Ich bereue es total – von Chantal X – Geschichten aus den Kommentaren


Erfahrungsberichte, die in den Kommentaren ein unbeachtetes Dasein fristen erhalten hier die Chance auf mehr Beachtung

Geschichten aus den Kommentaren – Serie im Kuckucksvaterblog

Kuckuckskind – leiblicher Vater – gesetzlicher Vater – 

Hallo,

ich weiß seit wenigen Monaten, dass ich auch ein Kuckuckskind bin mit meinen fast 40. Jahren. Obwohl, mein sozialer Vater hat immer gewusst, dass ich nicht sein eigenes Kind bin, aber mir nie etwas davon gesagt.

Ich kann mich erst jetzt wieder daran erinnern, dass ich meinen richtigen Vater im Laufe meiner Kindheit und Jugend immer wieder begegnet bin, zusammen mit meiner Mutter nach der Scheidung von meinem sozialen Vater. Ich habe damals nie verstanden, weshalb ich auf einmal einen anderen Vater haben sollte. Mein Vater, bei dem ich aufwuchs, sagte immer, dass die Mutter lügen würde, er wäre doch mein richtiger Vater. So gab es für mich immer ein Hin und Her und ich war verwirrt, wenn ich diesen Mann, meinen richtigen Vater, mal wieder begegnete.
Als ich erwachsen war, wollte sich mein richtiger Vater mit mir treffen, war für einen Test sogar bereit, doch ich glaubte es ihm nicht, dass er mein Vater sein sollte, ich hatte doch schon einen. Leider hatte ich alle vorigen Treffen über die Jahre mit ihm vergessen und dachte, es spricht ein Verrückter an der Leitung. Doch heute weiß ich Bescheid. All die Treffen mit meinem richtigen Vater sind mir wieder in Erinnerung und ich bin schockiert, weshalb ich alles vergaß und ihm keine Chance gab.

Ich fühle mich so seltsam, dass mein sozialer Vater nun doch nicht mein Vater ist, sondern ein ganz fremder Mann, den ich kaum kenne. Ich bin nun auch auf der Suche nach meinem richtigen Vater. Bei unserem letzten Kontakt vor 17 Jahren wollte er diesen Test, den ich ihm verwehrte und nun möchte ich diesen Test unbedingt machen und bin mir nicht sicher, ob mir meine Eltern seinen Namen verraten werden, damit ich ihn finden kann.

Ich finde es schlimm, als Kind und Jugendliche so angelogen worden zu sein, vor allem von meinem sozialen Vater! Meine Mutter hat immer die Wahrheit gesagt und mein sozialer Vater stritt immer alles ab. Heute ist mir schmerzlich bewusst, dass meine Mutter Recht hatte und ich all die Treffen mit meinem richtigen Vater verdrängt habe, um mit dem ganzen besser klar zu kommen. Ich empfinde diese Gefühle als total komisch und schmerzhaft. Ich wurde über Jahre hinweg so massiv angelogen, für dumm verkauft … ich brauche unbedingt für mich die Klarheit, wer mein Vater ist. Zum Glück bin ich ihm schon öfters begegnet und ich kann nur hoffen, dass er mich versteht, dass ich mich nicht mehr an ihn erinnern konnte. Ich musste als Kind so viele Traumatas ertragen und ich hatte geglaubt, Jahre lang zu wissen wer mein Vater ist und auf einmal sollte es ein anderer sein. Es fühlte sich einfach total komisch an und belastete mich sehr, so dass ich es verdrängte.

Doch heute, muss ich es anschauen und meine Abstammung abklären. Es ist so unendlich wichtig, als Kind zu wissen woher man kommt … es ist so traurig und unfassbar, wie Elternteile so dermaßen lügen können auf Kosten des Kindes, nur um sich zu schützen, oder der Wahrheit nicht ins Auge blicken zu müssen. Ich hoffe so sehr, dass mein richtiger Vater mich noch nicht aufgegeben hat, auch wenn ich all seine Treffen vergessen hatte … es war nicht, weil er etwas falsch machte, sondern weil ich in meinem Muster der Verdrängung lebte, um weiter leben zu können, und aus diesem Grund konnte ich mich keider nicht mehr an ihn erinnern. Aber nun sind alle Erinnerungen wieder da und ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich einen anderen Vater haben könnte … Vielleicht liest er ja diese Zeilen, man weiß ja nie. Meine Begegnungen mit ihm waren für mich immer sehr angenehm, wenn ich auch verwirrt war … ich bereue es total, dass ich den Kontakt vor 17 Jahren abgebrochen habe!!!

