Opferabo auch für Rabenmütter? – ARD-Reportage von Gabriele Jenk – Kritik


Rabenmütter - Screenshot von der ARD-Mediathek

ARD – rbb – wdr – Reportage ‚Rabenmütter‘ von Gabriele Jenk – Opferabo auch für Rabenmütter – Screenshot von der ARD-Mediathek

Rabenmutter – Opferabo / Reportage – Gabriele Jenk / Kritik – Am Sonntag den 16.06.2013 um 16:30 Uhr, wurde im WDR Fernsehen der Beitrag „Rabenmütter“ ausgestrahlt. Es war eine Wiederholung vom 23.02.2013 vom rbb. In der WDR-Mediathek ist mittlerweile die „Reportage“ verschwunden, hingegen aber noch in der rbb-Mediathek zu finden. Damit man auch später noch

nachvollziehen kann, worauf ich mich beziehe, gibt es eine Mitschrift, die ich nachfolgend im Artikel als Zitat angehängt habe.

Gleich schon zu Beginn fiel mir auf, dass melancholische Gitarrenmusik den „Bericht“ einläutet. „Oha!“, dachte ich, jetzt wird eine wirklich traurige Sendung kommen. Doch die Musik wollte und wollte nicht enden und als dann doch auch die Produktionsleitung genug vom Saitenterror hatte, wurde dafür Akkordeonmusik zum Besten gegeben. Natürlich war auch die wieder eine suizidale Version, um anschließend wieder auf den Gitarrenselbstmord zurück zu kommen. Ständig gibt sich die Sprecherin Ute-Maria Torp im verständnisvollstem Ton, bis zu dem Punkt, als sie dann im sarkastischem Unterton über einen Vater berichtet, der so der O-Ton: „seit drei Jahren nur durch seine Abwesenheit glänzte“. Die Schlußfolgerungen, die Frau Jenk via Stimme von Frau Torp zum Besten gibt, stehen nicht selten sogar im Widerspruch zu dem, was man zuvor von den Interviewgeberinnen zu hören bekam. So z.B. sagte Stefanie (33, Rabenmutterkind):

„Als wir letztens meine Oma, also meine Mutter besucht haben, da haben wir nach dem Essen einen Spaziergang gemacht und Lilly ist dann mit meiner Mum vorweg gelaufen, beide Hand in Hand. Und da war so ein Punkt, wo ich gesagt habe, OK, ich habe mich gesehen, in Lillys Person, wie wir da so beide Hand in Hand laufen und in dem Moment hat mir was gefehlt. Dieser Mutter-Tochter-Zusammenhalt, dieses Enge, dass ich jetzt mit Lilly habe, dass ist … ich glaube, dass das existiert nicht zwischen meiner Mum und mir. Ich habe meine Mum gern‘, ich liebe sie, aber auf eine andere Art und Weise. Das war schon ein seltsames Bild, weil ich ja auch erinnern kann, als ich 10 Jahre alt war, dass ich solche Momente, als meine Mum gegangen ist, nicht mehr hatte.“

Später dann die Sprecherin aus dem Off:

“Weit verbreitet ist auch das Vorurteil, dass es Kindern schadet, wenn sie allein vom Vater ergezogen werden. Wissenschaftlich ist das längst widerlegt.“

Schön zu hören, dass alleinerziehende Väter nicht Kindern schaden, doch paßt es nicht, das dann so zu präsentieren, als wenn es für Kinder völlig harmlos und unschädlich sei, von der Mutter verlassen zu werden und gleichzeitig auf die bösen Väter zu zeigen, mit denen eine Umgangsregelung nur schwer zu treffen sei bzw. durch Abwesenheit glänzen würden.

Natürlich sind für die Fernsehautorin Mütter, die ihre Kinder verlassen, Opfer der gesellschaftlichen Normen:

„Das schlechte Gewissen bekämpft sie bis heute, genauso wie die gesellschaftlichen Vorurteile gegen Frauen wie sie.“

„Das geht allen Rabenmüttern so. Denn für ihre Entscheidung gibt es keine gesellschaftlich akzeptierten Vorbilder. Im Gegenteil, der Mythos der perfekten Mutter wird immer wieder neu beschworen.“

Das sind nur ein paar Leckerbissen von Gabriele Jenk. Ich kann jedem, der radikalfeministische genderideologisierte Propaganda erleben möchte, nahelegen, den Beitrag sich anzuschauen, solange der Opferabofilm noch online verfügbar ist.

