Wie kann ich ohne Anwalt den Vaterschaftstest bei Gericht beantragen? – Recht & Gesetz – von Roland Hoheisel-Gruler


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Abstammungsuntersuchung – ohne Anwalt – Familiengericht – § 1598a – BGB – § 170 – § 171 – FamFG / Deutschland – Denjenigen, die die freiwillige Zustimmung zum Vaterschaftstest nicht erhalten, bleibt nur der Gang zum Gericht. Das geht theoretisch sogar ohne Anwalt, denn es besteht kein Anwaltszwang für dieses Gerichtsverfahren.

Beantragt wird die Zustimmung zur Abstammungsuntersuchung (Vaterschaftstest) beim Familiengericht. Alleinig in Abstammungssachen zuständig ist das Familiengericht des

gewöhnlichen Aufenthaltsorts des Kindes. Falls es einen solchen nicht gibt, gilt der gewöhnliche Aufenthalt der Mutter, ggf. dann des Vaters. Dies ist nur in den Fällen nicht gegeben, in denen das Kind nicht im Bereich eines deutschen Gerichts, sprich im Ausland lebt.

In dem Antrag muss / müssen … :

  • … die Verfahrenbeteiligten benannt werden. (rechtlicher Vater, Mutter und Kind)
  • … die verwandtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse zwischen den Verfahrensbeteiligten angegeben werden.
  • … eindeutig erkennbar sein, wer der Antragsteller ist – also wer die Zustimmung zu der genetischen Abstammungsuntersuchung (Vaterschaftstest) beantragt.
  • … das Ziel des Antragstellers/der Antragstellerin genau bezeichnet werden. (Eine mögliche Formulierung wäre: „Ziel ist, eine Einwilligung in die genetische Untersuchung zur Klärung der leiblichen Abstammung zu erlangen“.)

Das Gericht wird dann nach dem so genannten Amtsermittlungsgrundsatz verfahren und den Sachverhalt aufklären. Am Ende des Verfahrens steht entweder eine Einigung der Verfahrensbeteiligten oder ein Beschluss des Familiengerichtes. Dieser Beschluss, sofern er positiv ausfällt, kann die Beteiligten zur Probenabgabe – falls nötig mittels Zwangsmaßnahmen – verpflichten.

Der Teufel steckt im Detail.

Wer dennoch einen Fachanwalt für Familienrecht beauftragt, ist gut beraten. Es gibt eine ganze Palette an unterschiedlichen Rechtsprechungen zu den § 1598a BGB, § 170 FamFG und § 171 FamFG, die einem durchaus einen Strich durch die scheinbar einfache Rechnung machen könnten.

§ 170 FamFG – Örtliche Zuständigkeit

(1) Ausschließlich zuständig ist das Gericht, in dessen Bezirk das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat.
(2) Ist die Zuständigkeit eines deutschen Gerichts nach Absatz 1 nicht gegeben, ist der gewöhnliche Aufenthalt der Mutter, ansonsten der des Vaters maßgebend.
(3) Ist eine Zuständigkeit nach den Absätzen 1 und 2 nicht gegeben, ist das Amtsgericht Schöneberg in Berlin ausschließlich zuständig.

§ 171 FamFG – Antrag

(1) Das Verfahren wird durch einen Antrag eingeleitet.
(2) In dem Antrag sollen das Verfahrensziel und die betroffenen Personen bezeichnet werden. In einem Verfahren auf Anfechtung der Vaterschaft nach § 1600 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 des Bürgerlichen Gesetzbuchs sollen die Umstände angegeben werden, die gegen die Vaterschaft sprechen, sowie der Zeitpunkt, in dem diese Umstände bekannt wurden. In einem Verfahren auf Anfechtung der Vaterschaft nach § 1600 Abs. 1 Nr. 5 des Bürgerlichen Gesetzbuchs müssen die Umstände angegeben werden, die die Annahme rechtfertigen, dass die Voraussetzungen des § 1600 Abs. 3 des Bürgerlichen Gesetzbuchs vorliegen, sowie der Zeitpunkt, in dem diese Umstände bekannt wurden.

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Co-Autor im Kuckucksvaterblog

Roland Hoheisel-Gruler – Rechtsanwalt für Familienrecht – http://anwaltsblog.wordpress.com – Foto: privat

Roland Hoheisel-Gruler ist Fachanwalt für Familienrecht und Mediator. Seine Kanzlei befindet sich in Sigmaringen in Baden-Württemberg.

Er ist regelmäßiger Referent bei Themenabenden mit familienrechtlichen Fragestellungen und betreibt den Blog elfstricheins und ist Co-Autor im Kuckucksvaterblog. Auch zu finden über seine Fanseite auf Facebook.

Für telefonische Rechtsauskünfte steht er unter der Nummer 0900-1876 0000 21 zur Verfügung. (EUR 1,99 aus dem deutschen Festnetz, abweichende Mobilfunktarife sind möglich) Mehr Infos hier.

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Über Roland Hoheisel-Gruler

Rechtsanwalt // Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)
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7 Antworten zu Wie kann ich ohne Anwalt den Vaterschaftstest bei Gericht beantragen? – Recht & Gesetz – von Roland Hoheisel-Gruler

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  3. Petra Scholz schreibt:

    Ausführlich und exakt wiedergegeben.
    Ein solcher, gerichtlicher Vaterschaftstest, mit Anwalt, beläuft sich nach meinem Wissen auf ca. 3000,- €.

    • Norbert Potthoff schreibt:

      Upps. Dafür muss eine alte Oma aber lange stricken, wie man bei uns im Rheinland sagt. 😦

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Diese pauschale Aussage ist so nicht richtig.

      Die Kosten für den gerichtlich verwertbaren Vaterschaftstest liegen bei unter 300 Euro für einen Vater-Mutter-Kind-Test. Die Anwalts- und Gerichtskosten bauen sich etwas komplexer auf. Je nach Situation kann das ganze Verfahren dank Gerichtskostenhilfe (Verfahrenskostenhilfe) sogar unterm Strich kostenlos sein.

      • Norbert Potthoff schreibt:

        Na, das hört sich doch vertretbar an. Alles andere wäre garadezu abschreckend teuer. 😉

        • AdlatusDesAdvocatus schreibt:

          @Norbert
          DU musst es doch genau wissen, oder? Deine Frau hat doch solche Tests doch schon beantragt. Nicht wahr? („Juhuuu“ jubilierte Tina Ammer). Das Verfahren ist doch auch schon recht weit gediehen. Oder? Schließlich bezeugte Max Kuckucksvater den gerichtlichen Beschluß mit eigenen Augen gesehen zu haben. Nicht wahr?

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