Hallo Felix, ich bin dein Papa – das Kuckuckskind – Tierwelt Teil 8


Aufnahme einer Baumkrone von innen

und da war er weg – Foto: Liane R. Anderson

Im Morgengrauen, als im Wald noch alles still und friedlich ist sitzen Wilma und Fridolin immer noch eng aneinander gekuschelt auf ihrem Ast und schlafen selig. Plötzlich dringt ein greller kindlicher Angstschrei an ihr Ohr und lässt die Beiden hochschrecken. Das laute Gebrüll jagt den Eltern entsetzliche Furcht ein. Fridolin braucht nur einen kurzen Augenblick, um zu erkennen, dass sich sein Sohn in Lebensgefahr befindet. Entsetzt eilt er ihm zu Hilfe und fliegt mit einem Affenzahn auf ihn zu.

Ein grässlicher Marder, der schlimmste Feind von den Kuckucksvögeln hat Felix überfallen. Immer greller und durchdringender kreischt das kleine Kind. Voller Panik kämpft er um sein Leben. Der gemeine Marder packt ihn kräftig mit seinen Krallen und beißt dem hilflosen Jungen fürchterlich fest ins Genick.

Im Sturzflug kommt Fridolin angeschossen und stürzt sich mutig auf den Übeltäter, um ihn zu verjagen. Daraufhin rast dieses mörderische Tier mit Felix im Maul, davon. Mit einer unbändigen Kraft krallt sich Fridolin im Fell von dem Marder fest. Dabei hackt er wie von Sinnen ununterbrochen auf dieses böse Tier ein. Vom Schmerz überwältigt und ausgebremst lässt der Marder den kleinen Felix los und attackiert nun blindwütig, Fridolin. Wie ein Irrer fällt er über den armen Vogel her. Genau in diesem Moment donnert Wilma, mit einer unglaublichen geballten Ladung kopfüber in den Marder. Dieser verliert für einen kurzen Moment sein Gleichgewicht und fällt zur Seite. Dadurch wird er noch viel zorniger packt sich Wilma und schleudert sie mit Schwung gegen einen Baum. Benommen bleibt sie liegen.

Ohne zu zögern fällt diese Bestie daraufhin erneut über den Schwerverletzten Fridolin her.

Felix der sich geschwächt und tief verwundet in völliger Todesangst, das Schauspiel  angeschaut hat, nimmt all seinen Mut zusammen und stürmt mit letzter Kraft auf den Marder zu. Mit aller Wucht schlägt und tritt er auf dieses Tier ein.

Da der Marder mittlerweile auch ziemlich verletzt wurde, gibt er auf und rennt davon.

Völlig fertig und schwer atmend kniet Felix neben Fridolin und nimmt behutsam den Kopf dieses bewusstlosen Männchens in seinen Arm. Der ganze Körper von Fridolin ist mit tiefen Wunden übersät und überall ist Blut.

Wer ist das? Wundert sich Felix. Warum hat dieser Kuckuck ihm geholfen, als er von dem Marder überfallen wurde?

Plötzlich kommt Wilma wieder zu sich und geht ganz vorsichtig auf ihr Kind zu. „Hallo Felix“, flüstert sie sanft. Erstaunt starrt der Junge zu ihr, während er immer noch liebevoll Fridolin in seinem Arm hält.

„Ich bin deine Mama“, teilt sie ihm lächelnd mit und streichelt dabei sachte über seinen Kopf. „Mama?“, fragt er ungläubig. „Ja du bist unser Kind“, erklärt sie ihm mit brüchiger Stimme und beugt sich dabei besorgt über Fridolin. „Dann ist das hier also mein Papa“, antwortet Felix und zittert am ganzen Körper. Überwältig vor Freude seine Eltern endlich kennen zu lernen und besorgt um das Leben seines Vaters, fängt er plötzlich bitterlich zu weinen an. Ganz behutsam drückt er den schwer verwundeten Vogel an sich und legt seinen Kopf auf die Brust von seinem Vater.