Trotz alle dem ist es wertvoll, sich in die sogenannten Rabenmütter hineinzuversetzen und aus ihrem Blickwinkel ihre Entscheidungen sehen zu dürfen. Besonders erstaunt war ich, wie gut Veronika ihre Handlungen, ihre Situation und auch die Reaktionen ihrer Tochter reflektiert und beschrieben hat und dabei auch die Rolle des Vaters ihrer Tochter nicht abwertete, sondern sogar seinen eigenen Wert zusprach. Leider werden ihre Sätze nicht von Frau Jenk aufgegriffen und stießen da wohl vermutlich auch auf taube Ohren und somit werden einblickreiche Interviews zu einer „Rabenmütter sind Opfer und Väter privilegierte Täter“-Kommentierung verdreht. „Rabenmütter“ wurde dadurch als „Reportage“ disqualifiziert und zu einem Filmchen gemacht. Schade.

Mein Tipp: Schaut Euch die „Reportage“ an und blendet in Gedanken die Kommentare der Sprecherin aus, denn es ist wirklich interessant, wie die eine sehr gut reflektiert und die andere sich die Dinge nach ihrem Gusto zurechtbiegt.

Was ist Deine Meinung zu der Art und Weise dieser „Reportage“ und zu den Frauen, die interviewt wurden?

„Rabenmütter“
ein Film von Gabriele Jenk
Sprecherin: Ute-Maria Torp
Produktionsleitung: Christiane Seifart
Redaktion: Margarethe Steinhausen

Off-Sprecherin: „Auf den Weg in ein neues Leben. Immer wieder kommt es vor, dass auch Mütter ihre Koffer packen . Ihre Kinder bleiben zurück.“

Rabenmutterkind Stefanie 33: „Meine Mama ist weg. Ihr wollt mich nicht mehr .. so kurzzeitig: hatte ich so das Gefühl.“

Rabenmutter Veronika 28, Tochter Mina 5: „Ich saß heulend auf dem Fahrrad. Das hat mir so weh getan, weil ich einfach so mein Kind, also quasi zurückgelassen hab‘.

Rabenmutter  Katja: „Meine Kinder wissen, dass ich sie liebe. Irgendwann verstehen sie es vielleicht auch.“

Off-Sprecherin: „Katja ist 42 Jahre als und hat 2 Kinder. Sie steht vor ihrer größten Herausforderung ihres Lebens und will deshalb nicht erkannt werden. In wenigen Tagen wird sie ihre  10-jährige Tochter und den achtjährigen Sohn verlassen. Katja zieht zu einem anderen Mann in eine andere Stadt, in ein anderes Bundesland. Mit ihrem Ex-Mann, dem Vater ihrer Kinder, ist sie zusammen vor 12 Jahren nach Berlin gekommen. Ihre Kinder sind hier geboren, auf den Spielplatz gegangen, die Kita und die Schule besucht. Eine glückliche Familie. Dann ging die Ehe in die Brüche. Die Eltern trennten sich. Die Kinder blieben bei der Mutter, so wie in den meisten Familien. Doch dann passierte es.“

Katja: „Ich habe in Bayern ein Jobangebot bekomme und habe dement… (unterbricht sich im Wort) einen neuen Lebenspartner dazubekommen. Und das hat mich dazu bewogen, den Schritt zu gehen halt. Einf… von hier weg zu ziehen.

Off-Sprecherin: „Noch einmal von vorn anfangen. Ganz woanders, selbstverständlich mit ihren Kindern. So hatte Katja sich das vorgestellt. Aber das Gespräch mit ihrer 10-jährigen Tochter endete für Katja völlig überraschend.“

Katja: „Meine große Tochter die sagte gleich: ‚Nein Mama! Ich bleibe hier bei meinen Leuten, bei meinen Verwandten, bei meinen Freunden, ich will hier meine Schule beenden.‘ Mit bei meinem Kleinen, der hat dann gesagt: „Ich bleib‘ bei meiner Schwester!“. Die große hat eben  gleich gesagt: „Mama, Du liebst uns nicht mehr, warum machst Du das? Sie hat sehr dolle geweint und sie hat gesagt: „ne das verstehe ich nicht. Warum gehst Du weg?“

Off-Sprecherin: „Damit hatte Katja nicht gerechnet. Ihre Kinder zurücklassen? Unvorstellbar!“

Es gab Momente, wo ich sagte: „Das kannst Du nicht machen, du kannst Deine Kinder nicht im Stich lassen. Das geht nicht und … ja, es gab Momente, ja.“

Wechsel zur Rabenmutter Veronika

Off-Sprecherin: „Dieses Kinderzimmer gehört Mina, aber ihre Mutter Veronika muss nur zwei Mal im Monat das Kinderzimmer aufräumen, denn häufiger kommt sie nicht zu Besuch. Die Tochter lebt bei ihrem Vater. Vor einem halben Jahr hat sich Veronika für ein Leben ohne ihre Tochter entschieden. Dieser Entscheidung ist ein quälender Prozess vorausgegangen.

