Darf ich einen heimlichen Vaterschaftstest machen? – Recht & Gesetz – von Roland Hoheisel-Gruler


Recht & Gesetz - nicht selten ungerecht und somit fernab vom gesunden Rechtsempfinden

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Heimlicher Vaterschaftstest – Recht – Deutschland – Online-Vaterschaftstest – Einwilligung – Gendiagnostikgesetz – Bußgeld – Schon die alten Römer hatten den Rechtssatz: „Mater semper certa est“ – die Mutter ist immer gewiss. Die Vaterschaft ist nicht so klar und leider sind Politik und Rechtsprechung nicht wirklich gewillt, das zu klären. Roland Hoheisel-Gruler führt Sie durch das Dickicht der Rechtsprechung und klärt Sie über die rechtlichen Begriffe auf, wie rechtlicher und biologischer Vater, heimlicher Vaterschaftstest, Recht, Online-Vaterschaftstest, Einwilligung, Gendiagnostikgesetz, Bußgeld und vieles mehr.

Der rechtliche Vater muss nicht der biologische sein – und umgekehrt. Mit dieser Begriffsverwirrung fängt das ganze juristische Verwirrspiel an. Die Statistiken gehen von einer Dunkelziffer von ca. 10 % an „Kuckuckskindern“ aus, was bedeutet, dass alleine in Deutschland jährlich über 70.000 Kuckuckskinder dazukommen. Darüber berichtete der Kuckucksvaterblog ausführlich in dem Artikel „Wieviele Kuckuckskinder werden jährlich in Deutschland geboren?„. Wer diese Zahlen kennt, dem kann man nicht verübeln, wenn er sich seiner Vaterschaft nicht hundertprozentig sicher fühlt.

Den einen beschleicht ein Verdacht und der andere ist sich klar darüber, dass die Vaterschaft solange nicht gesichert ist, bis sie durch einen Vaterschaftstest bestätigt wurde. Doch die Kindsmutter nach einer Unterschrift für einen Vaterschaftstest zu fragen ist eine ernstzunehmende Hürde für die meisten Väter. Denn schnell kann diese Frage als Unterstellung fremd gegangen zu sein, interpretiert werden und schon hängt der Haussegen schief oder führt bei einer bereits bestehenden Beziehungskrise zum endgültigen Bruch. Um diese Nebenwirkungen zu vermeiden, wünschen sich viele Väter die Möglichkeit zum diskreten Vaterschaftstest.

Doch darf man in Deutschland einfach hergehen und den Vaterschaftstest ohne Einwilligung der Kindsmutter machen und wenn nicht, macht man sich dann strafbar?

Der Gesetzgeber hat im Gendiagnostikgesetz geregelt, dass der Vaterschaftstest nur mit der Unterschrift beider gesetzlichen Elternteile bzw. der Erziehungsberechtigten erlaubt ist. Laut dem Gendiagnostikgesetz ist es keine Straftat, wenn ein heimlicher Vaterschaftstest durchgeführt wird, sondern eine Ordnungswidrigkeit. Diese kann einen durchaus teuer zu stehen kommen. Wer einen heimlichen Test in Auftrag gibt, muss mit einer Geldbuße von bis zu 5.000 Euro rechnen.
Sind die neugierigen Großeltern oder andere Personen die Auftraggeber, kann es sogar noch teurer werden.

Selbst wenn man dieses Risiko nicht scheuen mag, gibt es noch eine weitere Hürde: Auch die ausführenden deutschen Labore, die einen heimlichen Test durchführen, müssen mit empfindlichen Bußen rechnen.

Es gibt eine Vielzahl von DNA-Vaterschaftstest-Anbietern, die ihr Dienste vor Ort bzw. online anbieten. Ein paar von den Online-Vaterschaftstest-Anbietern haben ihren Firmensitz außerhalb von Deutschland und unterliegen den Gesetzen des jeweiligen Landes, in dem sie ihren Firmensitz haben. Dennoch, der Test im Ausland schützt den Auftraggeber vor Bußgeld nicht, auch wenn er dort legal sein sollte. Selbst wenn man bereit ist, auf das drohende Bußgeld zu pfeifen, ein heimlicher Vaterschaftstest ist vor Gericht nicht verwertbar.

Durch das Internet ist der Griff zum heimlichen Vaterschaftstest äußerst leicht und mancher Vater wird sich sagen: „Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter.“ Die Teststäbchen treffen per Post bei ihm ein, er entnimmt von sich und dem Kind die Proben und sendet diese wieder zurück ins Labor. Wenn dann die Vaterschaft bestätigt ist, ist alles für den Vater in Ordnung und das Schweigen darüber dürfte ihm nicht sonderlich schwer fallen.
Doch wenn die Vaterschaft ausgeschlossen ist, sieht es anders aus. Fragen entstehen. Möchte man nun den offiziellen Weg gehen? Wird man die Vaterschaft anfechten? Falls man noch mit der Kindsmutter zusammen ist, will man die Beziehung noch fortsetzen? Schafft man es, sich nichts anmerken zu lassen? Kann man dann noch über den heimlichen Vaterschaftstest schweigen? Nicht gerade leicht, wenn man mit Sicherheit weiß, dass ein anderer Mann der Vater des Kindes sein muss.

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Co-Autor im Kuckucksvaterblog

Roland Hoheisel-Gruler – Rechtsanwalt für Familienrecht – http://anwaltsblog.wordpress.com – Foto: privat

Roland Hoheisel-Gruler ist Fachanwalt für Familienrecht und Mediator. Seine Kanzlei befindet sich in Sigmaringen in Baden-Württemberg.

Er ist regelmäßiger Referent bei Themenabenden mit familienrechtlichen Fragestellungen und betreibt den Blog elfstricheins und ist Co-Autor im Kuckucksvaterblog. Auch zu finden über seine Fanseite auf Facebook.

Für telefonische Rechtsauskünfte steht er unter der Nummer 0900-1876 0000 21 zur Verfügung. (EUR 1,99 / PRO MINUTE aus dem deutschen Festnetz, abweichende Mobilfunktarife sind möglich) Mehr Infos hier.

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Über Roland Hoheisel-Gruler

Rechtsanwalt // Mediator // Dipl. Forstwirt (univ.)
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6 Antworten zu Darf ich einen heimlichen Vaterschaftstest machen? – Recht & Gesetz – von Roland Hoheisel-Gruler

  1. Mönich schreibt:

    Guten Tag.
    Ich bin 27 Jahre alt und leide seid meiner Kindheit unter den aggressiven „Ausrastern“ meines Vaters. Ich wohne zwar schon seid 8 Jahren nicht mehr zuhause aber das Verhältnis ist nach wie vor sehr schlecht und eine Aussprache nicht möglich. Ich zweifle schon seid meiner Jugend an der Tatsache das er mein leiblicher Vater ist, da er mich komplett anders behandelt als beispielsweise meine Geschwister, wo er sehr liebevoll ist. Auch bei meinen „Zeugungsgeschichten“ gibt es viel zweifelhaftes. ich weiss das er mit einem Test nicht einverstanden wäre , deshalb habe ich auch leider nicht die Möglichkeit mit ihm einen „normalen“ Test zu machen. Nun möchte ich Sie bitten mir zu helfen und mir zu sagen welche Möglichkeiten ich hätte. Danke im Voraus L.Mönich

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