Briefe an den leiblichen Vater – Teil 3 – von Kuckucksmutter Christine B.


Artikelserie "Briefe an den leiblichen Vater" von Kuckucksmutter Christine B.

Briefwechsel zwischen Kuckucksmutter und leiblichen Vater ihres Kuckuckskindes

Dies ist vorerst der letzte Teil. Seitdem sind inzwischen 9 Monate vergangen, ohne dass der leibliche Vater sich zu den Fragen äußerte.

Lieber Martin

danke Dir für Deine Antwort.

„Weil es zu wichtig ist, als dass ich die nächsten Jahre auf möglichen Missverständnissen sitze, lass mich sichergehen, dass ich Deine Mail vollumfänglich verstehe.“

Deine Punkte sind:

1. Du hältst es für egoistisch, Alice mit

der Wahrheit zu belasten, nur um mein Gewissen zu erleichtern
2. Wenn sie es erfährt, dann mit entsprechendem Fachpersonal an der Hand,
3. Du wärest in diesem Falle bereit, in Erscheinung zu treten, nicht aber, dem Outing Vorschuss zu leisten, indem Du einen Vaterschaftstest machst?

Ad 1 hätte ich eine Menge zu sagen, möchte aber an dieser Stelle nur zweierlei bemerken:
Ja, es ist richtig, dass das oberste Gebot sein muss, auf das eigene Kind zu hören und alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen wahrheitsgemäß zu beantworten. Und genau hier befinde ich mich leider viel zu oft in der Situation, ausweichen oder lügen zu müssen.

– Warum hat Alice so einen halbherzigen Vater, der lieber mit den anderen skypt? (Korrekte Antwort: weil er der leibliche Vater der anderen ist)

– Warum bekommt Franz ein Geburtstagspäckchen von den englischen Großeltern, sie aber nicht? (Korrekte Antwort: weil sie Bescheid wissen)

– Warum sagen die anderen „Daddy“ und sie sagt Richard? (Weil sie ein distanzierteres Verhältnis haben).

– Warum fliegt Franz im Sommer nach England und sie nicht? (Weil er lieber Franz um sich hat, denn ihr Anderssein erinnert ihn an unseren Trennungsgrund).

Die Welt ist nicht gerade hier, sie ist schief. Und das Kind ist nicht blöd. Und deshalb sagt die Kinderpsychologin, mit der ich darüber gesprochen habe, dass Kinder über einen Abwehrfilter verfügen, der so viel Wahrheitssubstanz durchlässt wie die Seele verkraften kann.

Wenn ich es ihr sage, wird sie es erst ein bisschen verstehen und mit den Jahren immer mehr und umfänglicher, und alles, was schief und komisch ist in ihrem Leben, wird Sinn ergeben. Es ist nicht wirklich so, dass ich das Ganze nicht mit jeder möglichen Konsequenz in vielen schlaflosen Nächten hin und hergewälzt hätte! Vergiss nicht, ich lebe seit siebeneinhalb Jahren mit dieser Problematik und setze mich täglich damit auseinander.

Liebe Grüße, Christine

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Vorangegangener Brief: Briefe an den leiblichen Vater – Teil 2

Erster Brief: Briefe an den leiblichen Vater – Teil 1

 

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Briefe an den leiblichen Vater – Teil 3 – von Kuckucksmutter Christine B.

  1. Pingback: Was ich Dir schon immer sagen wollte. – Briefe aus der Kuckuckswelt – Neue Serie im Kblog | kuckucksvater

  2. Anita Hartmann schreibt:

    Tja liebe Christine, wenn ich so diese Briefe lese habe ich den Eindruck der Martin that Angst. Er moechte dich desperately daran hindern dich zu outen, natuerlich nur im Interesse des Kindes versteht sich. Er moechte nicht offen zugeben dass ihm die Situation so wie sie ist ganz gut gefaellt, aber seine Andeutungen sprechen eine andere Sprache. Z.B. Das Kind hat ja bereits einen Vater es bracht keinen zweiten. Nein Martin es braucht nicht eine zweiten Vater, es braucht SEINEN Vater. Auch faellt mir auf dass er versucht dir ein schlechtes Gewissen einzureden, dass du das mehr fuer dich machst als fuer dein Kind. Er scheint der Auffassung zu sein solange das Kind nichts weiss und nicht fragt ist ja alles in Ordnung, wehalb also etwas aendern? Entweder reiner Egoismus, dann ist die Chance dass er deiner Tochter jemals ein richtiger Vater sein wird nicht gut. Ignoranz? Vielleicht wenn er mal einige Lebensgeschichten von erwachsenen Kuckuckskindern lesen wuerde und erkennen koennte was das fuer schwerwiegende Auswirkung hat… vielleicht, vielleicht koennte er dann anfangen zu verstehen.
    Ich persoenlich denke dass deine Tochter hat ein Anrecht zu erfahren wer ihr Vater ist, ihr die Wahrheit vorzuenthalten macht die Situation je laenger je schlimmer.

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