Was spricht für die Vaterschaftsanfechtung durch den Scheinvater?


Kuckuckskind Fragezeichen aus Eier

Was spricht für die Vaterschaftsanfechtung?

Wenn ein Vater erfährt, dass er nicht der leibliche Vater seines geliebten Kindes ist, dann entstehen viele emotionale Konflikte. Es ist vieles zu klären und Beziehungen sind neu zu definieren. Alles, was davor selbstverständlich war, steht zur Disposition.

Nahezu allen Scheinvätern, mit denen ich Kontakt hatte oder über die ich durch Kuckuckskinder erfuhr fiel es schwer, die Vaterschaftsanfechtung durchzuführen. Die Schwierigkeiten basieren auf unterschiedlichsten Gründen, wie verletzter Stolz, das sich verpflichtet Fühlen, das gefühlte Vatersein, etc. etc. etc. Auch die Angst davor, dass durch die Vaterschaftsanfechtung die Beziehung zum Kuckuckskind in die Brüche gehen und/oder der Umgang durch die Kuckucksmutter dann verhindert werden könnte wird häufig genannt, wie die Angst davor, dass dann ja überhaupt nichts mehr Gemeinsames übrig bleiben würde.

Doch was spricht für eine Vaterschaftsanfechtung durch den Scheinvater?

Dass ein Mann die soziale Vaterschaftsrolle in dem Leben eines Kindes einnimmt und ausfüllt ist doch der Kern der Sache. Diese soziale Vaterschaftsrolle kann der Scheinvater auch nach der Anfechtung der gesetzlichen Vaterschaft weiterhin mit Leben füllen – sofern man ihn lässt. Es spricht sogar einiges dafür, dass er auf dem Papier ausgetragen und von den gesetzlichen Verpflichtungen entbunden wird. Die Punkte 2, 3 und 4 meiner Argumente sind dabei nur auf die von der Kuckucksmutter getrennten Scheinväter anwendbar.

1. Nach der erfolgreichen Vaterschaftsanfechtung ist der Scheinvater frei, seine soziale Vaterschaft allein auf der Basis seines Mitgefühls, seiner Liebe und Verantwortung dem Kind gegenüber zu leben. So wie auch manche (Stief-) Ziehväter weiterhin der soziale Vater des Kindes bleiben, obwohl sie sich von der Kindesmutter getrennt haben. Ich kenne solche Fälle persönlich, das geht hervorragend, auch ohne Geldzahlung und gesetzliche Vaterschaft.

2. Für viele Scheinväter fühlt sich die weitere Zahlungsverpflichtung wie eine Vergewaltigung an. Sie werden de facto dadurch verpflichtet, weiterhin für die Kuckucksmutter zu arbeiten. Das Geld ist nur indirekt für das Kind bestimmt. Wieviel davon direkt beim Kind ankommt, kann sich jeder selber ausrechnen.

3.
Dadurch, dass die Kuckucksmutter den Scheinvater definitiv nicht weiter finanziell schröpfen kann, muss sie sich im Klaren darüber werden, was ihr wichtig ist: Ein Kind, das eine stabile soziale Beziehung zu seinem sozialen Vater hat oder ihre Rache an diesem bisherigen Scheinvater, dafür dass er sich nicht weiter als Zahlesel zur Verfügung stellt.
Im Falle der Rache würde sie ihre eigenen Bedürfnisse über die ihres Kindes stellen. Somit würde sie vor einer Instrumentalisierung und dem einhergehenden Missbrauch ihres Kindes nicht zurückschrecken. Diese Verantwortung liegt allein in ihrer Hand und kann ihr durch keine andere Person abgenommen werden.

4. Die Kindsmutter kann von da an den leiblichen Vater in die finanzielle Verpflichtung nehmen. Wenn sie es nicht bereits schon heimlich macht und somit doppelt abkassiert, was nicht selten vorkommt.  Dass die Zahlungen des leiblichen Vaters des Kuckuckskindes für gewöhnlich niedriger ausfallen, als die des zumeist zahlungskräftigeren Scheinvaters, gehört zu den Punkten, mit denen sich die Kuckucksmutter dann abfinden lernen muss.

5. Der leibliche Vater bekommt durch seine offizielle Vaterschaft eine rechtliche Position, in der er sein Recht auf Privatleben – dazu gehört auch der Umgang mit dem eigenen Kind – wenn nötig erkämpfen kann. Wenn der Scheinvater noch und weiterhin mit der Kuckucksmutter zusammen ist, ist das Hereinlassen des leiblichen Vaters eine weitere Herausforderung. Doch wenn man die meistert, hat man das Beste für das Kind geleistet. Darum sollten unsere Entscheidungen ja sich drehen.

6. Das Kuckuckskind darf endlich sein was es ist. Keine Anteile seines Seins müssen mehr geleugnet werden. Somit ist die Basis für Selbstvertrauen geschaffen. Viele Kuckuckskinder berichten später darüber, dass sie sich häufig fehl am Platz vorkamen und spürten, dass etwas mit ihnen nicht stimme. Bezeichnend daran ist, dass sie meinen (wie viele Scheidungskinder auch), dass an ihnen etwas nicht richtig sei, statt zu wissen, dass etwas mit ihrer Familie falsch ist.

7. Die Vaterschaftsanfechtung ist nur binnen einer Zweijahresfrist durch den Scheinvater möglich. Diese Zweijahresfrist beginnt schon mit dem ersten begründeten Zweifel an der Vaterschaft, frühestens ab der Geburt. Nicht selten wird durch die Kuckucksmutter vor Gericht behauptet, dass der Scheinvater schon immer von seiner Nichtvaterschaft Kenntnis gehabt oder wenigstens seine diesbezüglichen Zweifel geäußert habe. Die Gerichte schenken traditionell den Kuckucksmüttern – trotz ihrer naturgemäß zweifelhaften Glaubwürdigkeit – Glauben. Ein Paradoxon, über das sich Scheinväter klar werden müssen. Ist die Zweijahresfrist erst einmal abgelaufen, werden sie bis über ihren Tod hinaus der Zahlesel bleiben. Alleine deswegen ist schnelles und entschiedenes Handeln notwendig.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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Eine Antwort zu Was spricht für die Vaterschaftsanfechtung durch den Scheinvater?

  1. Bernd Plechatsch schreibt:

    Auch wenn jeder „Fall“ individuell ist, so ist der Artikel sehr gut geschrieben und spricht alle relevanten Argumente an..
    Auf einen wichtigen Aspekt möchte ich jedoch noch hinweisen. Da eine Vaterschaftsanfechtung vor einem deutschen Gericht (zuständig ist immer das Amtsgericht in dessem Bereich das Kind wohnt) durchgeführt wird und mit etlichen juristischen Stolpersteinen gepfalstert ist, ist ein Klage immer mit juristischen Beistand zu empfehlen. Ein guter Fachanwalt für Familienrecht ist daher unabdingbar. Das hat jedenfalls meine persönliche Erfahrung gezeigt.

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