Vaterschaftsanfechtungsverfahren, was für ein Wort – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 36


Aufnahme vom Eingang des Amtsgerichtes Hamburg - Harburg

Amtsgericht – Familiengericht Hamburg-Harburg – Betreten auf eigene Gefahr! – © Foto: Benjamin Hummel

Kuckuckskind – Gericht – Vaterschaftsanfechtungsverfahren – Ablauf – Vaterschaftstest – Härtescheidungsverfahren / Spiegelwelten – Serie – Eilig nehme ich noch einen letzten Schluck Kaffee und lasse die Tasse halbvoll zurück. Kaum habe ich das Haus verlassen, klingelt mein Smartphone und ich sehe, dass es Mutti ist. Schnell öffne ich den VW-Bus und stecke das Handy in die Freisprechvorrichtung und fahre los. “Hallo mein Sohnemann. Wir sind schon am Familiengericht und warten auf Dich. Wo bleibst Du?” “Bin gerade losgefahren und in 10 Minuten bin ich da, damit also noch gut vor dem Termin. Ciao.” “Deinen Anwalt haben wir

auch schon gesehen, wie er die Anwältin von dieser Person begrüßte.“ „Du Mutti, wir sehen uns gleich“ verabschiede ich mich von ihr und lege auf.

Beim Einparken kommt mir Paps schon mit einem Coffee-To-Go und einem Croissant entgegen. “Hey, das ist für Dich!” sagt er, während er mir die Sachen in die Hände drückt. “Danke” sage ich, während ich gleich hineinbeiße. “Mutter ist drin und starrt Deine Ex an. Mir ist das zu peinlich.” Verlegen kratzt er sich am Nacken. “Och, ich find’ das gut!”, sage ich lächelnd und nehme den letzten Bissen mit einem Schluck Milchkaffee. Im Flur sehe ich Mutter mit meinem Anwalt sprechen und begrüße beide: “Hallo, wie ich sehe, habt Ihr Euch schon einander vorgestellt.” “Klar, kann doch eins und eins zusammenzählen”, entgegnet meine Mutter. “Und, bereit für die Etappe Zwei?”, fragt er mich augenzwinkernd. “Und ob ich das bin!” “Die Anwältin ist richtig sauer und wenn sie unauffällig rüber schauen, werden sie sehen, dass die beiden kein einziges Wort miteinander wechseln. Das sie sauer ist, ist gut für uns. Für gewöhnlich verhaspelt sie sich dann häufig und verliert auch schon einmal den Faden. Bin gespannt, was heute im Gerichtssaal passieren wird.” In diesem Moment geht auch schon die Saaltür auf und ein paar Leute strömen aus der geschlossenen Verhandlung hinaus und wir treten, gleich nachdem wir Dir und Deiner Anwältin den Vortritt lassen, ein. Der Richter deutet uns mit einer Geste freundlich die Plätze an. “Ein Glück, dass die Kleine nicht da ist”, denke ich mir und setze mich erleichtert hin. Nun sitze ich hier Dir Auge in Auge gegenüber. Du schaust mich voller Hass mit Deinen kalten blauen Augen an. Ein wenig fröstelt es mich, doch ich wende meinen Blick nicht von Dir ab, ehe Du es tust.

Alles zieht wie im Rausch an mir vorbei. Die Nennung der Parteien und ihrer Vertreter,  die Klageschrift zur Vaterschaftsanfechtung, das Sachverständigengutachten … “Vaterschaftsanfechtungsverfahren, was ist das nur für ein Wort?”, denke ich, als ob ich gar nicht von dem Verfahren betroffen wäre. Draußen vor der Tür höre ich ein Kleinkind schreien, es klingt wie meine kleine Prinzessin, ob sie es ist?. “Die Zeugin verweigert ihre Aussage unter Berufung des Paragraphen 383 der ZPO”, höre ich Deine Anwältin sagen. Es reißt mich aus meiner Lähmung und jetzt bin ich wieder ganz präsent und sehe aus dem Augenwinkel, wie meinem Anwalt ein Lächeln übers Gesicht huscht. “… und meine Mandantin legt keine Einwände gegen die Vaterschaftsanfechtung ein.”

