Eine Lüge bleibt eine Lüge – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 31


Babyshower Cupcakes

Die machen einfach die besten Cup-Cakes. © Foto by CC2.0: Sarah Baker, Sydney, Australia

Kuckuckskind –  Zweifel – Oma – Freundinnen / Ex-Mann –  Unterhalt / Autorin – Claudia Knieriem –  Diese Taktikgespräche mit meiner Anwältin gehen mir langsam auf die Nerven. Schlimm ist auch, dass es sich seit geraumer Zeit nicht mehr verheimlichen lässt, dass Du und ich uns richtiggehend bekriegen. Und so rausche ich aufgebracht in „Lehrkes Fischrestaurant“ und knalle meiner Mutter nach einer knappen Begrüßung den Wisch Deines Anwalts auf den Tisch. Sie sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen fragend an, möchte

ganz bestimmt dringend ihre Meinung kund tun, traut sich aber wohl nicht so recht. Wie immer, wenn ich vor Wut koche.

„Einen Vaterschaftstest, Mama! Ich fass es nicht. Er zweifelt wirklich an, der Vater der Kleinen zu sein. Wie weit muss man sinken, dass man sich solcher Mittel bedient?“ Nach einer halben Ewigkeit des Schweigens, ich sehe förmlich, dass meine Mutter mit sich ringt, ob sie sagen soll, was sie sagen will, kommt ein zaghaftes „Und? Sind seine Zweifel berechtigt?“ über ihre Lippen.

„Mama!“ Ich bin fassungslos. Mein eigen Fleisch und Blut … schlimmer kann es wirklich nicht kommen. „Wenn nicht ich diese Frage stellen darf, wer dann? Ähnlichkeit mit ihrem ‘Vater‘ hat die Lütte nun wirklich nicht, kaum dass man etwas von Dir in dem Kind sieht. Sogar Tante Elsi hat mich schon darauf angesprochen. Bist Du Dir denn wirklich sicher, dass er der Vater ist, Kind?“

Ich traue meinen Ohren kaum. Was muss ich denn noch alles durchmachen?! „Es ist mir scheißegal, was Tante Elsi meint zu sehen oder nicht zu sehen! Hat die nicht genug vor ihrer eigenen Türe zu kehren?!“ Mein Zorn kennt gerade keine Grenzen. Was hat mir dieser Idiot von Noch-Ehemann da nur eingebrockt? Jetzt muss ich mich schon vor meiner eigenen Familie rechtfertigen. Trotzig schiebe ich hinterher: „Ich weiß sogar exakt, an welchen Tag unsere Tochter gezeugt wurde. Noch irgendwelche Fragen, Mama?“

„Dann ist es ja gut … Der Lachs schmeckt hier ganz vorzüglich. Nehmen wir auch ein Glas Weißwein dazu?“ Für sie ist das Thema damit gegessen. Wie so häufig, wenn es brenzlig wird, zieht sie sich in ihre „Ich-will-doch-nur-Ruhe-und-Frieden-Welt“ zurück. Mir soll es Recht sein. Ich bringe unser Essen leicht distanziert hinter mich. Währenddessen verfestigt sich der Gedanke, dass ich Dir das Leben so schwer wie möglich machen werde. Zunächst hatte ich meine Rechtsanwältin heute Vormittag von überzogenen Unterhaltsforderungen abgebracht, doch nach dem Disput mit meiner Mutter schicke ich ihr eine kurze Email mit den Worten „Das Schreiben kann in seiner ursprünglichen Fassung raus.“ Dir wünsche ich schon jetzt viel Spaß damit.

Heute liegt ein richtiger Termin-Marathon vor mir. Mein Geliebter (warum bezeichne ich ihn eigentlich immer noch als solchen?) ist in seinem Bemühen, mir etwas von meiner Last abzunehmend, sehr rührend. Und so kümmert er sich auch um die Kleine. Als sein eigener Chef ist es somit ein Leichtes für ihn, einfach mal einen Tag von zu Hause zu agieren, sodass ich heute meiner Wege gehen kann. Kaum zu glauben, diese doch weiche Seite an ihm kennen zu lernen. Früher hat er selten seine Gefühle zeigen können, war mir gegenüber oft schroff gewesen, was ihn seltsamer Weise noch anziehender für mich gemacht hatte.

„Hallo Liebes. Einen Euro für Deine Gedanken …“ Strahlend und gut gelaunt wie immer taucht meine Busenfreundin in unserem neuen Lieblingscafé, einer exquisiten Cup-Cake und Brownie-Bäckerei, auf, dicht gefolgt von zwei weiteren Freundinnen. Vor dem Kind und den ganzen Querelen der letzten Zeit hatten wir uns früher sehr viel regelmäßiger getroffen. Für Party und Lifestyle jeglicher Art waren wir schon immer zu haben gewesen.

„Ach … ich hatte heute ein Essen mit meiner Mutter, Ihr kennt sie ja.“ „Deine Mom ist doch gut drauf. Hattet Ihr Streit?“ Alle drei sehen mich erwartungsvoll an – und irgendwas anderes sehe ich noch. Vielleicht werde ich auch langsam paranoid, sehe in jedem nur noch den „Feind“.

„Naja, sie hat mich ernsthaft gefragt, ob es einen berechtigten Zweifel an der Vaterschaft gibt.“ In Erwartung eines sofortigen Vetos überrascht mich das einträchtige Schweigen. Langsam fühle ich mich unwohl in meiner Haut. Keiner von ihnen hatte ich mich je anvertraut, nie erzählt, was in der vermeintlichen Zeugungsnacht noch geschehen war. Ich blicke meinen drei Freundinnen nacheinander in die Augen. Was geht hier vor sich?

„Ich habe Dich damals unten im Niedergang mit Deinem Ex gesehen. War das nicht etwa die Zeit als Du schwanger geworden sein musst?“ Endlich hat meine beste Freundin das Schweigen durchbrochen.

„Du meine Güte!“ Ich versuche gelassen zu klingen. „Und ich dachte schon, es wäre jemand gestorben … Ihr wisst doch, dass ich von ihm nie losgekommen war … Was ist Euer Problem? Wollt Ihr ins Kloster gehen?“

So langsam komme ich mir vor wie bei einem Tribunal. Meine drei Freundinnen spielen sich zu Richterinnen auf. Und keine von ihnen hatte je etwas anbrennen lassen.

„Ja, sagt mal, glaubt Ihr denn wirklich, ich würde auf ’n Gummi verzichten?“ Fast gleichzeitig scheinen sie aufzuatmen, doch selbst in meinen Ohren klinge ich unglaubwürdig.

© Claudia Knieriem Juli 2013

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Fortsetzung Aussprache zwischen Männern – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 32

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihm: Dann halt gerichtlich! – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 30

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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