Veronika: „Wir haben es dann – glaube ich – noch einmal eineinhalb Jahr … habe es irgendwie geschafft und dann habe ich mich getrennt und dann haben wir noch einmal ein Jahr zusammen gewohnt und dann ein Jahr nach der Trennung habe ich dann gesagt: „Das geht nicht mehr, ich muss hier raus.“ Bin erst einmal zu meiner Schwester gezogen … … da wurde auch geraucht, dass war nichts, wo ich mir vorstellen konnte, da kann ich mit Kind auch sein. Und ich wollte sie da auch nicht so richtig rausreißen. Sie auch kurz davor stand in die Kita zu kommen und das war zuviel Trubel auf einmal und da habe ich entschieden, dass sie beim Vater bleibt, erstmal.“

Off-Sprecherin: „Eine folgenschwere Entscheidung. Als Veronika endlich eine eigene Wohnung für sich und ihre Tochter gefunden hatte, war es für ein Leben zu zweit zu spät. Mina lebte bei ihrem Vater und dessen neuer Familie und sie war glücklich dort.

Veronika: „Das war für mich nicht vorstellbar, sie da herauszunehmen, so im ersten Moment. Ich glaube, ich brauchte auch erst einmal Zeit für mich, da ich sie ja auch vorher die ganze Zeit alleine betreut hab‘. Das ich erstmal irgendwie von beiden auch ein Stück weit Abstand brauchte.“

Off-Sprecherin: „Mina und Veronika, fast vier Jahre lang eine innige Mutter-Tochter-Beziehung. Veronika hat Mina gestillt, die Kleine war ihr ein und alles. Dass sie einmal ihre Tochter beim Vater lassen und ihre eigenen Wege gehen würde, dass lag ausserhalb Veronikas Vorstellungswelt.

Veronika„Ich saß heulend auf dem Fahrrad. Das hat mir so weh getan, weil ich einfach so mein Kind also quasi zurückgelassen hab‘, ne. Das war kein schöner Moment“ Interviewerin (vermutlich Gabriela Jenk): „Weißt Du noch, was Du ihr gesagt hast?“ Veronika: „… Auf jeden Fall, dass ich sie lieb hab‘. Das ich jetzt erstmal woanders wohne. Aber in der ersten Zeit habe ich sie ja dann immer noch 12 Stunden am Tag betreut. Ich bin dann von der Wohnung meiner Schwester dahin gefahren, hab‘ sie dann betreut. .. wohne ja da auch, damit ich sie dann morgen wiedersehe.“

Off-Sprecherin: „Stefanie ist 33 jahre alt. Sie ist alleinerziehende Mutter der 11-jährigen Lilly. Der Vater hat die Familie vor einigen Jahren verlassen. Stefanie weiß, was es heißt, als Kind alleine zurück zu bleiben. Sie war selbst in Lillys Alter, als sich ihre Eltern trennten. Damals ging nicht der Vater, sondern Stefanies Mutter.

Stefanie: „Ich war eigentlich enttäuscht. Ich war eigentlich enttäuscht, dass sie jemanden kennengelernt hatte und dass der in dem Moment wichtiger erschien, also als ich in dem Moment als Kind. Und da war ich doch schon sehr enttäuscht, dass sie sich für ihn entschieden hat und, aber letztendlich … Ich bin ja auch zu meinem Vater gegangen, ich wollte ja auch zu meinem Vater, aber die Enttäuschung war trotzdem da. Heute sehe ich jetzt einfach, sie ist jetzt mit diesem Mann seit 16 Jahren möchte ich meinen, irre mich vielleicht auch – glücklich verheiratet und für sie war es wahrscheinlich eine gute Entscheidung. Aber für mich sah es damals so aus, dass es ähm … ja meine Mama ist weg.Ihr wollt mich nicht mehr .. so kurzzeitig hatte ich so das Gefühl.“

Off-Sprecherin: „Die Mutter ließ nur ein Album zurück. Sehnsuchtsbilder einer glücklichen Kindheit. Zwar hat Stefanies Mutter versucht, den Kontakt zu ihrer Tochter nicht abbrechen zu lassen, aber die Zeiten zwischen Verabredungen und Besuchen, waren für Stefanie ein emotionales Auf und Ab.

