Warum ich keinen Vaterschaftstest machen lasse – von Armin Kress*


Erlebnisbericht

Warum ich keinen Vaterschaftstest machen lasse – von Armin Kress*

heimlicher Vaterschaftstest – Sorgerecht – Aufenthaltsbestimmungsrecht – Geheimnis – Zunächst einmal wird dies kein Plädoyer dafür, keinen Vaterschaftstest machen zu lassen. Es gibt sehr viele Gründe dafür. Diese Gründe wurden oft besprochen und ausführlich geschildert.

Meine – nein „unsere“ – Geschichte liegt allerdings anders. Ich bin alleinerziehend und jetzt bereits seit über 6 Jahren mit meinem Sohn alleine. Seine Mutter ist eben vor dieser Zeit verstorben. Seitdem lebt mein Sohn bei mir. Mein Sohn wurde damals ihr bezüglich des Aufenthaltsbestimmungsrechts zugesprochen. Die Geschichten, wie es einem Mann ergeht, der um das Aufenthaltsbestimmungsrecht seines Sohnes kämpft, sind offene Geheimnisse. Nahzu jeder weiß um die Ungerechtigkeiten gegenüber dem Vater, aber niemand spricht offiziell darüber.
Wie dem auch sei: Ich war zunächst in einer Situation, in der sich viele Väter nach einer Trennung befinden: Ich wurde mit dem Besuchsrecht erpresst, es ging um Unterhaltszahlungen, das Jugendamt und sämtliche Behörden sind mir in den Rücken gefallen usw. Eine Geschichte wie sie tausendfach in Deutschland passiert. Dabei spielt es auch keinerlei Rolle, ob die Mutter des Kindes unter einer schweren psychischen Erkrankung (Borderline) litt. Eine Frau bleibt eine Frau und ein Mann bleibt ein Mann. Die Wertigkeit der beiden bestimmt die Gesellschaft.

In dieser Situation hatte ich mir schon sämtliche Dinge besorgt, die für einen nötigen „heimlichen Vaterschaftstest“ nötig gewesen wären. Ich wollte zumindest einen deutlichen Verdachtsmoment haben, bevor ich mich in die „Schlacht der Vaterschaftsfeststellung“ gestürzt hätte. Offiziell hätte ich keinen Test machen können, da die Mutter nicht einverstanden gewesen wäre; es gibt aber andere Wege, sich zumindest vorab zu bekräftigen oder zu entkräftigen – je nach Ergebnis. Diese Möglichkeiten gab es zumindest damals.

Ich hatte also alle Dinge beisammen. Allerdings habe ich mich nie durchringen können, dies auch durchzuführen. Dies habe ich auch irgendwie nicht geschafft, nachdem ich vor Gericht verloren habe. Die Mutter wusste es, mich durch Besuchskontakte, die hin und wieder stattfanden, irgendwie bei Laune zu halten. Diese Laune hielt bis zu jenem schicksalhaften Anruf in dem mir von dem Schlaganfall der Mutter berichtet wurde.
Die Mutter meines Sohnes lag also zunächst im künstlichen Koma. Alles war bei der Großmutter meines Sohnes passiert. Er hat sich also dort aufgehalten. Da ich durch meine bisherigen Erfahrungen wusste, dass es wichtig ist, sein Kind so schnell wie möglich zu sich zu holen, weil jeder Tag, den das Kind woanders verbringt, gegen einen spielt. Je länger das Kind bei anderen Menschen ist, umso mehr wird argumentiert, dass das Kind ja nun dort seinen Lebensmittelpunkt gefunden hätte. Die Zeit spielt unterschiedlich für die betroffenen Väter als für die Mütter. Väter sollten sich nicht länger als zwei Wochen von ihren Kindern trennen lassen.

