Eizelle und Samen bei künstlicher Befruchtung vertauscht – Kein Einzelfall


Mikroskopaufnahme von einer künstlichen Befruchtung einer Eizelle mit einer Spermie

Verwechslung von Eizelle und / oder Samen ist leider kein Einzelfall – Die Gesetzgebung läßt Frauen auch nach diesem Irrtum nicht aus der Haftung.

Künstliche Befruchtung – Eizelle – Spermie – Befruchtungsklinik – Verwechslung / Familienrecht / Der Spiegel / Deutschland – Der Spiegel berichtet über das Vertauschen von Eizelle und / oder Samen in Befruchtungskliniken. Als der Spiegel im Juli 2012 zum ersten Mal darüber berichtete, war es noch ein Fall, der von der Klinik als Falschbeschuldigung abgetan werden konnte, da in diesem Fall nur der männliche Samen ein anderer als der des geplanten Mannes war. Theoretisch könnte die Frau während der künstlichen Befruchtung fremd gegangen und dabei geschwängert geworden sein.

Doch nun liegt ein Fall vor, der definitiv nicht auf Umständen außerhalb der Klinik basieren kann:

Eine Frau wurde eine fremde – also nicht ihre – Eizelle eingesetzt, die mit dem

Samen eines anderen Mannes als von ihrem Gatten befruchtet wurde. Somit gibt es – biologisch gesehen – keine verwandtschaftliche Verhältnisse zwischen dem Kind, austragender Mutter und Familienvater. Doch der § 1591 BGB, „Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.“ läßt keinerlei Ausnahme zu. Die Frau hat das Kind geboren und ist somit die Mutter.

„Der Fehler war entdeckt worden, nachdem der Ehemann von Bianca G., von dem sie inzwischen geschieden ist, vor dem Familiengericht die Vaterschaft angefochten hatte. Ein Gutachter stellte fest, dass das Kind weder vom Mann noch von der Frau abstammt.“

Es ist anzunehmen, dass die Eizelle von ihr mit dem Samen ihres Mannes ebenfalls befruchtet wurde und in den Mutterleib einer anderen Frau eingesetzt wurde. Dieses Kind ist dann Kraft Gesetzes nicht ihr Kind und das ist derzeit unanfechtbar. Die Frage ist auch, ob die Betroffenen überhaupt eine Möglichkeit erhalten werden, nach der Eizellenempfängerin suchen zu können. Wahrscheinlich steht da der Datenschutz dann im Weg und die Klinik selbst wird vermutlich kein Interesse daran haben, weil dann noch mehr Geschädigte evtl. Schadensansprüche geltend machen könnten.

Letztendlich kommt das einer Kindesvertauschung nach der Geburt sehr nah. Dort ist jedem klar, dass das eine emotionale Katastrophe für die Eltern ist und man auch gesetzlich entsprechend reagieren muss.

Auch für Mütter ist eine Aktualisierung des BGB’s im Familienrecht dringend notwendig. Gesetze müssen der Zeit entsprechen, in der sie angewendet werden. Die logische Folge ist die Abänderung des § 1592 auf „Mutter ist die, von der das Kind abstammt“. Ebenso die Schaffung eines Paragrafen, der eine Mutterschaftsanfechtung ermöglicht, die sich dann ähnlich der Vaterschaftsanfechtung verhält.

Quelle: Spiegel Online – Künstliche Befruchtung: Frau bekommt irrtümlich fremde Eizelle eingesetzt

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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6 Antworten zu Eizelle und Samen bei künstlicher Befruchtung vertauscht – Kein Einzelfall

  1. Pingback: Fruchtbarkeitsklinik vertauscht Embryonen – Italien | kuckucksvater

  2. Pingback: Vertauschtes Sperma – Kuckuckskind aus der Befruchtungsklinik II – USA | kuckucksvater

  3. Petra Scholz schreibt:

    Ein Grund mehr, in meiner persönliche Auffassung, meine Meinung, mich gegen künstliche Befruchtung auszusprechen, aufrecht zu erhalten.
    Die Alternative stattdessen, bleibt für mich die Adoption, mit welcher letztlich auch manches Leid verhindert wird, letztlich auch ein kleines Stück für eine friedlichere Welt.

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Aus meiner Sicht ist gegen die künstliche Befruchtung nichts einzuwenden. Nur sollten wir – falls es zu Verwechslungen kommt – entsprechende Lösungen in den Gesetzen bereithalten, statt so zu tun, als wenn es nichts mehr zu regeln gebe.

  4. Norbert Potthoff schreibt:

    Toll, dass du diesen Fall weiterverfolgt hast.

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