Der Trottel läuft sehenden Auges in sein Verderben – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 34


Wiener Melange in einem Café

Nun ist es ebenfalls mein Lieblingscafé und die Bedienung …  – © CC2.0 Foto: Rüdiger Wölk

Kuckuckskind – Arzt – Vaterschaftstest – Ablauf – Gericht – Vaterschaftsfeststellungsverfahren / Spiegelwelten – Serie – Fast beim Arzt angekommen, sehe ich Dich mit der Kleinen auf dem Arm die Arztpraxis verlassen und Dein alter neuer Freund begrüßt Dich herzlich. Dass ich Dir auf den Leim gegangen war, ist ja schon schlimm genug, aber der Trottel läuft sehenden Auges in sein Verderben. Ihm muss doch klar sein, dass man Dir nichts glauben kann, was man nicht selbst zu überprüfen vermag. Früher oder später wirst Du ihm ebenfalls fremdgehen.

Nun kann jeder sehen, wer Du wirklich bist, erst recht, sobald das offizielle Resultat des Vaterschaftstest bekannt wird. Bestimmt wird Dir das bitter aufstoßen und mein Gefühl der Genugtuung kann und will ich mir dabei nicht verkneifen. Zu dumm, dass die kleine

Maus Deiner Skrupellosigkeit ausgesetzt ist. Zum Glück ist sie noch jung und wird sich  nicht mehr an mich erinnern können und damit auch nicht daran, wie Du sie verraten, betrogen und als Pfand missbraucht hast. Ich bin mir sicher, dass kein Kind Misstrauen in die eigene Mutter haben möchte und es für jeden eine Horrorvorstellung wäre, zu erfahren, dass man ein Leben lang von der Person, der man uneingeschränkt vertraut, angelogen wurde. Gänsehaut läuft über meinen Rücken. Ich habe mich ja total vergessen, stehe hier nun wie angewurzelt um Dich aus der Ferne beim Weggehen zu beobachten und ich bin nun ein wenig zu spät zu meinem Termin.

Die Arzthelferin am Empfang begrüßt mich freundlich mit einem “Bitte gehen sie direkt zum Zimmer 3, der Herr Doktor macht nur noch ein paar Notizen.” Auf dem Weg zum Zimmer kommt mir auch schon der Arzt entgegen. Ich kenne ihn vom Sehen vom Tennisverein, wusste gar nicht, dass er Arzt ist. “Dass wir uns hier eher sehen, als auf dem Platz, hätte ich nicht gedacht”, sagt er zur Begrüßung und schwingt den Arm wie beim Tennis, jedoch, um mir die Richtung zu weisen. Nach einem kurzen Smalltalk nimmt er mir den Fingerabdruck ab, lässt von der Assistentin eine Kopie meines Personalausweises machen, macht ein Foto von mir und macht zum Abschluss zwei Wangenabstriche und steckt diese unmittelbar in die Glasröhrchen und versiegelt sie zum Schluss. “So, dass war es auch schon! Wir sollten demnächst einmal ein Duell auf dem Platz wagen, oder?”, fragt er mich, als wenn gar nichts wäre. “Ja, gerne, wie wäre es mit nächster Woche?” Er stimmt zu und wir tauschen die Rufnummern aus und ich mache mich wieder auf den Weg zur Arbeit und bin verwundert, dass ich für einen Moment alles vergessen hatte.

Nach der Arbeit mache ich mich auf den Weg in die Stadt zu meinem neuen Lieblingscafé, in welchem ich mich mit meinem besten Freund verabredet habe. Ob die nette Bedienung heute auch da ist? Meine Erwartungen werden nicht enttäuscht, sie ist da und erblickt mich sogleich, als ich meinen Fuß über die Eingangsschwelle setze. Sie winkt mir fröhlich zu und deutet mit einer Geste ein Latte Macchiato an und ich nicke ihr zustimmend zu. “Mensch ist die süß”, denke ich mir. Mein bester Freund ist auch bereits da und winkt mir die Bedingung nachäffend zu. Sie, als auch ich sehen uns dabei unmittelbar aus der Ferne an und ich merke, wie ich leicht rot werde, während ihr Lächeln noch breiter wird. “Läuft was zwischen Euch?”, fragt er mich und zwickt mir dabei in die Seite. “Bisher noch nicht”, entgegne ich ihm und schwenke auf mein Erlebnis von heute um dann darauf hin von dem Gerichtstermin von vor drei Wochen und der dort verhandelten Vaterschaftsfeststellung zu berichten. Mit einem “Es war einfach total schräg, in das Gerichtsgebäude zu gehen und dort vor dem Gerichtsaal auf die Schlampe mit der Kleinen und Deinem Chef zu stoßen”, eröffne ich meine Erzählung. Ich nenne Dich nicht mehr beim Namen, sondern gebe Dir alle möglichen Titel, die zu Dir passen – ich brauche das für mich. Nach und nach erzähle ich ihm von all den kleinen und großen Gemeinheiten, die Deine Anwältin vor Gericht abzog, obwohl sie keinerlei Relevanz für die Entscheidung, ob ich einen Vaterschaftstest bekomme oder nicht hatten. Einfach mal ein wenig mit Dreck schmeißen, damit ich mich wenigstens unwohl fühle. Mit ihren tief heruntergezogenen Mundwinkeln ist sie der Alice Schwarzer nicht gerade unähnlich und macht ihrem Ruf als Männerhasserin alle Ehre. “Wer die einmal geheiratet hatte, muss nen Totalschaden gehabt haben und offensichtlich fanden sich offensichtlich drei Ahnungslose. Möchte nicht wissen, was mit denen geschehen ist”, schließe ich meinen Bericht ab. “Na, wenigstens wurde Dein Antrag genehmigt”, antwortet mein Kumpel und mit dem Kopf zur Kellnerin deutend schiebt er hinterher: “Warum heiraten, wo leasen doch so schön ist!”

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Fortsetzung Lügen, Streit und Intrigen – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 35

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihr: Folgen einer Nacht – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 33

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Geschichts-Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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