Warum ich aber nun keinen Vaterschaftstest machen lasse:
Mein Sohn hat niemanden außer mir. Wir leben jetzt seit über 6 Jahren alleine zusammen und haben eine sehr enge Bindung. Die Gedanken, ob er von mir ist oder auch nicht, sind unwichtig geworden. Selbst wenn er nicht mein biologischer Sohn ist: Er ist auf jeden Fall mein Kind, dass ich sozialisiert habe. Ich bin der Vater, der ihm Kultur, Moral, Ethik und auch ein wenig Wissen vermittelt hat. Ich habe die Verantwortung gerne übernommen und werde auch immer zu dieser Verantwortung stehen.
Es soll keine Gewissheit über biologische Dinge meine Gefühle und mein Verantwortungsbewusstsein gegenüber meinem Sohn stören. Aus diesen Gründen zweifele ich auch nicht an meiner Vaterschaft. Mein Sohn war immer mein Sohn. Durch die letzten 6 Jahre steht dies völlig außer Frage.
Fragen hätte ich vielleicht stellen können. Die Borderline-Erkrankung der Mutter meines Sohnes hatte einige klassische Folgen: Am Ende der Partnerschaft war sie sehr promiskuitiv (sexuell freizügig). Sie hatte am Ende vier oder fünf Kerle neben mir, was mir zumindest einen sogenannten Aidstest eingebracht hat.
Was mich allerdings beruhigt hat, war die Tatsache, dass sie am Anfang der Beziehung als mein Sohn gezeugt wurde, keine Zeit für andere Abenteuer hatte. Daher kann ich zu nahezu 100 % ausschließen, dass etwas anderes neben mir lief. Es ist allerdings bekannt, dass eine Frau, die fremd gehen will, auch fremd gehen kann. Zu 100 % wird man sich nie sicher sein.

Das alles aber spielt keine Rolle mehr. Durch meine soziale Verantwortung verspüre ich auch eine sehr starke biologische Bindung, bei der es keinen Sinn macht, diese zu hinterfragen. Was wäre ich für ein sozialer Mensch, wenn ich meine Beziehung zu meinem Sohn hinterfragen würde?
Schlussendlich kann ich sagen, dass mein Sohn und ich noch Glück gehabt haben; auch wenn die Mutter verstorben ist, hat er einen Vater, der extrem wichtig für einen Jungen ist. Die Mutter wäre durch ihre Erkrankung auch gar nicht in der Lage gewesen, ihrer Rolle als Mutter nachzukommen. So hat mein Sohn jetzt ein geregeltes Leben und muss sich nur mit mir herumschlagen.

Ich verstehe aber jeden Vater, der in gewissen Situationen einen Vaterschaftstest machen lassen möchte. Ich bin auch dafür, dass der Vaterschaftstest bei Geburt eingeführt wird; auch wenn dies zu einigen Trennungen führen wird. Nicht nur wir Männer haben Verantwortung.

Diesen Artikel hat uns der Betreiber der Blogs  www.pelzblog.de“ und www.nicht-feminist.de zur Verfügung gestellt.

* Armin Kress ist ein Pseudonym

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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4 Antworten zu Warum ich keinen Vaterschaftstest machen lasse – von Armin Kress*

  1. Norbert Potthoff schreibt:

    Ja, auch bei mir bleibt ein dumpfes Gefühl zurück, Armin.
    Deine Entscheidung ist aus der Sicht eines rational denkenden Erwachsenen völlig nachvollziebar
    .
    Dein Kind kann hingegen keine Einwände erheben, kann keine Bedenken äußern. Es ist noch zu klein, ein – mögliches – Grummeln in seinem Unterbewusstsein zu formulieren.
    Das ist erst möglich, wenn dein Kind so alt und erfahren ist, wie du es jetzt bist. Dann erst kann es zu einem Disput kommen, der deine jetzige Haltung hinterfragt, möglicherweise ins Wanken bringt.

    Ich habe inzwischen mit etlichen Kuckuckskindern gesprochen, auch und besonders über ihre unterschwelligen Wahrnehmungen in ihrer Kindheit.
    Kinder sind nicht blöd, die bekommen viel, sehr viel mehr mit, als es die „Eltern“ für möglich halten.
    Aber die Kinder haben zu diesem Zeitpunkt noch keinen eigenen Anwalt, der ihnen hilft.
    Das geschieht dann erst Jahrzehnte später, wenn sie zum Anwalt gehen, um ihre wahre Abstammung per Gericht klären zu lassen.
    Aber da ist das Kind längst in den Brunnen gefallen, mit unabsehbaren Folgen für seine physische und psychische Verfassung.