Stefanie: „Also ich kann mich an eine Situation erinnern. Wir waren haben uns regelmäßig nach der Scheidung einmal die Woche verabredet und ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, es gab einen Tag, da stand ich am Fenster und ich habe auf … ich habe auf meine Mutter gewartet und sie kam nicht. Und Sie kam nach einer halben Stunde nicht und nach einer Stunde nicht und diese Hoffnung, sie kommt doch, sie kommt doch. Es hat mich dort am Fenster stehen lassen, aber die Enttäuschung war letztendlich so groß, weil sie kam nicht und sie hat es mir versprochen gehabt und ich war traurig und ich war enttäuscht und es war doch ein Rückschlag und es war so’n, das war irgendwie, aus welchem Grund sie auch nicht gekommen ist, dass weiß ich nicht, aber das war ein schreckliches Gefühl.“

Off-Sprecherin: „Dieser Wechsel von Hoffnung und Enttäuschung produziert Aggressionen, Wut und Zorn gegen den, der nicht da ist, auf den sich ein Kind nicht mehr verlassen kann. Als Veronika die Familie verließ, war Tochter Mina erst 4 Jahre alt. Die Kleine hat ihrer Mutter deutlich gezeigt, was sie mit diesem Schritt ihr angetan hat.

Veronika: „Sie war unglaublich sauer auf mich und ich glaube, manchmal merkt man das immer noch. Ich glaube, dass sie das noch nicht ganz verwunden hat, dass ich gegangen bin. Weil wir waren vorher 24 Stunden am Tag beieinander und auf einmal war ich halt nicht mehr so da. Ich glaube schon, dass sie mir das immer noch ein bißchen was übel nimmt. Das wir noch ein bißschen was miteinander zu bearbeiten haben.“ Interviewerin: „Wie hat sich das geäußert, Veronika?“ Veronika: „Aggressionen gegen mich, ganz massiv auch. Sehr viel Ablehnung und ganz viel Loyalität dem Vater gegenüber. Also dass ich im Zweifelsfall immer die Blöde war und der Papa immer Recht hat.“ Interviewerin: „Und tat das weh?“ Veronika: „Und wie! Sowas will man vom eigenen Kind nicht besonders hören, dass man total doof ist und der Papa toll ist. Gerade, wenn man sich ja nun vom Papa getrennt hat, tut es dann weh, einfach so etwas dann zu hören.“

Stefanie: „Es fehlte was, vielleicht hatte ich es ja auch verdrängt. Ich hatte mich ganz auf meinen Vater konzentriert und er war auch immer für mich da. Von daher hat er  mich aufgefangen.“

Veronika: „Ne, also ich versuche es auch einfach so stehen zu lassen, als das sein zu lassen, als das, was es ist. Ich glaube, dass es auch einfach nur Ausdruck ihrer Verzweiflung, ihrer Wut, aber auch ihrer Liebe, weil ich meine, so etwas sagt man nicht einfach so. Ich glaube, das ist schon. (Schnitt)

Off-Sprecherin: „Nur 10 Prozent aller Väter ziehen nach einer Trennung die Kinder allein groß und das erst oft nach harten gerichtlichen Auseinandersetzungen. Alleinerziehende Väter sind selten und sie sind bewunderte Helden des Alltags. Einsame Kämpfer, die Job und Kind unter einen Hut bringen. Von Frauen wird das beinahe selbstverständlich erwartet. Wenn eine Frau eigene Wege, ohne Kinder geht, ist das ein Tabubruch. Sie ist eine Rabenmutter. Einen Begriff, den es so nur in Deutschland gibt“

Katja: „Es kam von jeder Seite, also auch von Freundesseite, auch von meinen Freunden. „Das kannst Du nicht machen und Deine Kinder, Du liebst sie doch.“ Ich liebe meine Kinder, das ist richtig. Aber ja, jetzt momentan ist es so, so jetzt zu dem Zeitpunkt, dass sich alle von mir abgewandt haben, alle. Das versteht keiner. Vor allem meine Mutter nicht. Ich habe ein sehr inniges Verhältnis zu meiner Mutter gehabt, bis vor einem Jahr und ich sage mal so: Mein Kämpfen, dass ich hier weggehen kann, dauert bis jetzt ein Jahr. Das ist jetzt nicht so, dass ich von jetzt auf gleich einfach verschwinde. Ich habe wirklich ein ganzes Jahr gebraucht und ich hab‘ in dem einen Jahr versucht, meiner Mutter und überhaupt meinen Eltern, meinem Vater und meiner Mutter versucht zu erklären, was in mir vorgeht. Sie verstehen es nicht. Sie akzeptieren es nicht. Mir hätte es schon gereicht, wenn meine Eltern mir gesagt hätten: „OK, wir verstehen es nicht, aber wir akzeptieren‘s. Aber es ist nicht geschehen.“