Deine Augen füllen sich, doch Deine Miene bleibt unverändert und Du trocknest Dir die Tränen mit den Handrücken und verwischst Dir dabei die Wimperntusche. Jetzt erst sehe ich, wie schlecht Du aussiehst. Auch Du schaust mir in die Augen. Das geht noch eine Weile so, bis mein Anwalt mich anstupst und fröhlich sagt: “Gratuliere! Du bist wieder kinderlos!” “Ja, danke”, antworte ich halb automatisch und mache mich auf den Weg aus dem Gerichtsaal. Ich kann einfach nicht fassen, was ich gerade erlebt habe.

Beim Verlassen des Saales sehe ich Deinen Liebhaber mit der weinenden Kleinen auf dem Arm auf Dich warten. Es schmerzt mich sehr. Er nickt mir kurz zu und meine Prinzessin streckt ihre Ärmchen in meine Richtung und ruft „Papa!“. Ein großer Kloß macht sich in meinem Hals bemerkbar und mein Magen fühlt sich an, als wenn mir jemand gerade hineingeboxt hätte. Eilig und verlegen wende ich mich von ihr ab und verschwinde durch den Hauptausgang ins Freie. Dort warten auch schon meine Eltern zusammen mit meinem Anwalt, von welchem ich mich hastig verabschiede. „Ich will nur schnell weg von hier“, denke ich und wende mich meinen Eltern zu. “Was war denn das eben für eine komische Nummer, die Du zusammen mit Deiner Ex abgezogen hast?”, fragt mich Paps völlig verwirrt. “Keine Ahnung, bin selbst irritiert. Bitte lasse uns gehen, ich möchte der Kleinen nicht noch einmal begegnen.“

Ein gutes halbes Jahr später hast Du Deine Anwältin gewechselt und ich werde das Härtescheidungsverfahren wahrscheinlich durchbekommen und heute Dich erstmals seitdem wiedersehen. Wieder betrete ich die Stufen des Amtsgerichtes, doch diesmal mit leichteren Gedanken, als sonst zuvor. Im Flur vor dem Gerichtssaal stehst Du hochschwanger mit Deinem Liebhaber und der Kleinen zusammen mit dem neuen Anwalt. Ich begrüße Euch kurz mit einem knappen „Hallo“ und setze mich auf die Bank neben meinen Rechtsanwalt, der mit seinen Unterlagen zugange ist.

In der Verhandlung einigen wir uns darauf, dass Du den hälftigen Zugewinnausgleich abzüglich meiner Leistungen für die Kleine bekommst, da ich es sonst eh von Deinem inzwischen Verlobten zurückholen würde. Im Anschluss gehen mein Anwalt und ich in mein Lieblingscafé. Dort berichte ich meiner Freundin – ja, es ist die Bedienung – von dem Scheidungstermin und meiner Begegnung mit Dir. Sie verabscheut Dich zutiefst. „Von wem ist sie denn diesmal schwanger?“, fragt sie sarkastisch nach. „Von mir zum Glück nicht“ antworte ich erleichtert und gebe ihr einen Kuss.

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Das ist nun der letzte Teil der Serie „Spiegelwelten“. Ganz herzlichen Dank an die Autorin Claudia Knieriem, die durch ihre große Einfühlsamkeit den Part der Kuckucksmutter lebhaft und glaubwürdig beschrieben hat. Es hat mir sehr große Freude gemacht, mit ihr zusammenzuarbeiten und ihre schriftstellerischen Ratschläge halfen mir sehr. An der Stelle weise ich besonders auf ihre beiden lesenswerten Blogs Gestochen Scharf und Näher am Leben hin.

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihr: Lügen, Streit und Intrigen – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 35

Und alle Teile im Überlick: hier klicken!

Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Geschichts-Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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