Wer darf einen Vaterschaftstest verlangen? – Recht & Gesetz – von Roland Hoheisel-Gruler


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Vaterschaftsfeststellung – § 1598a – §1600d – BGB / Deutschland – Wenn man sich die Frage stellt, ob der rechtliche Vater auch der biologische ist, dann verhilft einem der DNA-Vaterschaftstest zur Klarheit. Doch hier stellt sich dann schnell die Frage: Wer ist gesetzlich berechtigt, einen Vaterschaftstest zu verlangen?

Geregelt ist das im § 1598a BGB (Zitat am Ende des Artikels). Diese Vorschrift stellt klar, dass Vater, Mutter und Kind jeweils gegenüber den anderen beiden Familienmitgliedern einen Anspruch auf Klärung der Abstammung haben.

Mit „Vater“ ist im BGB ausschließlich der gesetzliche Vater gemeint. Demnach ist nach Nr. 1 nur der rechtliche Vater berechtigt, eine Abstammungfeststellung zu beantragen. Der Mann, der tatsächlich das Kind gezeugt hat oder glaubt, der Vater des Kindes zu sein,  hat hingegen keinen Anspruch.

Auch das Kind kann nach Nr. 3 der Frage nachgehen, ob dessen rechtlicher Vater auch sein biologischer Vater ist.

Damit beschränkt sich der Kreis derer, die für eine genetische Untersuchung zur Klärung der Abstammung in Frage kommen, auf die Mutter, das Kind und den Mann, der entweder mit der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt verheiratet war oder aber die Vaterschaft anerkannt hat.

Das die biologische Vaterschaft für den § 1598a BGB irrelevant ist, birgt Konfliktpotential. Kritiker bemängeln, dass dadurch die leiblichen bzw. vermutlichen Väter rechtlos gestellt werden könnten.

Im Falle, dass das Kind bereits einen gesetzlichen Vater hat, wird es für den biologischen Vater tatsächlich schwer, seine Vaterschaft in einem gerichtlichen Verfahren zu klären. Dafür wird er dann zuerst den Weg über die gerichtliche Anfechtung der bestehenden rechtlichen Vaterschaft gehen müssen. Das ist ein Verfahren nach § 1600 I Nr 2 BGB.  Bei erfolgreicher Anfechtung der rechtlichen Vaterschaft wird dann gleichzeitig die Vaterschaft des Anfechtenden festgestellt (§ 182 I FamFG).
Über dieses Verfahren und seine Hürden werden wir in einem gesonderten Artikel berichtet.

BGB – § 1598a – Vaterschaftsfeststellung
Anspruch auf Einwilligung in eine genetische Untersuchung zur Klärung der leiblichen Abstammung

(1) Zur Klärung der leiblichen Abstammung des Kindes können

  1. der Vater jeweils von Mutter und Kind,
  2. die Mutter jeweils von Vater und Kind und
  3. das Kind jeweils von beiden Elternteilen

verlangen, dass diese in eine genetische Abstammungsuntersuchung einwilligen und die Entnahme einer für die Untersuchung geeigneten genetischen Probe dulden. Die Probe muss nach den anerkannten Grundsätzen der Wissenschaft entnommen werden.

(2) Auf Antrag eines Klärungsberechtigten hat das Familiengericht eine nicht erteilte Einwilligung zu ersetzen und die Duldung einer Probeentnahme anzuordnen.

(3) Das Gericht setzt das Verfahren aus, wenn und solange die Klärung der leiblichen Abstammung eine erhebliche Beeinträchtigung des Wohls des minderjährigen Kindes begründen würde, die auch unter Berücksichtigung der Belange des Klärungsberechtigten für das Kind unzumutbar wäre.

(4) Wer in eine genetische Abstammungsuntersuchung eingewilligt und eine genetische Probe abgegeben hat, kann von dem Klärungsberechtigten, der eine Abstammungsuntersuchung hat durchführen lassen, Einsicht in das Abstammungsgutachten oder Aushändigung einer Abschrift verlangen. Über Streitigkeiten aus dem Anspruch nach Satz 1 entscheidet das Familiengericht.

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Co-Autor im Kuckucksvaterblog

Roland Hoheisel-Gruler – Rechtsanwalt für Familienrecht – http://anwaltsblog.wordpress.com – Foto: privat

Roland Hoheisel-Gruler ist Fachanwalt für Familienrecht und Mediator. Seine Kanzlei befindet sich in Sigmaringen in Baden-Württemberg.

Er ist regelmäßiger Referent bei Themenabenden mit familienrechtlichen Fragestellungen und betreibt den Blog elfstricheins und ist Co-Autor im Kuckucksvaterblog. Auch zu finden über seine Fanseite auf Facebook.

Für telefonische Rechtsauskünfte steht er unter der Nummer 0900-1876 0000 21 zur Verfügung. (EUR 1,99 aus dem deutschen Festnetz, abweichende Mobilfunktarife sind möglich) Mehr Infos hier.

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Über Roland Hoheisel-Gruler

Rechtsanwalt // Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)
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4 Antworten zu Wer darf einen Vaterschaftstest verlangen? – Recht & Gesetz – von Roland Hoheisel-Gruler

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