Veronika: „Sobald ich erzähle, die Kleine lebt bei ihrem Vater, nicht bei mir, ist immer schon ein Schlucken auf der anderen Seite, so „Oho, das ist aber ungewöhnlich!“ Das ist dann noch nett ausgedrückt. Ich höre da immer im Unterton, es muss schon irgendwie sein, warum das Kind nicht bei der lebt. Muss ich irgend etwas schlimmes gemacht haben oder keine Ahnung. Ich will nicht. Entweder bin ich sehr egoistisch und das Kind paßt nicht in mein Leben oder muss vielleicht etwas so schlimmes gemacht haben, dass es vielleicht von amtlicher Seite angeordnet wurde, dass das Kind nicht bei mir ist. Das ist das, was man immer so …“ Interviewerin: „Reagierst Du immer darauf?“ Veronika: „Ja, klar. Ich bin immer total in der Rechtfertigungsschleife und erzähle immer mein halbes Leben, wie es dazu gekommen ist. Aber ich glaube, es verstehen trotzdem wenig. Ich glaube, es versteht kaum einer, dass man sein Kind zurückläßt, weil es für das Kind das Beste ist. Das man da weniger auf sein Ego hört, sondern für sich so erachtet, dass das Kind da erstmal so besser aufgehoben ist.

Off-Sprecherin: „Nach der Trennung von Mann und Kind hat Veronika deutlich mehr Zeit für sich. Inzwischen kann sie das genießen. In den ersten Monaten allerdings hatte sie immer ein schlechtes Gewissen, weil sie sich in ihren freien Stunden nicht ständig sich um ihre kleine Tochter gekümmert hat. So wie es in den zurückliegenden vier Jahren Alltag war. Das schlechte Gewissen bekämpft sie bis heute, genauso wie die gesellschaftlichen Vorurteile gegen Frauen wie sie.“

Veronika: Ich glaube nicht, dass ich eine Rabenmutter bin. Ich glaube, ich habe einfach nach meinem besten Gewissen gehandelt, einfach, ähm ja und einfach auch in unser beider Interesse zu handeln. Die Entscheidung, wie sie jetzt gefallen ist, ist einfach, dass ich da einfach unser beider Leben berücksichtige und meines findet hier statt und ist hier glücklich und hat hier eine Zukunft und ihres halt woanders. Ich glaube, es würde uns beiden nicht gutgehen, wenn der eine zum anderen ziehen würde.“

Katja: „Momentan bin ich ja noch mit meinen Kindern zusammen. Es ist ja nicht so, dass ich die jetzt … (Schweigen), dass ich jetzt nicht mehr mit denen rede, oder oder irgendwie was. Ich muss auch dazu sagen, wir verstehen uns noch sehr gut, also und ich wünsch‘ mir auch, dass das Verhältniss nicht abbricht. Ich bin auf jeden Fall eine gute Mutter. Ich liebe meine Kinder.“

Stefanie: „Ich möchte meine Mutter nicht jetzt als Rabenmutter bezeichnen. Ich hatte eine schöne Kindheit. Aber dieser Weggang, dass sie sich für einen anderen Mann entschieden hat, war Enttäuschung genug, dass ich mir selber sage, dass würde ich nicht tun wollen. Egal, wie verliebt ich in einen Mann wäre, aber dieses Kind gehört zu meiner Familie. Und ich möchte mich darum kümmern, ich will für das Kind da sein.

