Inzwischen bin ich stationär eingewiesen – von Sammy Anders


In einem geöffneten Brief schlummerte ein Geheimnis.

Leserbrief – Erfahrungsbericht

Nervenzusammenbruch Erlebnisbericht – Kuckuckskind – Vasektomie – Sterilisation

Hallo Max,

natürlich war es ein Schock zu erfahren,  dass meine Ehefrau (12 Jahre verheiratet, bereits 4 Kinder) schwanger ist. Da ich vor 15 Monaten eine erfolgreich bestätigte Vasektomie (Sterilisation= Zeugungsunfähig) durchführen lassen habe, war sofort klar, dass ich nicht der Erzeuger sein kann.
Meine Frau war auch sofort geständig und beichtete einen einmaligen Ausrutscher. Nachdem ich mich gefangen hatte, ging es zunächst um den Schutz unserer leiblichen Kinder.
Sie wollte die Schwangerschaft verheimlichen und das Kind zur

Adoption freigeben. Ich bin mir sehr sicher, dass sie daran auf Dauer zu Grunde ginge, das leibliche Kind weggeben, ohne zu wissen, wohin.
Meinen Vorschlag das Kind in die Familie aufzunehmen, hat sie akzeptiert, allerdings erwartet sie, dass es dabei bleibt, dass der Erzeuger nichts davon erfährt und ich nicht erfahre wer es ist, außer im Falle ihres Todes. (sie will die Information bei einem Notar hinterlegen)

Ich habe ihr verziehen und bereite mich auf die Rolle als Vater eines nicht selbst gezeugten Kindes vor. Die Geburt steht in knapp 2 Monaten an.
Vier Wochen nach der Mitteilung (bei 140 auf der Autobahn durch die Freisprecheinrichtung) erlitt ich einen Hörsturz, akuten Tinnitus. Dachach 4 Tage Auszeit, haben mich zwar in der Entscheidung gefestigt, aber Gesamthaft sind mir Körper und Geist quasi entglitten. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, bekam Schlafstörungen, Grübeln und Erschöpfung stellten sich ein.

Inzwischen bin ich stationär Eingewiesen. Diagnose: BurnOut, Erschöpfungszustand de-kompensierter chronischer Tinnitus.
Hier bin ich gut versorgt und kann nun zu mir finden. Das gute ist, dass ich meine Grundsatzentscheidung weiterhin für richtig empfinde und ich von Mitpatientin darin bestärkt werde.

Dennoch bleiben Fragen für die Zukunft:
– Wie ist der Moment, wenn ich dieses Kind zum ersten mal in den Armen habe?
– Schaffe ich es, zwischen diesem und meinen leiblichen Kindern keine Unterschiede zu machen?

Kein Mensch kann mir sagen, was noch alles auf mich zukommt. Ich bin mir aber sicher, den richtigen Entschluss gefasst zu haben. Zum Wohle des gezeugten Kindes (es kann am wenigsten für die Situation) unserer Kinder, unserer Ehe und der Paarbeziehung. Beide haben Gefühle füreinander, in dieser Situation eher mehr als bisher.
Dann die Fragen: „Wie gehen wir auf Dauer mit dem Wissen um? Wann ist der richtige Zeitpunkt dem Kind die Wahrheit zu erzählen, damit auch den anderen Kindern?“

Das Kind hat das Recht darauf, seinen leiblichen Vater zu erfahren und auch kennen zu lernen. Aber wann?

Wie geht sie dauerhaft mit dem Erzeuger um? Ich bin an dem Punkt, wo ich abgeschlossen habe mit ihm. Ich hatte Visionen von ihm im Kopf, die mich geplagt hatten. Heute lasse ich die Verantwortung da, wo sie hingehört, nämlich bei meiner Frau.

Für mich stellt sich die Frage: „Was tun, wenn die Ehe scheitert oder die Paarbeziehung nicht mehr existiert?“

VG Sammy Anders

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Erlebnisbericht / Leserbrief - Titelbild

Das kommende Kind ist nicht von mir – Leserbriefe von Sammy Anders

Fortsetzung: Wie kann ich ihr wieder Vertrauen

Alle Teile im Überblick.

Anmerkung: Durch einen Fehler wurde Sammys Geschichte der Geschichte von Tim Berger zugeordnet. Sammy hatte damals zur Geschichte von Tim Berger kommentiert und nun seine Geschichte im Kblog zur Veröffentlichung eingereicht.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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3 Antworten zu Inzwischen bin ich stationär eingewiesen – von Sammy Anders

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  3. Das ist endlich mal eine „kluge“ Entscheidung. Allerdings ziehe ich auch den Hut. Ob ich an einer Beziehung festhalten würde – und wir haben die Verantwortung für neun Kinder – wenn solch ein Vertrauensbruch stattfand, wage ich zu bezweifeln.
    Ich wünsche viel Kraft für die bevorstehende Zeit.
    Da die Schwangerschaft gemeinsam durchlaufen wird und schätzungsweise auch die Geburt gemeinsam stattfindet wird m.E. eine Bindung entstanden sein, die Ihnen das Leben mit dem „Fremdkind“ erleichtert.
    Ich kann berichten, dass selbst bei einem „Späteinstieg“ ein Zusammenwachsen mit „Nicht-Leibeigenen“ möglich, harmonisch und liebevoll sein kann; meine vorherigen Beziehungen sind aus diversen Gründen gescheitert und ich brachte vier Kinder mit in die neue. Mithin sind wir seit über 11 Jahren verheiratet, meine beiden Ältesten sind bereits ausgezogen und wenn sie etwas an väterlicher Zuwendung oder Rat benötigen, dann gehen sie nicht zu ihrem Vater sondern rufen ihren Papa an 😉

    Das wird sicherlich. Viel Spass mit dem neuen Erdenbürger!

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