Situation weiß ich leider keinen guten Rat, außer dir aus der Ferne alle lieben Wünsche zu senden. Hochachtung vor deiner Stärke, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und deine Kinder liebevoll zu erziehen!

  2. Andrea schreibt:

    Ja Eltern können sehr liebevoll sein, Sprüche wie Du kommst aus der Gosse und da landest Du auch wieder kenne ich von meinem Ziehvater aus meiner Teenagerzeit oder das Highlight:von ihm:
    Wenn du Dich umbringst, spring bitte hoch genug herunter, damit wir Dich nachher nicht pflegen müssen.
    Da geht einem schon das Herz auf bei solchen Aussagen. Vor allem vor dem Hintergrund,
    dass er ja in dieser Zeit nie etwas von seiner Nichtvaterschaft gewusst haben will.
    Aber irgendwann ist man ja glücklicher Weise aus seiner Kinderrolle heraus und geht als
    Erwachsener seine eigenen Wege mit Menschen, die man sich im Gegensatz zu seiner Familie selbst aussuchen kann. Und wie gesagt, was einen Menschen nicht umbringt, macht ihn nur stärker.

  3. Andrea schreibt:

    Also ich würde in dem Fall an Deiner Stelle Deine Mutter verklagen.
    Sie muß Dir nämlich Auskunft darüber geben wer Dein Vater ist, zumindest wenn feststeht, dass Dein Ziehvater nicht Dein leiblicher Vater sein kann und das ist ja der Fall wegen der unvereinbaren Blutgruppen. Es kann natürlich passieren, dass sie dann Unfug erzählt, sie kenne den Namen nicht oder sie wäre betrunken gewesen und könnte sich an nichts erinnern ect.
    Aber egal, was dabei heraus kommt, ich finde sie hat es definitiv verdient vor Gericht zitiert zu werden. Und ich würde den Anwalt wenn man denn schon mal da ist, direkt fragen, ob man eventuell im Nachhinein noch eine Anzeige wegen der Misshandlungen machen kann.
    Ich wünsche Dir alles Gute.

  4. Norbert Potthoff schreibt:

    Hallo Gudrun,
    mich würden noch ein paar Daten interessieren. Wie alt war deine Mutter, als sie mit dir schwanger wurde und wo lebte sie zu dieser Zeit?

    Eingeäschert ist natürlich schlecht, aber vielleicht gibt es noch irgendwelche Gegenstände/Kleidungsstücke, die eindeutig deinem Stiefopa zugeordnet werden können.
    Für mich sind das immer die krassesten Fälle, in denen man zwar den „falschen“ Vater identifizieren kann, man aber nahezu keine Chance mehr hat, den richtigen Vater zu finden. Die zweite Hälfte der eigenen Identität bleibt für immer nebulös. Man kann sich nur auf vage Vermutungen stützen. Wenn man ein ganz klein wenig Glück hat, wie bei meiner Frau, dann entdeckt man wenigstens ein kleines Stück vom Vater in sich sich selbst, über Eigenarten und Fähigkeiten, die es sonst nirgends in der Familie gibt.

    Lieben Gruß
    Norbert

  5. Petra Scholz schreibt:

    Hallo Gudrun,

    Deine Geschichte hat mich sehr bewegt, zumal ich in ihr Ähnlichkeiten in Bezug auf meine Kindheit sehen konnte. Nur habe ich, im Gegensatz zu Dir, bereits 1968, mit 8 Jahren, während einer Jugendamtssitzung indirekt erfahren können, dass mein Vater nicht mein Vater ist, als die Frage aufkam, wie wir Zwillinge aufgewachsen sind.
    Als meine Mutter daraufhin meinte, dass wir 7-Monatskinder seien und die Frage folgte, ob es sich bei beiden Elternteilen um die leiblichen Elternteile handle, echofierte sich meine Mutter, wie sie es öfter tat, wenn sie einen ihr gemachten Vorwurf abstritt und äußerte: „Dass es doch besser wäre, wenn wir Kinder mal den Raum verlassen würden, das wäre wohl nichts für uns“.

