Eine Vielzahl an Männerbesuchen – von Norbert Claßen


Erlebnisbericht

Eine Vielzahl an Männerbesuchen – von Norbert Claßen

Einige Nachbarn erzählten mir davon, dass meine Frau eine Vielzahl an Männerbesuchen erhielte, wenn ich arbeiten war. Gerade immer dann, wenn ich Nachtdienst hatte. Ich habe es ausgeblendet und unter der Aussage meiner Lebensgefährtin verbucht „alte Freunde“. Als die kleine Maus geboren war und ich als Papa stolz mit ihr durch die Gegend zog, kamen Aussagen wie „Da ist ja gar keine Ähnlichkeit mit dem Papa“ oder „Ganz die Mama“.

Dann erzählte mir eine Freundin, dass sich einer ihrer Bekannten damit brüstete, dass er was mit

meiner (inzwischen) Ex hatte. In mir fühlte es sich an, als würde es einmal völlig heiß und einmal völlig kalt werden. Ich habe mich dann für einen heimlichen Test entschieden, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Ein Schleimhautabstrich von der kleinen Maus und einen von mir. Eine Freundin hat ihren Namen und den Namen ihres Kindes hergegeben und ihre Unterschrift vertrauensvoll geleistet, damit ich Gewissheit bekommen und nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten konnte.

Nach zwei Wochen konnte ich das Ergebnis online abrufen. Meine Welt wurde leer, ich fühlye nichts mehr. Nach der durchgemachten Nacht, weil der Kopf mich nicht schlafen lassen wollte, bekam ich Zweifel an dem Test, denn die Mutter hat es so beteuert und „unserer“ Tochter immer wieder gesagt, wie lieb Papa ist und sie so stolz auf ihn sein kann. Nachdem ich mit meiner Mutter und meinem besten Freund über die Aktion gesprochen hatte, haben mich beide dazu überredet den offiziellen Weg zu gehen. Mein Anwalt erlangte nach einem wochenlangen Kampf und immer wieder neuen Ausreden der Kindesmutter endlich die Zustimmung zum offiziellen Vaterschaftstest. Drei Wochen nach Probenentnahme kam das Ergebnis. „Vaterschaft ausgeschlossen“.

Was sollte ich nun machen? Wie sollte ich nun reagieren? Die Lösung kam am selben Tag, noch nicht einmal von mir. Ich bekam von meiner Ex eine böse SMS, mit Beschimpfungen, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Doch die Aussage „Du bist ein schlechter Vater“ oder „Du hattest selber schuld, dass du die Vaterschaftsanerkennung unterschrieben hast“ waren für mich unverständlich und machen mich traurig und zornig. Sie wusste oder ahnte es anscheinend und stellte mich als Idioten hin. Sie sagte mir, die Kleine würde ihren Vater schon lange kennen und lachte mich dabei aus. Erniedrigend. Seelenzerbrechend. Wie kann man nur sein eigenes Kind und einen anderen Menschen so betrügen und belügen und anschließend so kalt damit umgehen? Eine Lüge, die das Leben bis ans Ende belastet. Der Kuckuck lässt sich zumindest nie wieder sehen, wenn er sein Ei in ein fremdes Nest gelegt hat. Schäme dich!

Advertisements

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Geschichten, Kuckuckskind abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Eine Vielzahl an Männerbesuchen – von Norbert Claßen

  1. ThFuegner schreibt:

    So ganz verstehe ich das nicht: „Ich habe es AUSGEBLENDET…“ …?
    Nein, ich verstehe das gar nicht!
    Da kommen Hinweise aus der Nachbarschaft, (kurios genug!) und Mann „blendet aus“?
    Warum will oder wollte da jemand blind sein?
    Hier liegt doch der Same dieses wuchernden Unglücksgewächses beim „Opfer“!
    Als Mann lasse ich mir das nicht bieten. Der Hohn, die Scham, das ganze Elend alles hat doch eine Wurzel in der eigenen Verdrängung.

  2. Petra Scholz schreibt:

    Einfach verletzend und rücksichtslos, selbst gegen das eigene Kind. Jene Art beweist immer wieder, dass ein automatischer Vaterschaftstest nach der Geburt jene Machenschaften, samt Folgeleid der Väter und Kinder unterbinden würde und selbst aus medizinischen Gründen ganz leicht eingeführt werden könnte.
    Ich hoffe, dass sich diese Entscheidung einmal durchsetzt, die ebenso den Kindeswohl dient, denn es ist unverständlich dass ein Gesetz duldet, dass jene Mütter eine solche Lüge weiter aufrecht erhalten können und dabei noch staatlich geschützt sind. Hauptsache ein „Zahl Esel“ ist vorhanden und schon spielt auch die Personenstandsfälschung plötzlich keine Rolle mehr.
    Der Staat belügt sich dabei selbst, unfassbar, geltende Papiere mit doch falschen Identitäten, zum Leid vieler Kinder und vermeintlicher Väter.

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s