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Das gilt ja auch für die Kinder, bei denen sich später die Vaterschaft bestätigen sollte, dass sie den Zweifel unterbewußt zu spüren bekommen. Jetzt diese Zweifel auszuräumen und Klarheit zu verschaffen ist auch deswegen ratsam. Doch auch mir würde das in der Situation von Armin alles andere als leicht fallen.

  2. Armin schreibt:

    Hallo,
    eigentlich wollte ich gar nicht so sehr in eine Diskussion einsteigen. Ich bin gebeten worden, meine Ansicht zu teilen. 😉

    Du vergleichst DEINE – eine andere Situation – mit der von mir und meinem Sohn. Ich habe gar nicht so große Zweifel an meiner Vaterschaft. Die Zweifel waren eher daraus geboren wurden, weil ich meinen Sohn kaum zu Gesicht bekommen, aber zahlen sollte.

    Restzweifel gibt es immer. Daher ist der Vaterschaftstest mit der Geburt ja auch ein gutes Mittel dagegen.

    Ich glaube, Du hast einiges mit Dir herumzuschleppen. Sonst würdest Du mit „auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als würdest Du Verantwortung für dieses Kind übernehmen“ mich in meiner Vaterschaft zu meinem Sohn nicht anzweifeln. Diese Zweifel könnten aber nur die beiden aus dem Weg räumen. 😉

    Wie gesagt: Es ist eine völlig andere Situation.

    Aufgrund der letzten 6 Jahre, die wir miteinander alleine verbracht haben, wir hatten keinerlei Unterstützung durch andere Menschen, haben wir ein SEHR enges Verhältnis zueinander. Sollte mein Sohn einmal bezüglich unseres Verhältnis ein Unwohlsein überkommen, dann er gerne einen Vaterschaftstest mit mir machen.

    Ich glaube aber, dass dies eher schädlich für unsere Beziehung ist. Wir sind ein eingeschweißtes Team und es gibt im Grunde keine Zweifel.

  3. Sabine schreibt:

    Lieber Armin,

    Du hast gute Gründe angeführt. Deine guten Gründe. Und auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als würdest Du Verantwortung für dieses Kind übernehmen, habe ich beim Lesen Deiner Zeilen ein dumpfes Gefühl im Bauch. Ich bin Kuckuckskind. Und es ist nicht allein die Lüge meiner Mutter, die mich wütend und traurig macht. Mir fehlt etwas. Dieses Etwas fehlt mir nicht erst, seitdem ich weiß, dass ich einen anderen Vater habe. Dieses Etwas fehlt mir schon mein ganzes Leben lang. Ich weiß noch, wie erleichtert ich war, als ich von der Kuckuckssache erfuhr und meine komischen Gedanken und Gefühle endlich einen Sinn ergaben. Ich denke, dass es von sehr viel Liebe und Verantwortung zeugt, einem Menschen seine Identität zu lassen. Ich sage bewusst „zu lassen“, weil sie ja ihm gehört. Sofern ein Zweifel daran besteht, sollte man diesen ausräumen. Und auch wenn Dein Kind nicht „Dein Kind“ ist, sondern einen anderen Vater hat und fast sicher ist, dass es nie erfahren wird, wer dieser Vater ist, ist es in meinen Augen besser, so viel Gewissheit zu haben, wie man bekommen kann.
    Stell Dir vor, Dein Sohn befindet sich eines Tages in der Situation, dass er wegen einer Krankheit einen Spender braucht. Wenn er dann erfährt, dass er Du nicht sein Vater bist, wird das zu dieser Krankheit ein weiterer harter Schlag für ihn sein.

    Übrigens ist mein Neffe bei seinem Stiefvater aufgewachsen. Mein Neffe wusste, dass er einen anderen Vater hat, der ihn damals jedoch nicht kennen lernen wollte. Als meine Schwester starb, adoptierte ihn sein Stiefvater. Die beiden sind ein tolles Team. Zwei Menschen, die sich lieben, die füreinander einstehen, die ehrlich zueinander sind… Inzwischen hat mein Neffe auch seinen leiblichen Vater kennen gelernt. Der Beziehung zu seinem Adoptivvater steht das nicht im Wege.

    Liebe Grüße
    Sabine

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