    Dieser „Bitte“, besser gesagt, Aufforderung wurde durch die Jugendamtsvorsitzende (damals noch Jugendhilfe/DDR-Karl-Marx-Stadt) stattgegeben.
    Obwohl ich bereits vorher Zweifel hatte und irgendwie spürte, dass mein Vater nicht mein Vater ist, ging mir mit meinen damals 8 Jahren ein Licht auf, sodass ich bereits schon in der Lage war, zu begreifen, weshalb mein Vater uns öfters prügelte, ebenso, wie unsere Mutter, welche ich als immer etwas kalt und abweisend empfand, ich von ihr auch nur Vorwürfe und Moralpredigten kannte, obwohl ich mich doch damals noch mehr zu ihr hingezogen fühlte, um Zuneigung buhlte, aber kein inniges Verhältnis zustande kam und sie sich mitunter so vergessen hatte, dass sie mich schlug, mir den Tod wünschte und mich sogar in ihrer Rage anspie und schrie, dass ich nicht ihr Kind sei, sie mir wünschte, dass ich tot sei und das Anspucken nicht wert sei, was mich letztlich derart anekelte, dass ich mit meinen 8 Jahren zurückgezuckt habe.

    Meine Eltern waren ebenso, wie Deine, oft sehr streng. Mitunter reichte eine Kleinigkeit aus, wie etwa ein Nörgeln, da rastete mein Vater aus, bevor er mich anschrie, ich solle mich gefälligst beim Anziehen beeilen und schlug mir solange den Handfeger auf den Kopf, bis ich eine Platzwunde hatte.
    Als meine Mutter durch mein Weinen aufmerksam wurde, ins Bad folgte und es ihr nur darum ging, schnell mein Hemd auszuziehen, welches sie wegen, des auf dem Rücken befindlichen Blutes einweichen wollte, ich aber noch so erschöpft war und es nicht so schnell ausziehen konnte, ohrfeigte sie mich ebenso und versuchte das Hemd mir schnell runterzureißen.

    Auch eine schlechte Zensur oder einen Eintrag von der Lehrerin, hatte Schläge mit Hand, Reitgerte, Feuerhaken oder dem Schlüsselbund zu Folge.
    Da ich bereits mit 7 Jahren äußerte, dass ich weit weg wolle und anfing, mir im Laden Süßigkeiten, wie später auch Zigaretten oder Geld zu stehlen, wie auch später weglief, verdrängte ich zunehmend und dachte, all diese psychischen und physischen Demütigungen zu Recht zu erhalten, obwohl ich insgeheim eine solche Abneigung entwickelte und ich mich als schlechten, missratenen Menschen empfand, der eine Schande für die Umwelt sei, da ich bereits mit 7 Jahren beim Jugendamt als schwererziehbar aktenkundig wurde und nach Abschluss meiner Lehre die staatliche Heimerziehung bekam.

    Da beschlossen wurde, mich nach Torgau einzuweisen , was auch meine Mutter für richtig befand, aber zu diesem Zeitpunkt etwa über 400 Anträge liefen, sollte dies noch etwas Wartezeit zur Folge haben, sodass meine Mutter meinen vermeintlichen Vater bat, sich doch mit der Jugendhilfe in Verbindung zu setzen, damit ich die Wartezeit über, in das Durchgangsheim eingewiesen werden sollte, was letztlich auch erfolgte und ich als sogenannter Wartefall eingewiesen wurde.
    Mei Vater äußerte nach dem Beschluss ohnehin öffentlich, dass sich das Jugendamt doch beeilen solle, er wolle mich nicht mehr haben.

    Letztlich hatte ich mich bereits damals innerlich verabschiedet, ohne je einen richtigen Bezug zu meinen Eltern entwickeln zu können, von denen ich im Grunde so gut wie nichts weiß und verdrängte einfach vieles.
    Auch zu meinem vier Jahre älteren Bruder hatte ich so gut wie keinen direkten Bezug. Ich galt als Außenseiter, war in Wahrheit nicht akzeptiert und wurde als quasi nicht normal und minderbemittelt angesehen, zumal in der Familie nicht geredet wurde.

