Lügen, Streit und Intrigen – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 35


Schlüselbund mit zwei goldenen Schlüsseln

Voller Wut stopfe ich Handy und Haustürschlüssel in meine Handtasche. – © Foto Nimalan Tharmalingam, London, Vereinigtes Königreich

Kuckuckskind –  / Gericht – Zweifel- Zweijahresfrist – Zeugin – Vaterschaftsanfechtung  / Autorin – Claudia Knieriem – „So wirklich verstehen kann ich Dein Verhalten nicht. Du schienst mir die ganze Zeit so sicher zu sein, dass ich der Vater bin. Warum dann mit Gewalt dieses ganze Procedere?“ Immer wieder führen wir solche Gespräche, mein neuer Lebensgefährte und ich. Und jedes Mal bringt er mich damit zur Weißglut. „Hättest Du es denn

mit 100%iger Sicherheit sagen können? Die Möglichkeit bestand eben, ob es Dir nun schmeckt oder nicht – und dann soll er für sein Kind zahlen.“ „Hätte zahlen sollen … Meine Güte! Du hast es doch nun schwarz auf weiß: Eine Vaterschaft ist zu 100% ausgeschlossen. 100%!“

„… und für seine Gemeinheiten bluten, auch wenn sein Vater ihn dazu angestachelt hat“, beende ich meinen Satz. „Es kann ein Fehler im Labor vorliegen. Und selbst wenn nicht: Ich will ihm das Leben schwer machen! Basta. Der knickt schon noch ein. Früher hat er ja auch keinen Pieps raus bekommen, immer alles im Weichspülgang. Und eines guten Tages kann ‘Paps‘ ihm auch nicht mehr helfen. Seine Frau vor die Tür zu setzen ist das Eine, doch eine neue Frau kennen zu lernen, das Andere. Wahrscheinlich verschanzt er sich eh in unserem viel zu großen Haus und schmiedet neue Rachepläne gegen mich.“ Es erstaunt mich selbst, wie sehr ich mich in Rage rede und sehe ein Aufblitzen in seinen Augen, als verheimliche er mir etwas.

„Was?“, frage ich nur. Er schweigt noch immer, doch ein verschmitzt-boshaftes Lächeln umspielt seine Lippen. Ich fühle mich unwohl in meiner Haut, habe Angst vor seinen messerscharfen Worten, wie er sie in der Vergangenheit oft schon eingesetzt hatte. Wenn er einfach keinen Bock mehr auf Diskussionen verspürt, seine Ruhe gewollt, sich zurückgezogen hatte, tagelang nichts mehr von mir hatte wissen wollen, bis wir uns trennten, weil ich es nicht mehr ausgehalten hatte. Er konnte mir nicht mehr nah sein – und ich wollte geliebt werden, dann besonders.

„Vielleicht kennst Du Deinen Ex-Mann gar nicht so gut, wie Du glaubst. Mir schien er recht ausgeglichen und selbstsicher – das sah die Kellnerin im Café meiner Meinung nach ebenso.“ Bitte was? Ich traue meinen Ohren nicht. Mein Ex und mein Ex-Ex treffen sich hinter meinem Rücken? „Und wann wolltest Du mir sagen, dass Du Dich heimlich mit ihm triffst?“ Voller Wut stopfe ich Handy und Haustürschlüssel in meine Handtasche. Ich bin schon im Begriff das Haus zu verlassen, als er mich beim Arm packt. „Nun warte doch. So war es doch gar nicht … Ich hab mich dort mit meinem neuen Mitarbeiter getroffen, Du kennst ihn, der Freund von Deinem Mann, Ex-Mann …“ „Ach ja?! Noch so’n Loser. Dass Du den überhaupt eingestellt hast …“ Ich fühle mich von allen betrogen und verraten. Er hält mich immer noch am Arm. „Lass mich!“, zische ich ihn an. „Ich habe einen Termin bei meiner Anwältin. Wenigstens eine Person, die auf meiner Seite steht!“ Draußen renne ich beinahe den Postboten über den Haufen, so energisch trete ich vor die Tür. Er scheint mich nicht zu mögen, sieht mich finster an. „Ihre Post …“ Doch ich bin schon an ihm vorbei.

Meine Laune will sich auch nicht recht heben als mir meine Anwältin das Vaterschaftsanfechtungsverfahren erklärt. „Und deshalb lassen wir Sie als Zeugin auftreten. Sie brauchen lediglich auszusagen, dass Ihr Ex-Mann schon immer an seiner Vaterschaft gezweifelt hätte. Er war sich die ganze Zeit über unsicher gewesen, hatte aber ohne Klage die Vaterrolle angenommen und erfüllt. Und so schaffen wir es vielleicht, die zweijahres Frist auszureizen. Sind die zwei Jahre erst abgelaufen, muss er zahlen. Für immer.“

Meine Anwältin scheint im Augenblick mehr Gefallen an ihren Ausführungen zu finden, als ich. Wenn ich als Zeugin vor Gericht aussage, bin ich dann nicht unglaubwürdig? Ich habe in jede Richtung versichert, dass Du der Vater der Kleinen bist. Deine Freude aufs Baby war riesig, das konnte jeder sehen, sowie die nichtvorhandene Ähnlichkeit mit Dir… trotzdem – wenn ich nun behaupte, Du hättest von Anfang an Zweifel gehabt, wer von meinen Freunden wird mir noch glauben?

Mein Partner wird mich noch weniger verstehen. Was tue ich ihm damit an? Im Grunde erkenne ich ihm die Vaterschaft ab.

„Ich denk‘ drüber nach. Tut mir leid, ich muss jetzt gehen, ich ruf‘ Sie an.“ Und noch ehe sie etwas erwidern kann, bin ich schon raus. Ich brauche dringend frische Luft. In meinem Kopf dreht sich alles, ich habe mein Ziel aus den Augen verloren und hasse meine Lügen. Nur weiß ich beim besten Willen nicht, wie ich aus der Nummer rauskommen soll. Zum ersten Mal in meinem Leben wird mir schwarz vor Augen. Ich spüre noch zwei kräftige, zupackende Hände und klinke mich kurz aus dieser Welt aus.

Als ich wieder zu mir komme, schaue ich in die tiefbraunen Augen Deines besten Freundes, dem Versager. Ich erinnere mich für den Bruchteil einer Sekunde, ihnen schon einmal so nah gewesen zu sein. „Na, meine Liebe, Du hast ein Händchen für gutes Timing, hm?! Wie geht’s der Kleinen?“ Er sieht beinahe belustigt aus. „Verfolgst Du mich? Reicht es Dir nicht, der Freund meines Mannes und Mitarbeiter meines Lebensgefährten zu sein? Was geht es Dich an, wie es der Kleinen geht? – Und nimm endlich Deine Hand von meinem Arm!“, keife ich ihn an, rapple mich auf und verschwinde, ohne mich zu bedanken.

Vom Regen in die Traufe, heute bleibt mir einfach nichts erspart …

© Claudia Knieriem Juli 2013

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Fortsetzung Vaterschaftsanfechtungsverfahren, was für ein Wort – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 36

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihm: Der Trottel läuft sehenden Auges in sein Verderben – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 34

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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