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Geschichten aus den Kommentaren – Serie im Kuckucksvaterblog

Hier eine Auflistung sämtlicher Artikel aus der Serie „Geschichten aus den Kommentaren„.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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6 Antworten zu Ich bereue es total – von Chantal X – Geschichten aus den Kommentaren

  1. Chantal schreibt:

    Nun habe ich endlich das Testergebnis…und wieder einmal bin ich total baff. Mein sozialer Vater ist nun doch mein biologischer Vater. Ich habe ein anderes Ergebnis erwartet. Das heißt jetzt für mich, dass meine Mutter mich und diesen anderen Mann die ganzen Jahre belogen hat, nur um an sein Geld heran zu kommen. Denn dieser andere Mann ging immer davon aus, dass ich seine leibliche Tochter wäre. Wie mies ist das Ganze eigentlich 😦

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      liebe Chantal,
      mich wundert überhaupt nichts mehr. Echt krass, was Deine Mutter da für Nummern abgezogen hat. Wie ist nun das Verhältnis zwischen Dir und Deinem leiblichen Vater? Wie war seine Reaktion?

      • Chantal schreibt:

        Hallo Max,

        die letzten Monate waren ziemlich schwer für mich. Ich bin wirklich davon ausgegangen, dass ich einen anderen Vater habe. Meine Mutter hat mich meine ganze Kindheit und Jugend über sehr stark mit dieser Sache belastet. Nun weiß ich, dass sie all die Jahre gelogen hat und ich war in meiner Identität immer stark verunsichert, aber als Kind hatte ich keine Chance die Wahrheit heraus zu finden. Ich fühle mich jetzt erleichtert, dass ich nun die Wahrheit kenne. Dieses Testergebnis ist wie eine Befreiung. I tappe nun nicht mehr im Dunkeln. Meine Mutter hat mich schwer verletzt mit dieser Lügerei. Jetzt ist es mir auch klar, warum meine Mutter mir nur auf den AB reden konnte. Mein Vater hat den Test nur gemacht, weil ich ihn per Anwalt dazu gezwungen habe. Ich habe seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm..ich kann keinen Kontakt zu ihm haben, es ist in meiner Kindheit einiges schlimmes vorgefallen, über das ich jetzt nicht schreiben kann, und er ist nicht bereit die Verantwortung dafür zu tragen. Ich kann keine Beziehung mit ihm haben. Vielleicht ist er irgendwann bereit dies wieder gut zu machen..

  2. Chantal schreibt:

    Wer von euch musste diese Erfahrung auch machen? Das Warten auf den Test? Es ist einfach eine furchtbare Zeit für mich…was hat euch geholfen, diese Zeit durchzustehen?

  3. Chantal schreibt:

    Leider ist es jetzt so, dass meine Eltern mich weiterhin belügen und mir den Namen meines richtigen Vaters nicht verraten wollen 😦 Mir bleibt nun nichts anderes übrig, als vor das Gericht zu ziehen, in der Hoffnung, 1. Klarheit durch einen Test zu erhalten und 2. an meinen richtigen Vater heran zu kommen. Niemand ist bereit mit mir darüber zu sprechen. Meine Mutter ist nicht einmal in der Lage mit mir das persönliche Gespräch zu suchen. Mein Leben ist aus den Fugen geraten, weil ich in dieser Ungewissheit leben muss. Das Verhalten meiner Eltern ist absolut unfair..

    • Nicole schreibt:

      Ich bereue einen Test gemacht zu haben, weil jetzt noch alles schlimmer ist als vorher. Ich weiß jetzt dass mein Vater nicht meine Gene trägt, doch schwebe ich jetzt in der Luft. Denn ich werde nie erfahren wer mein biologischer Vater ist, weil meine Mutter verstorben ist da war ich noch minderjährig und der falsche Vater möchte keinen Kontakt zu mir haben, vielleicht befürchtet Er das ich unangenehme Fragen zum Thema leiblich Vater stellen würde.

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