    Laut meiner Jugendamtsakte regten sich meine Eltern letztlich noch auf, weil sie Kosten für das Durchgangsheim zahlen mussten und versuchten zu veranlassen, mich in eine Einrichtung einzuweisen, damit ich in meinem Beruf arbeiten könne und selbst Geld verdienen könnte, wie meine Mutter mir später weiß machte.
    In Wahrheit ging es ihnen ums Geld und nicht darum, dass ich mich bessern würde, ich war das notwendige Übel, so wie ich es auch oft empfunden habe.

    Während meiner späteren Haftzeit brach ich das erste Mal den Kontakt zu meinen Eltern ab, bis ich 1984 nach Westdeutschland ausreisten konnte, mich für Berlin entschied und mich mein damaliger Freund förmlich bekniete, doch endlich mal meinen Eltern zu schreiben, dass ich jetzt im Westberlin bin, schließlich seien es meine Eltern.

    Da ich dies nicht wollte, nahm er meinen Laufzettel für das Notaufnahmeverfahren, auf welchem die Durchgänge von den Alliierten und dem Verfassungsschutz vermerkt waren und somit auch Angaben über die Tätigkeit und des Wohnortes meiner Eltern festgehalten waren, da mein Vater, der als Ingenieur bei der Wismut auch Genosse war, was sie interessierte, mir es aber nicht gelang, dies zu verschweigen, notierte mein Freund die Adresse meiner Eltern und gab ein telefonisches Telegramm auf. „Bin nach Westdeutschland entlassen und derzeit in Westberlin“, was er mir dann berichtete.

    Somit schrieb ich eine erste Karte, welcher ein Brief folgte, sodass ich von da an wieder postalischen Kontakt hatte, welchen ich nach der Wende, um 1990/91 gänzlich abbrach, da ich merkte, dass keinerlei Basis möglich war, ebenso, wie alles abgeblockt wurde und ich sehr bald wieder Vorhaltungen und Maßregelungen zu spüren bekam, welche mir so weh taten, dass ich meinen damaligen Besuch abgebrochen habe und zurück nach Hause ging.

    Ich glaube, mich in Deine Lage gut hineinversetzen zu können.
    Möglicherweise ist Dein verstorbener Stief Opa Dein Vater, dessen sogenannte Schande verheimlicht werden sollte, für welche man Dich letztlich verantwortlich machte und Du als unerwünschtes Kind leiden musstest, was schrecklich genug ist.

    Dein Stief Opa ist, wie Du berichtest, inzwischen verstorben, doch meine ich, dass es Dir dennoch möglich ist, eine Vaterschaftsanfechtungs,- oder Feststellungsklage bei Gericht zu stellen.

    Diese habe auch ich im März 2013 getan, zu dessen Zeitpunkt mein gesetzlicher Vater noch lebte, welcher im Oktober 2013 verstorben ist.
    Da ich gefragt wurde, ob ich trotz des Ablebens meines verm. Vaters die Klage aufrecht erhalten möchte, oder nicht, ich letztlich an dieser festhielt, wurde die Anschrift meiner Zwillingsschwester (zweieiig) und die meines Bruders, wegen eines möglichen Geschwistertests erbeten.

    Dies würde letztlich wohl auch für Dich in Frage kommen, sodass ich Dir rate, erst einmal eine Rechtsberatung oder gleich einen Anwalt aufzusuchen, welchem Du Deine Sache vorträgst.

    Schließlich kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ich, was diese Sache betrifft, viel versucht habe, zu verdrängen,- oft hilflos dastand und nicht wusste, was ich machen sollte,- welche mich aber zunehmend einholte.
    Als ich dann durch eine Freundin erfuhr, dass ich zu Gericht gehen kann, folgte ich letztlich ihrem Rat, obwohl mir zuvor das Jugendamt sagte, dass ich, solange meine Mutter nichts sagen würde, leider nichts machen könne und mir höchstens noch bleibe, ein Schriftstück zu finden, aus dem mein wahrer Erzeuger hervorgehe, wie zum Beispiel die Abstammungsurkunde.

    Da ich jedoch, wie Du, innerhalb einer Ehe geboren wurde, wurde such der Ehemann meiner Mutter als Vater eingetragen.

    Ich wünsche Dir alles, alles Gute und viel Kraft, bei der Suche nach Deiner wahren Identität.

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s