Ich wollte nur, dass Du mich hörst – von Katharina Heister* – Was ich Dir schon immer sagen wollte


Ich wollte nur, dass Du mich hörst. Von Katharina Heister - Aus der Artikelserie "Was ich Dir schon immer sagen wollte! - Briefe aus der Kuckuckswelt" - Füller&Brief-Foto: Norbert Potthoff

Ich wollte nur, dass Du mich hörst. Von Katharina Heister – Aus der Artikelserie „Was ich Dir schon immer sagen wollte! – Briefe aus der Kuckuckswelt“
– Füller&Brief-Foto: Norbert Potthoff

Kuckuckskind – Brief an meine Mutter – Kuckucksmutter – Vaterschaftstest – Krise – Katharina Heister

Hallo Mama,
heute möchte ich Dir einen Brief schreiben und dir damit sagen, wie ich lebe und fühle, seit ich weiß, dass ich dein Kuckuckskind bin. Da du immer alles ablehnst und ziemlich agressiv darauf reagierst, dachte ich, vielleicht

finde ich auf diesem Weg, mir mal Luft zu machen und dir zeigen zu können, was ich fühle, weil Du mich nicht verstehst, vor allem nicht akzeptierst, was und wer ich bin.

Ich finde es schon sehr komisch, dass du und mein leiblicher Vater am meisten mich ablehnt in meiner neuen Existenz. Vor allem macht mich das sehr traurig, ich fühle Wut, Trauer, Schmerz ganz tief in meiner Seele, wofür ich überhaupt nichts kann. Das schlimmste an allem ist, ich muss damit Leben, dass mein eigener Erzeuger mir nicht vor die Augen treten will.

Ich würde gerne wissen, warum ihr noch nach all dem gemeinsam im Urlaub wart – Du, mein sozialer Vater Berni und vor allem mein Erzeuger Holli angeblich Bernis bester Freund, der nach dem Urlaub nie wieder ohne einen Grund was von sich hören ließ.

Das müsstest doch du am besten wissen!

