Briefe an den leiblichen Vater – Teil 1 – von Kuckucksmutter Christine B.


Artikelserie "Briefe an den leiblichen Vater" von Kuckucksmutter Christine B.

Briefwechsel zwischen Kuckucksmutter und leiblichen Vater ihres Kuckuckskindes

Vor einiger Zeit hat Christine B. im Kuckucksvaterblog im Artikel „Schwanger von der Jugendliebe“ um Rat gefragt. Danach hat sie gehandelt und den vermutlichen Vater ihres Kuckuckskindes angeschrieben. Der Briefwechsel (Email) ist schon eine Weile her, doch er endete offen. Wie, das werdet ihr hier in den vorerst insgesamt drei Teilen lesen können. Seit dem dritten Brief sind inzwischen 9 Monate ohne Reaktion seitens des leiblichen Vaters vergangen. Die Namen und Orte wurden geändert.

Da die Situation weiterhin ungelöst ist, bat mich Christine B. um die Veröffentlichung und hofft auf Eure Ratschläge. 

Lieber Martin!

Nochmal in Ruhe:
Zwei Jahre nach den unsere kleine Welt erschütternden Ereignissen Trennung, Tod meines Vaters, Umzug nach Berlin, haben sich hier die Wogen geglättet und ich denke,

der Zeitpunkt ist gekommen, Alice zu erzählen, wo sie herkommt.

Ich trage das nun schon sehr lange mit mir herum, und je länger ich es verschweige, desto schwerer liegt es mir auf der Seele. Ich kenne Deinen Standpunkt „wo keine Fragen sind, gib keine Antworten“. Aber ich hatte mittlerweile viele Kontakte zu Leuten, die erst im Erwachsenenalter herausgefunden haben, dass sie Kuckuckskinder sind. Häufig hat dies zu irreparablen Zerwürfnissen mit den Müttern geführt, denen sie nicht verzeihen konnten, jahrelang belogen worden zu sein. Es ist schon so, das Wissen um die eigene Herkunft ist sogar rechtlich verankert. Mit jedem Jahr, in dem ich weiterlüge, mache ich mich schuldiger. Richard ist seit zwei Jahren wieder in London und nicht sonderlich präsent. Seit langem haben wir besprochen, einen Vaterschaftstest zu machen, um letzte Gewissheit zu haben, leider aber ist er erstens weit weg und zweitens the great procrastinator, weil es sein Naturell ist und weil er sich vor dem Ergebnis fürchtet.

Daher sage ich jetzt drei Worte, die ich am ungernsten auf der Welt sage: Bitte hilf mir.

Mach Du den Vaterschaftstest. Für mich spricht alles dafür, dass Alice Deine Tochter ist. Sie hat einen völlig anderen Körperbau als wir alle, endlos lange Beine, ein messerscharfes Mathehirn, ist ordnungsliebend, ein bisschen kühl, Klassenbeste, unglaublich methodisch und blitzgescheit … in so vielem schlägt sie völlig aus der Art. Freunde wie meine Leipziger Freundin Anna, die Endokrinologin ist, sagen stets Dinge wie „jetzt wird mir alles klar. Seit Jahren hatte ich mich gefragt, wieso das Kind derart anders ist …“ wenn sie die Geschichte hören. Trotzdem hätt ich es gerne schwarz auf weiß. Ganz sicher ist sie eine Tochter, auf die jeder Vater megastolz sein kann. Ich als Mama bin es über alle Maßen.

Was ggf auf Dich zukommt: In keinem Falle Forderungen irgendwelcher Art. Ich hab ein gutes festes Dach überm Kopf, hab mit Richard so abgerechnet, dass sein Hausanteil mir gehört,-alles ist abbezahlt und gehört mir alleine – und er keinen Unterhalt zahlen muss und ich steh mit ein paar Unterrichtsjobs gut auf eigenen Beinen und das fühlt sich ziemlich gut an.

Ich möchte nur, dass Du da bist, falls sie Dich kennenlernen will, jetzt oder in ein paar Jahren. Dann würd ich gerne mit ihr zu Dir fahren, um ihr eine Begegnung zu ermöglichen. Jetzt sind es schon zwei Bitten.

Hab keine Angst und vertrau‘ mir. Nichts in Deinem Leben wird sich ändern.
Alles Schöne, Christine

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Brief an den leiblichen Vater – Teil 2 – von Kuckucksmutter Christine B.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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Eine Antwort zu Briefe an den leiblichen Vater – Teil 1 – von Kuckucksmutter Christine B.

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