Was kostet ein gerichtlich bestellter Vaterschaftstest? – Recht & Gesetz – von Roland Hoheisel-Gruler


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Deutschland – Gericht – Kosten – gerichtlich bestellter Vaterschaftstest – Vaterschaftsgutachten – Beim Vaterschaftsfeststellungs– und beim Vaterschaftsanfechtungsverfahren wird ein Vaterschaftsgutachten gebraucht. Das Gutachten wird vom Familiengericht in den Fällen eingeholt, bei denen nicht bereits der private Vaterschaftstest durchgeführt wurde oder dieser nicht vor Gericht verwertbar ist bzw. nicht anerkannt wird.

Zwischen einem gerichtlich bestellten und einem privat veranlassten Vaterschaftsgutachten gibt es nur

einen wesentlichen Unterschied: Der gerichtliche ist um ein vielfaches teurer. Die Frage nach dem Warum können am Besten die Gerichte und Abstammungsgutachter beantworten.

Doch nun zu den Kosten. Ein gerichtliches Vaterschaftsgutachten, bei dem die Proben von Vater, Mutter und Kind entnommen werden kostet in der Regel ca. 300 bis 400 Euro pro Person, also zwischen 900 bis 1.200 Euro gesamt. Damit liegen die Kosten in etwa bei 3-4 Monaten Kindesunterhalt. Eine Summe, die sich nach einer erfolgreichen Vaterschaftsanfechtung sehr schnell auszahlen wird. Auch für diejenigen, bei denen die Vaterschaft bestätigt wird, ist der Wert nicht hoch genug einzuschätzen. Von dem Moment an besteht Gewissheit über die Vaterschaft. Somit kann der vorher bestehende Zweifel nicht mehr die Vater-Kind-Beziehung vergällen und ermöglicht eine stärkere Bindung als zuvor.

Beim Vaterschaftsfeststellungsverfahren kann das Familiengericht frei entscheiden, wer die Kosten zu tragen hat. (§ 80 und § 81 FamFG) Meistens fällt die Entscheidung so aus, dass wenn die Vaterschaft bestätigt wird, der Vater die Kosten für das Gutachten komplett übernehmen muss. Wird hingegen die Vaterschaft ausgeschlossen, dann werden die Gutachtenkosten meistens zwischen Antragssteller und Antragsgegner zu gleichen Anteilen aufgeteilt.

Hingegen kann das Gericht beim Vaterschaftsanfechtungsverfahren nicht nach billigem Ermessen entscheiden, wer die Kosten zu tragen habe. Im § 183 FamFG ist eindeutig und verbindlich die Kostenverteilung vorgegeben. Wird die Vaterschaft bestätigt, so muss der Vater die Kosten für das Gutachten komplett übernehmen. Wird hingegen die Vaterschaft ausgeschlossen, werden die Gutachtenkosten auf Antragssteller und Antragsgegner zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Das Vaterschaftsgutachten gehört mit zu den Verfahrenskosten. Somit kann derjenige, der ein geringes Einkommen hat, die Verfahrenskostenhilfe (VKH) beantragen. Früher nannte man diese Prozesskostenhilfe (PKH).

Wenn der Antrag bewilligt wurde, werden die Verfahrenskosten (vom Gericht, eigenen Anwalt & Vaterschaftsgutachten) vom jeweiligen Bundesland getragen bzw. eine Ratenzahlung durch das Gericht festgesetzt. Bei der bewilligten VKH werden die Kosten vier (4) Jahre nach der rechtskräftigen Entscheidung erlassen bzw. kann die Ratenzahlungsvereinbarung nicht mehr zum Nachteil des VKH-Nehmers abgeändert werden.

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Co-Autor im Kuckucksvaterblog

Roland Hoheisel-Gruler – Rechtsanwalt für Familienrecht – http://anwaltsblog.wordpress.com – Foto: privat

Roland Hoheisel-Gruler ist Fachanwalt für Familienrecht und Mediator. Seine Kanzlei befindet sich in Sigmaringen in Baden-Württemberg.

Er ist regelmäßiger Referent bei Themenabenden mit familienrechtlichen Fragestellungen und betreibt den Blog elfstricheins und ist Co-Autor im Kuckucksvaterblog. Auch zu finden über seine Fanseite auf Facebook.

Für telefonische Rechtsauskünfte steht er unter der Nummer 0900-1876 0000 21 zur Verfügung. (EUR 1,99 aus dem deutschen Festnetz, abweichende Mobilfunktarife sind möglich) Mehr Infos hier.

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Nächster Teil folgt.

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Über Roland Hoheisel-Gruler

Rechtsanwalt // Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)
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Eine Antwort zu Was kostet ein gerichtlich bestellter Vaterschaftstest? – Recht & Gesetz – von Roland Hoheisel-Gruler

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