Es ist still geworden um sie herum. Nur in der Ferne ist das plätschern von einem kleinen Bachlauf zu hören. Eng sitzt Wilma neben Fridolin und streichelt ihn besorgt, während Felix immer noch seinen Kopf hält.

Nach einiger Zeit erwacht Fridolin aus seiner Bewusstlosigkeit und öffnet seine Augen. Sein Gesicht hellt sich auf und er strahlt, als er seinen kleinen Jungen erblickt. Kaum hörbar sagt er: „Hallo Felix, ich bin dein Papa“. „Ja ich weiß“, flüstert das Kind glücklich. Dann versucht Fridolin mit letzter Kraft weiter zu sprechen: „Verzeih mir mein Junge, dass ich dich so lange alleine gelassen habe. Es tut mir leid“. Dabei kullern ganz dicke Tränen über seine Wangen. Überwältigt antwortet Felix: „Ich verzeihe dir Papa. Jetzt bist du ja da und hast mir sogar das Leben gerettet.“

Fridolin lächelt zufrieden und braucht einen Moment, um wieder Kraft zu schöpfen. Blut läuft ihm mittlerweile aus Mund und Nase. Der Junge bekommt Angst und schaut Hilfe suchend seine Mama an. Fridolins Stimme ist sehr schwach als er weiter spricht: „Du musst mir etwas versprechen mein Sohn. Fliege mit Mama nach Amerika und gründe dort eine Familie. Da bauen die Kuckucksvögel noch eigene Nester, brüten ihre Eier selbst und ziehen ihren Nachwuchs gemeinsam auf. Sorge für deine Frau und Kinder und beschütze sie.“

„Ja Papa, ich verspreche es“, antwortet Felix mit brüchiger Stimme.

Dann schließt Fridolin, mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht, für immer seine Augen.

Felix hielt sein Versprechen. Gemeinsam mit seiner Mama reiste er nach Amerika. Dort heiratete er einige Jahre später, und sie bekamen viele Kinder. Sein ganzes Leben lang blieb er seiner geliebten Frau treu.

Wilma, seine Mutter pflegte er unerschöpflich und aufopferungsvoll bis zu ihrem Tode.

Seinen Kindern und Enkelkindern erzählte er bis ins hohe Alter, über seinen wunderbaren und mutigen Papa, der für ihn sein Leben geopfert hatte.

Felix wurde nicht müde, über die Heldentat seines klugen Vaters zu berichten. Ein Kuckucksvater, der sich tapfer gegen die alten gewohnten Bräuche stellte und damals schon erkannte, dass Kinder ein Recht darauf haben ihre leiblichen Eltern kennen zu lernen. Jeder sollte die Möglichkeit bekommen, zu erfahren von wem er abstammt, wo seine Wurzeln sind.

Er war stolz auf Fridolin, seinen Vater, der zum Umdenken aufrief und somit einen Meilenstein in der Geschichte setzte.

Ende!

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Eine Fabelgeschichte von Liane Scholl

Tierwelt – Eine Geschichte aus der Welt des Kuckucksvogels

 Das war der letzte Teil aus der Tierwelt.

hier geht es zum vorangegangenen Teil: Kuckuck Fridolin hat Interesse an unserem Kind? – Tierwelt Teil 7

Eine Auflistung aller Teile findest Du hier.

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Über Liane R. Anderson

Bin ich mit 44 Jahren noch einmal Tochter geworden? Ich wurde im Oktober 1967 geboren, bin verheiratet und habe zwei tolle Kinder. Mein gesetzlicher Vater war Alkoholiker und sehr gewalttätig. Schon früh übernahm ich die Verantwortung für meine Mutter und meinen Bruder und organisierte mit nur 13 Jahren, unsere Flucht aus dieser Hölle. Mit viel Ehrgeiz und Kampfgeist erschaffte ich mir ein schöneres Leben. Bis ein einziger Satz mir den Boden unter den Füßen wegriss und meine komplette Identität in Frage stellte.
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