Off-Sprecherin: „Ein Kind gehört zur Mutter. Ein ehernes Gesetz, dass lange kaum jemand in Frage gestellt hat. Obwohl sich das traditionelle Familienbild verändert, sind Frauen, die sich gegen ihre Mutterpflichten entscheiden, die absolute Ausnahme. Vieleicht gibt es deshalb in ganz Deutschland auch nur eine Beratungsstelle für diese Mütter. Auch die Sozialarbeiterin Veronika hatte in ihrer Familie und in ihrem Freundeskreis mit Vorbehalten zu kämpfen. Inzwischen haben die meisten ihre Entscheidung ohne Tochter zu leben akzeptiert. Trotzdem spürt Veronika immer wieder massive Vorbehalte, wenn sie neuen Freunden ihre Geschichte erzählt. Das geht vielen Frauen so, die sich ähnlich entschieden haben.“

Veronika: „Naja, was ich mir vorstellen kann, rein vom biologischen her ist es ja schon, dass viele Mütter ihr Kind ja auch stillen, so auch ich. Ich glaube darüber wird auch einfach so ‘ne enge Bindung hergestellt. Ich möchte das aber auch Vätern nicht absprechen, dass auch sie eine enge Bindung zu ihrem Kind haben. Also, wenn die viel für’s Kind da waren, ist das auch genauso gegeben. Ich glaube aber, dass es … ich weiß nicht, in unserer Gesellschaft ist es irgendwie immer noch so, dass ja, ne Frau, wenn sie Mutter geworden ist, muss sie vom Muttersein total erfüllt sein. Das muss das einzig Wahre sein und dann ist es auch einfach total sträflich, sein Kind zu verlassen. Ne, also wirklich. Wenn man weg geht, wird das immer so ausgedeutet, man verläßt es, man läßt es im Stich und bestenfalls meldet sie sich auch nie wieder. Ja, denke halt so, das ist ein ganz tradiertes Bild vom Muttersein, einfach.“

Katja: „Das Bild paßt nicht in die heutige Gesellschaft. Die Männer kommen und gehen. Da sagt keiner was. Vielleicht ab und an mal ein böses Wort. Aber Mütter sind diejenigen, die die Kinder halt großziehen. Das ist so. Das ist so von früher so, das ist jetzt so, so denke ich das. Dieses alte Denken.“

Off-Sprecherin: „Der Gedanke, dass kleine Kinder bei der Mutter besser aufgehoben sind, als beim Vater, ist tief verwurzelt. Mütter, die ihre Kinder verlassen gelten als lieblos, selbstsüchtig und verantwortungslos. Weit verbreitet ist auch das Vorurteil, dass es Kindern schadet, wenn sie allein vom Vater ergezogen werden. Wissenschaftlich ist das längst widerlegt. Für Gutachter bei Sorgerechtsstreitigkeiten ist es zweitrangig, ob Väter oder Mütter die besseren Erzieher sind.“

Wiebke Wagner, Dipl. Psychologin: „Also, wir sagen: „Hauptsache den Kindern geht es gut.“ Aber natürlich bedeutet das nicht, das es den Kindern nur bei den Müttern gut geht. Erstens Mal ist das natürlich so, dass wenn man die Entscheidung treffen muß, ob das Kind zukünftig beim Vater oder bei der Mutter lebt, beziehungsweise, wenn man eine Entscheidung treffen muß, dass zu Gunsten des einen oder anderen Elternteils ist es immer für das Kind erstmal schlecht. Am Besten ist es, die Eltern einigen sich und das Familienrecht hat eigentlich das Ziel, die Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen auch nach der Trennung zu erhalten.“

Off-Sprecherin: „In Lillys Fall ein frommer Wunsch. Ihr Vater glänzt seit drei Jahren durch Abwesenheit. Keine Besuche, kein Anruf, nicht mal ‘ne Karte zum Geburtstag. Stefanie weiß, was Lilly durchmacht. In ihrer Tochter sieht sie sich selber, wie schmerzhaft es war, sich der Elternliebe nicht mehr sicher sein zu können.“

Stefanie: „Ich mußte mit dieser Situation zurechtkommen. Mein Vater und ich, wir beide eine kleine Familie, dann eben ohne meine Mum. Und es war OK. Es hat mich stark gemacht, ich hab‘ mich durchgekämpft, ich habe viele Dinge selber erfahren müssen auch, die man von Müttern vielleicht erzählt bekommt. Geschichten, die einem ans Herz gehen und gewisse Erfahrungen, die die Mutter auch der Tochter vermittelt, das mußt ich mir selber praktisch aneignen, aber ich geb’s jetzt weiter und es ist schön.“

Off-Sprecherin: „Es sind nur Fotos, die Katja in ihr neues Leben mitnimmt. Die Kinder bleiben zurück. Katja ahnt, dass sie einen Berg an Schuldgefühlen mit im Gepäck hat, den sie nicht einfach abschütteln kann.“