Warum gibst du mir nicht das Recht die Wahrheit zu erfahren. Ich weiß, du hattest selbst keine schöne Kindheit, du hast deinen Vater durch einen schweren Unfall verloren als du 7 Jahre alt warst. Dennoch ist es kein Grund mir die Wahrheit zu verschweigen.
Weißt du, wie sich das anfühlt, mit 27 Jahren zu erfahren, dass das ganze Leben eine Lüge war. Völlig egal, ob du das aus reinem Schutz des Kindes getan hast um mir was besseres zu ermöglichen wie Holli oder lag es daran, dass du einen Dummen gefunden hast, bei dem Du sicher warst?
Ich hatte das Gefühl, ich müsste sterben, als ich das Ergebnis las von Berni und mir und mir sind sämtliche Kindheitserinnerungen hoch gekommen und schaute mir auf die Hände und ich wusste nicht, wer ich war, wer ich bin und wer ich sein werde.
Du hast keine Ahnung, wie sich das anfühlt, vor allem hat mich das Telefonat, was wir dann führten, sehr verletzt. Weißt du noch, wie du mir sagtest: „Du wolltest doch den Test, bist doch selbst Schuld. Dann komm‘ damit klar!“.
Es war für mich eine Krise, die ich selbst in dem Moment nicht steuern konnte. Ich wurde gesteuert von meinen Gefühlen von Wut und Trauer. Ich verlor meinen Arbeitsplatz, für den ich hart gearbeitet hab‘. Ich war am Anfang meiner Karriere in einer Führungsposition. Die Motivation die mich trieb, Karriere zu machen, war, euch als Eltern stolz zu machen. Leider war ich nicht in der Lage diesen Job zu halten, weil ich den Glauben an mich und an die Menschen die ich am meisten liebte verlor. Ich bin völlig desorientiert durch die Welt gelaufen. Leider war ich in der Zeit sehr schwach und betäubte meine Gefühle mit Drogen, die mir für eine Nacht das Gefühl von Glück verliehen und ich mich gut fühlte. Ich hatte keinen Sinn mehr in meinem Leben gespürt. Ich fragte mich oft: „Für was eigentlich?“, bis ich selbst begreifen musste, das Drogen keinen Sinn in meinem Leben haben und ich ein ganz wundervoller Mensch bin und ich dadurch nur noch mehr Schaden erleiden würde.
Es war ein Kampf um meine wahre Identität zu erfahren. Ich hab‘ mit Holli telefoniert. Er meinte am Anfang, dass er es nicht sein konnte und ich bin zum Rechtsanwalt, um ihn zum Vaterschaftstest zu zwingen. In der Zeit kamen mir Fragen auf, über die ich mir Gedanken gemacht habe: „Komisch ist aber, dass er Monate lang bei uns lebte, weil er selbst keine Wohnung hatte, nicht mal seine Eltern wollten ihn, weil er so ein Versager war. Da willst du mir erzählenl, das nur einmal was war und Holli erzählt mir und Berni das zweimal was war. Wer lügt jetzt?“
Ich kann es nicht genau sagen, weil die Wahrheit werde ich von Euch nie erfahren. Aber eins kann ich dir sagen: Das dieses eine Gefühl, was ich seit der Pupertät mit mir trage, mir sagt, dass mehr gelaufen ist, wie nur einmal. Weil dieses selbe Gefühl, mir bestätigte, dass mein Vater nicht mein Vater ist. Allerdings hat in der Zeit sich das Geschehen in Hollis Familie ‚rumgesprochen. Durch eine gute Freundin, die die Familie auch kannte. Ich ließ meinen Vaterschaftest sausen, weil der nette Holli keine müde Mark verdient hat, weil es hieß, ich sei erbberechtigt und natürlich später es zu Kosten meinerseits für Holli kommen könnte. Ich hatte das Glück, dass mein Onkel Günni mit mir einen Verwandtschaftstest machen wollte, weil er das Verhalten seines Bruders nicht aktzeptieren konnte und sich für mich stark machte, auch bei seinen anderen Geschwistern. Dafür werde ich ihm für die Ewigkeit dankbar sein.
Der Test kam, er war positiv, Holli ist mein Erzeuger, auch wenn ich keine genauen Ergebnisse hab‘, wie bei einem Vaterschaftstest, wurde dennoch eine Verwandtschaft ermittelt. Ich war in der Zeit sehr aufgeregt, ich freute mich sehr. Mama, aber ich konnte dir nie genau das erzählen, was ich erlebte und fühlte, weil du immer so agressiv reagiert hast. Ich hab sogar meine leibliche Oma kennen lernen dürfen. Das war schon sehr komisch, ohne das man davon was wusste, mit 28 Jahren vor ihr zu stehen, ein seltenes Gefühl von Glück, eine Art von Liebe, aber dennoch so fern, weil man sich nicht kannte. Ich konnte mit ihr über alles reden. Wir wollen uns näher kennen lernen, Das tolle daran ist, dass sie weiß wie ich fühle, denn sie ist selbst ein Kuckuckskind mit 80 Jahren. Wenn ich genau darüber nachdenke und vieles verarbeitet habe, bin ich dir dankbar für mein Leben. Du hättest mich auch abtreiben können in deinen Zweifeln.
Ich bin der Mensch der ich heute bin: Ein Kuckuckskind, das mit seiner Geschichte ein positives Ende hat. Ich bin zu meinem Ziel gekommen. Jeder, der daran beteiligt war, weiß heute, dass es mich in der Konstellation gibt. Das ist das einzigste was ich wollte, dass man meine Stimme hört.

Ich liebe Dich Mama

*Katharina Heister ist ein Pseudonym

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Serienmotiv

Was ich Dir schon immer sagen wollte! Briefe aus der Kuckuckswelt – die neue Serie im Kblog – Füller&Brief-Foto: Norbert Potthoff

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Ich wollte nur, dass Du mich hörst – von Katharina Heister* – Was ich Dir schon immer sagen wollte

  1. Katharina Heister schreibt:

    Hallo Norbert!! Danke für deine Antwort

    Sei stark für Sie, nimm sie an die Hand.. Es wird nicht einfach für Sie/Euch werden.
    Ich möchte anderen helfen, wie andere mir geholfen haben. Sie haben ihre Geschichte auch veröffentlicht und ich konnte meine damit vergleichen, so lernte ich meine Geschichte und mich zu verstehen.

    Danke an alle die daran beteiligt sind, die den Mut haben es zu veröffentlichen.
    Auch an die Menschen die es möglich machen, dass wir uns äußern können

    Denke ganz fest an euch

  2. Norbert Potthoff schreibt:

    Danke für deinen Brief. Mit deiner Offenheit hilfst du auch anderen. So weiss ich jetzt, dass ich meine Frau auf diesen schrecklichen Tag, wenn das Testergebnis vorliegt, sehr gut vorbereiten muss.
    Sie muss innerlich auf diese Katasstrophe vorbereitet sein, denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man etwas seit Jahrzehnten ahnt, ober ob man es nun schwarz auf weiss vorliegen hat, dass man 52 Jahre nur belogen und betrogen worden ist.

    Bedauerlich, dass dich das Testergebnis so aus der Bahn geworfen hat, aber ich kann es dir nachempfinden. Ich hoffe und wünsche dir, dass du wieder zu dir selber findest und nach vorne schauen kannst.
    Alles Gute für dich.

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