Briefe an den leiblichen Vater – Teil 2 – von Kuckucksmutter Christine B.


Artikelserie "Briefe an den leiblichen Vater" von Kuckucksmutter Christine B.

Briefwechsel zwischen Kuckucksmutter und leiblichen Vater ihres Kuckuckskindes

Hier nun die Antwort des vermutlich leiblichen Vaters auf die Email von Christine B.

Liebe Christine!

Deine lange und emotionale Email hat mich berührt. Du schreibst darin von deiner Not deinem Schuldgefühl deiner Angst vor den Auswirkungen deines Schweigens – Und wie schwer dies immer wieder zu stemmen ist. Dennoch: sobald ich versuche,

das Wohl deiner Tochter in den Mittelpunkt meiner Wahrnehmung zu hieven, frage ich mich dann, ob es fair ist deine Tochter in Not zu bringen um deine Not zu lindern? Welche Phantasien hast du, wie sie im hier und jetzt in aller Unschuld mit einer neuerlichen heftigen Irritation in ihrem Kinderleben umgehen wird? Wie balancierst du dein Gefühl von Schuld einerseits gut aus mit der Verantwortung für deine kleine Tochter andererseits? Hast du genügend Valenzen für einen Worst Case?

Hartgesottene Kinderpsychologen empfehlen recht einmütig in allen existenziellen Fragen in einem Kinderleben (wie z.B. „Werde ich wieder gesund? Werde ich sterben? Woher komme ich?“…): „Hör auf dein Kind! Gib keine Antworten auf Fragen, die dein Kind nicht stellt. Vielleicht deshalb, weil sich ihm die Frage (noch) nicht stellt. Vielleicht sogar, weil es die Antworten nicht hören, nicht ertragen kann! Sei ehrlich und beantwortete die Fragen deines Kindes, aber don’t Talk her into it!“
Deinen Druck und deine Not nehme ich ernst und helfe dir – aber sicherlich nicht auf Kosten des eh schon bewegten Lebens deiner Tochter. Verantwortung hingegen mag vielleicht auch bedeuten im Vorfeld kompetente Ratgeber zu finden, die im Handling der möglichen Auswirkungen erfahren sind und konkrete Verantwortung übernehmen können …

All dies schreibe ich als Vater, welcher sicher schon so manchen Bock im umgehen mit seinen Kindern geschossen hat und – dennoch – aus diesen seinen Fehlern lernen möchte. Nebenbei bemerkt: deine Tochter hat bereits einen Vater! Bedarf es hier und jetzt und jetzt gleich eines zweiten für sie? Bist du dir der Auswirkungen bewusst, welche dieses Coming-Out für deine anderen Kinder haben wird?

Liebe Christine, ich bin mir sicher, dass du alle deine Kinder liebst und unbändig stolz auf sie bist! Bewahre dir bitte deinen Stolz und Mach nicht deine Not zur Not deiner Tochter – sondern lass‘ dir helfen einen guten Weg für euch beide und für euch alle zu finden! Deine aktuelle Option ist in all ihren Auswirkungen ein Himmelfahrtskommando an dem ich nicht teilnehmen kann und will. Sollten wir beide Verantwortung für deine Tochter tragen dann bitte so, dass IHR wohl und auch ein bisschen IHR Seelenheil der Schrittmacher dafür ist!

Sei umarmt!

Martin

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Briefe an den leiblichen Vater – Teil 3 – von Kuckucksmutter Christine B.

 

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Briefe an den leiblichen Vater – Teil 2 – von Kuckucksmutter Christine B.

  1. Pingback: Was ich Dir schon immer sagen wollte. – Briefe aus der Kuckuckswelt – Neue Serie im Kblog | kuckucksvater

  2. Katrin schreibt:

    Liebe Christine,
    wenn du nicht möchtest, dass deine Tochter irgendwann einmal so dasitzt dann bleibe bei deiner Entscheidung. Der Vater entzieht sich m. E. seiner Verantwortung und schiebt sie dir zu, in dem er das Problem Kuckuckskind nur auf dich projiziert und sich hinter der Maske der Kinderpsychologie versteckt.
    >> Schmerzhaft spürte sie die Ohrfeige, die keine war. Seelischer Schmerz bohrte sich tief in ihren Brustraum und schnürte ihr die Luft ab. Ihr Herz schlug rasend schnell, so dass sie dachte es springt aus ihrer Brust. In ihren Händen hielt sie das Ergebnis und mit einem Mal war alles anders. Die Buchstaben auf dem Blatt verschwammen. Wut und Schmerz krochen empor, der Boden unter ihren Füßen drohte weg zu brechen. Mit einem Schlag hatte sie Gewissheit und ihre Vermutung, die sie immer hatte, wurde bestätigt.
    Ihren Kopf in den Händen gestützt verharrte sie in ihrer Position und ihre Tränen bildeten einen kleinen See auf dem Tisch. Beherrsche dich, zwang sie sich und stand auf. Mit zitternden Knien stellte sie sich vor einen Spiegel und betrachtete sich. Langsam fuhr sie mit den Händen in ihr Gesicht, sie trat näher an den Spiegel, so dass ihre Nase diesen berührte. Sie starrte in ihre dunkelbraunen Augen und strich sich durchs Haar. Festes dunkles langes Haar, ein Schopf den man ihr neidete. – Erinnerungen krochen empor.
    Als braunäugiges, mit dunklem Teint und dunklen Haaren, slawisch wirkendes Kind, stach sie aus ihrer Familie heraus. Immer wieder fragte sie sich warum es so sei. Ihre Fragen wurden nicht gehört und lange nicht beantwortet. Ihr Bruder hatte ebenfalls blonde Haare und blaue Augen. Und ihr Vater hatte dunkle Haare und blaue Augen.
    Sie suchte nach etwas, dass sie noch nicht einmal beschreiben konnte. Ihre Augen, die immer noch mit Tränen gefüllt waren, wanderten hin und her, sie sah sich – verschwommen, sah durch sich hindurch. Fremde, schoss es in ihren Kopf, ich bin eine Fremde! Wer bin ich, woher komme ich. Sie ist ein Kuckuckskind.

    Und ja mich gibt es noch 🙂 allen einen Gruß die mich vermisst oder auch weniger vermisst haben.

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