Katja: „Im Vordergrund stehen momentan meine Kinder. Das ist ganz wichtig. Was mich jetzt angeht, ich krieg das irgendwie hin. Aber wirklich im Vordergrund stehen die Kinder und ich möchte schon, dass es denen wirklich gut geht. Beim Papa sind sie gut aufgehoben, in ihrer Umgebung. Das war nicht ganz einfach, das ganze Jahr, weil am Anfang habe ich ebend unbedingt gewollt, dass die beiden mitkommen, habe aber ganz schnell gemerkt, dass es nicht so ist. Dann bin ich dann halt schweren Herzens diesen Schritt gegangen. Dass sie dann halt hierbleiben sollen.“

Veronika: „Letztendlich hieß es dann ja auch immer, dass sie so verbunden ist mit diesem Ort, dass ich sie da nicht rausholen kann. Und dann irgendwann war es auch tatsächlich auch so. Der Vater hat ‘ne neue Freundin, mit auch noch einem weiteren Kind. Die wohnen jetzt halt alle als kleine Familie zusammen. Und irgendwann war es dann halt einfach so verwachsen miteinander, dass ich das auch nicht mehr wirklich mit gutem Gewissen hätte machen können. Die Kleine da rausholen das …“

Off-Sprecherin: „Das geht allen Rabenmüttern so. Denn für ihre Entscheidung gibt es keine gesellschaftlich akzeptierten Vorbilder. Im Gegenteil, der Mythos der perfekten Mutter wird immer wieder neu beschworen. Neue Lebensentwürfe müssen mühsam erkämpft werden. Sicher ist, neue Erziehungsmodelle funktionieren nur, wenn getrennte Paare an einem Strang zieh‘n.“

Wiebke Wagner: „Wir fragen auch, welcher Elternteil ist besser in der Lage, die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil zu pflegen oder nicht nur zu pflegen, sondern aktiv und positiv zu unterstützen. Und derjenige Elternteil ist z.B. besser geeignet. Das Kind als Hauptbezugsperson zu betreuen unter anderem der besser in der Lage ist, die Beziehung des Kindes zum anderen aufrecht zu erhalten. Das nennt man Bindungsstoleranz.“

Off-Sprecherin: „Für ihre Tochter dazusein. Immer, jederzeit, das hat sich Stefanie geschworen und das hat sie Lilly versprochen. Sie will ihr die mütterliche Sicherheit geben, die sie selbst nicht hatte. Obwohl Stefanie mit ihrem Vater glücklich war, hat sie immer noch das Gefühl, das ihr etwas fehlt. Ihrer Mutter hat sie zwar verziehen, aber vergessen kann sie nicht.“

Stefanie: „So engen Kontakt haben wir so nicht, möchte ich meinen. Aber wir besuchen uns. Das ist aber auch nicht viel im Jahr. Ich kenn‘ es ja auch nicht anders. Also ich sehe andere Mütter immer, wie sie mit ihren erwachsenen Töchtern heute umgehen und das ist, also da merke ich dann schon, da fehlt was, also. Was sich in der Zeit als Kind vielleicht in den wichtigen Jahren, Pubertät nicht von meiner Mum mitbekommen habe. Und, aber ich komme damit zurecht.“

Veronika: „Wenn sie mal fragt, warum ich gegangen bin. Ich glaube, dass es mir einfach nicht gut ging. Ich glaube, dass ich einfach Zeit für mich brauchte, einen Moment und … Ich weiß garnicht, ob ich damit kommen soll, das Papa und ich uns nicht mehr gut verstanden haben. Das finde ich schwierig, ich möchte da den Papa eigentlich nicht in Mißkredit bringen. Das fällt mir schon schwer, dass ehrlich zu beantworten, warum ich gegangen bin. Ohne sie halt damit zu verletzen.“

Stefanie: „Ich glaube, mein größter Wunsch ist es eigentlich, eines Tages über alles reden zu können und das wird vielleicht auch so eines Tages passieren. Aber es ist ganz einfach so, dass – ähm – gewisse Dinge brauchen vielleicht auch Zeit. Gut, ich bin jetzt 33 und ich hätte jetzt mir bis heute mir immer gewünscht, dass meine Mum, auf mich mal zukommt. Eines Tages wird der Zeitpunkt kommen, da werden wir uns aussprechen. Und darauf freue ich mich auch schon.“

Off-Sprecherin: „Nur noch wenige Tage, dann wird sich Katja von ihren Kindern verabschieden. Auf ungewisse Zeit. Der Tag X steht bevor. Sie hat gemischte Gefühle. Meistens dominiert die Angst ihre Entscheidung eines Tages zu bereuen.“

