Aussprache zwischen Männern – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 32


Wiener Melange in einem Café

Schräges Erlebnis in seinem Lieblingscafé – © CC2.0 Foto: Rüdiger Wölk

Kuckuckskind – Anwalt – Lover – Aussprache / Spiegelwelten – Serie – „Ich muss noch etwas erledigen. Ich rufe Dich heute abend noch an. Und Chef, wir sehen uns dann morgen“, sagt mein bester Freund zu mir und Deinem Lover, steckt einen Fünfer unter die halbvolle Kaffeetasse und macht sich wie von der Tarantel gestochen auf den Weg.

„Ja, ich denke auch, dass wir miteinander reden sollten“, sagt Dein Ex-Ex und setzt sich auf den freigewordenen Stuhl. „Wie geht es der Kleinen?“, frage ich. „Anfangs schlief sie sehr schlecht, mittlerweile geht es aber.“ Die Bedienung räumt den Tisch ab und fragt: „Was darf’s sein?“ und wir bestellen jeweils einen Cappuccino. Unangenehme Stille macht sich breit und ich nehme meinen Mut zusammen und eröffne das eigentliche Thema. „Wie lange geht das schon mit Euch?“ Dein Liebhaber räuspert sich und antwortet leicht verlegen: „Wir sahen uns nur zwei Mal, aber was soll ich sagen, eigentlich hat es nie richtig aufgehört zwischen uns beiden zu knistern.“ Ich muss schlucken und fühle mich verletzt, aber Wut verspüre ich nicht auf ihn, umso mehr auf Dich. Der Gedanke, dass Du immer im Kopf und im Herzen bei ihm geblieben bist, ist abstoßend. Eine Schauer läuft mir über den Rücken. Die Cappuccinos werden uns serviert. „Und die Kleine ist also von Dir.“ „Ja“, antwortet er und schiebt hinterher: „Hey, dass die Kleine nicht von Dir sondern von mir ist, tut mir echt leid. Das war nicht geplant. Dass Dir letztens der Kragen geplatzt ist, kann ich verstehen, war aber trotzdem Scheiße von Dir.“ „Dir die Tür vor den Kopf zu knallen war echt nicht meine Absicht, sorry dafür noch.“ „Willst Du die Kleine wiedersehen? Ich könnte mal mit ihr reden, auch wenn es nur wenig Aussicht auf Erfolg hat.“ „Nein danke, lass gut sein. Es ist besser so, wie es ist“, erwidere ich, nehme einen guten letzten Schluck aus der Tasse und gebe der Bedienung ein Zeichen, dass ich bezahlen möchte. „Es ist eh schon echt schräg, dass wir zusammen einen Kaffee trinken, als wenn wir gute Freunde wären. Nichts für ungut. Dir wünsche ich viel Glück mit ihr, das wirst Du brauchen!“ Ich zahle bei der süßen Bedienung und mache mich auf den Weg zum Auto, rufe meinen Kumpel an und verabrede mich mit ihm bei mir zu Hause.

Es klingelt an der Haustür und als ich sie öffne steht statt meinem Freund Paps mit Grillzeug und Bier vor der Tür. „Komm rein, gleich kommt mein Kumpel auch dazu.“ Auf der Veranda schmeiße ich auch sogleich den Grill an und erzähle ihm von meiner seltsamen Begegnung der dritten Art mit Deinem neuen Lebensgefährten. „Mit dem hätte ich mich niemals an einen Tisch gesetzt! Hattest Du keine Lust, dem eins auf’s Maul zu hauen?“ „Nein, nicht im Geringsten. Es war mir wichtig zu wissen, was lief. Außerdem hat er damals echt cool reagiert, als ich ihm die Tür gegen seinen Kopf geschlagen hatte. Aber schräg war es schon“, schließe ich ab und schon klingelt es wieder an der Haustür und ich darf alles noch einmal meinem Freund erzählen. Wir lachen, trinken unser Bier und essen was der Magen fassen kann.

Der Wecker klingelt schrill und irgendwie lauter als sonst. Ich habe entsetzliche Kopfschmerzen und quäle mich mit Müh und Not zur Arbeit. Mein Chef sieht nicht begeistert aus als er mich sieht und steckt mir „Na, gab es was zu feiern?“ „Nicht wirklich“, erwidere ich und setze meine Arbeit fort. Ein Glück, dass ich mein Pensum abgearbeitet bekomme und es außer meiner verkaterten Erscheinung nichts weiter zu bemängeln gibt. In der Mittagspause treffe ich mich mit meinem Anwalt und seinem Lebensgefährten zum Essen und erfahre, dass der Vaterschaftstest nun vom Gericht festgesetzt wurde und die Probeentnahme in einer Woche stattfinden wird. „Werde ich dann auch die Kleine wiedersehen?“, frage ich in die Runde.

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Fortsetzung Folgen einer Nacht – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 33

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihr: Eine Lüge bleibt eine Lüge – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 31

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Geschichts-Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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