Katja: „Auf eine Art freue ich mich auf mein neues Leben wirklich richtig dolle.Das ist für mich ein komplett neues Leben. Neue Arbeit, neuer Mann, aber es fehlt irgendwo was. Es fehlen einfach wo die Kinder. Es wird so sein, soweit konnte ich mich mit meinem Mann verständigen, dass ich die Kinder halt in den Ferien habe, wenn sie möchten. Ich zwinge sie zu nichts, Ich habe es akzeptiert, ihre Entscheidung, hier zu bleiben, beim Papa. Aber die Entscheidung ist am Anfang mir nicht leicht gefallen. Ich wollte meine Kinder mitnehmen. Meine Kinder wissen, dass ich sie liebe. Irgendwann verstehen sie es dann vielleicht auch.“

Off-Sprecherin: „Nur alle 14 Tage kommt ihre Tochter zu Besuch. Darauf haben sich Veronika und Minas Vater mühsam geeinigt. Auch wenn Veronika nicht mehr mit ihrer Tochter lebt, will sie sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Sie will unbedingt den Kontakt halten, wissen, wie es Mina geht und für sie dasein, wenn auch zeitlich eingeschränkt. Sie überlegt, was sie mit Mina spielen, welche Geschichte sie ihr erzählen wird. So, wie es für andere Mütter Alltag ist.“

Veronika: „Klar, manchmal fehlt mir das total. Aber ich mein, das haben wir dann trotzdem auch, wenn sie hier ist und das genieße ich dann sehr. Ich glaube, sie auch. Also, wir machen das ja echt so als Ritual, also jeden Abend Geschichte vorlesen und dann kuscheln wir noch einmal und so. Dann sage ich ihr noch einmal, dass ich sie lieb hab‘ und ‘ne gute Nacht wünsche. Also, diese innigen Momente haben wir halt trotzdem, nur sie sind dann nicht so häufig, wie wenn sie bei mir wäre. Vielleicht aber um so intensiver und von beiden Seiten mehr genossen, weil eben nicht alltäglich.“

Stefanie: „Als wir letztens meine Oma, also meine Mutter besucht haben, da haben wir nach dem Essen einen Spaziergang gemacht und Lilly ist dann mit meiner Mum vorweg gelaufen, beide Hand in Hand. Und da war so ein Punkt, wo ich gesagt habe, OK, ich habe mich gesehen, in Lillys Person, wie wir da so beide Hand in Hand laufen und in dem Moment hat mir was gefehlt. Dieser Mutter-Tochter-Zusammenhalt, dieses Enge, dass ich jetzt mit Lilly habe, dass ist … ich glaube, dass das existiert nicht zwischen meiner Mum und mir. Ich habe meine Mum gern‘, ich liebe sie, aber auf eine andere Art und Weise. Das war schon ein seltsames Bild, weil ich ja auch erinnern kann, als ich 10 Jahre alt war, dass ich solche Momente, als meine Mum gegangen ist, nicht mehr hatte.“

Interviewerin: „Hattest Du, wenn Du ganz tief in Dich hineinbuddelst, mal so eine Situation gehabt – vieleicht einen Moment auch nur – wo Du da Deine Entscheidung bereut hast?“

Veronika: „Ja! Das ist eigentlich in dem Moment, wo ich sie so wahnsinnig vermisse. Also gerade an den Tagen, wo die Übergabe ist und sie da wieder weg ist, ist das schon manchmal echt hart, aber … ja … aber grundsätzlich glaube ich schon, ist es das Richtige.“

Off-Sprecherin: „Der Tag X ist da, Katjas bisheriges Leben mit den Kindern ist vorbei. Sie geht, mit einem Versprechen für ihre Kinder.

Katja: „Wir haben ihnen das jedes Mal gesagt, wenn irgendwas ist, ruft an, die Tür steht für Euch immer offen. Ihr könnt jederzeit kommen, Tag und Nacht, egal, was ist. Und das bekommen wir auch hin, das weiß ich.“

Off-Sprecherin: „Katja wird künftig nicht mehr um die Ecke wohnen. Sie fährt 800 km weit weg. 800 km die bei zwischen ihr und ihren Kindern liegen. Wird ihr Ex-Mann sie wirklich im Alltag ersetzen können? Wie wird sie es verkraften, dass sie sich nicht mehr täglich um ihre Kinder kümmern kann? Wer wird die Kinder trösten, die fragen, warum die Mama nicht mehr da ist? Fragen, die schwerer sind, als Katjas Koffer. Sie wird mit ihnen leben müssen. Katja weiß das alles und hält ihren Schritt trotz allem für richtig.“

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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