Dann halt gerichtlich! – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 30


Justitia - Gerechtigkeitsbrunnen - © Roland Zumbuehl

Wenn es zwischenmenschlich nicht geht, dann hilft manchmal nur noch ein Gerichtsverfahren.

Kuckuckskind – Vaterschaftstest – Vaterschaftsfestsellung – gerichtliches Verfahren – Anwalt – Lover / Spiegelwelten – Serie – Endlich ist etwas mehr Ruhe in mein Leben eingekehrt. Die Kleine habe ich seither nicht mehr gesehen, aber ich komme damit erstaunlich gut klar.

Auf der Arbeit erhalte ich nach der Mittagspause einen Anruf aus der Kanzlei meines Anwaltes. Deine Anwältin hat auf die Aufforderung zum Vaterschaftstest reagiert und ihn kategorisch abgelehnt, sich dafür aber maßlos aufgeregt, dass ich abstreite, Dich geschlagen

zu haben. „Ich kann immer noch nicht fassen, dass Du versuchst mich ins Gefängnis zu bringen. Du meinst den Test zu verweigern? Dann halt gerichtlich!“, sage ich leise vor mich hin. Deine Blockadehaltung haben wir schon erwartet und ohne weiteren Besprechungstermin geht der bereits vorbereitete Antrag zur Vaterschaftsfeststellung ans Gericht raus. Wenn ich endlich auch offiziell den Test habe, wirst Du Dich noch wundern, denn mein Anwalt sieht eine Chance auf ein Härtescheidungsverfahren, wodurch Du den Unterhaltsanspruch verlieren wirst.

Der Tag ist nun für mich gelaufen. Es fällt mir schwer mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und so bitte ich meine Kollegen das Nötigste zu übernehmen und meinen Chef, mir den Rest des Tages freinehmen zu dürfen. Von Dir zu hören – und sei es nur durch Deine Anwältin – geht mir näher, als mir lieb ist.

Das Klima ist angenehm warm, der Himmel fast wolkenlos und so mache ich mich in die Innenstadt auf. An einem französischen Café mache ich Halt und setze mich dort unter einen Sonnenschirm. Es ist wunderschön, erinnert mich stark an mein Studienjahr in Paris und ich bestelle mir einen Milchkaffee und ein Croissant. Die Kellnerin stellt mir mit einem bezaubernden Lächeln die Bestellung auf den runden weißen Marmortisch und fragt: „Wollen Sie die Tageszeitung von heute?“ und deutet auf die Lesestöcke, die am Eingang neben der Garderobe hängen. „Nein, danke.“ antworte ich verlegen. Warum war ich nicht schon früher hergekommen?

Mein Smartphone klingelt, es ist mein bester Freund. „Wo bist Du?“ frage ich ihn. „In der Innenstadt“. „Hast Du Zeit? Ich sitze hier im französischen Café.“ „Klar, ich sitze auch hier!“ Im gleichen Moment schaue ich mich um, sehe ihn aber nicht, doch von drinnen ruft er mich laut mit meinem Namen. Extrovertiert war er schon immer und mir ist es ein wenig peinlich, doch ich freue mich sehr ihn endlich mal wiederzusehen und wir drücken uns fest. „Mensch, haben wir uns selten gesehen und es ist schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her, als wir uns zum letzten Mal sahen, bestimmt zwei Monate.“ „Jupp.“ antwortet er knapp und klopft mir auf die Schulter. „Was machst Du derzeit? Lebst Du immer noch von Deiner Abfindung oder hast Du einen neuen Job?“, frage ich ihn interessiert. „Hab‘ ne neue Stelle gefunden. Doch Du wirst nicht glauben wo.“ „Wo denn?“ „In der Firma des Lovers Deiner Ex! Ist echt klasse. Gehalt ist OK und vor allem kann ich weiterhin meine Zeit frei einteilen, so wie früher auch.“

Das Croissant bleibt mir im Hals stecken, ich verschlucke mich daran und huste laut. „Hey, fang Dich wieder ein! Mit dem Kerl selbst habe ich fast nichts zu tun, aber Deine Ex hab‘ ich dort auch schon gesehen“, sagt er lachend und schiebt hinterher: „Mit dem Luder wird der Kerl auch noch seinen Spaß kriegen. Die hat Dich garantiert nicht nur mit einem betrogen, das ist ein Flittchen. Sei froh, dass Du sie los bist.“ Da habe ich gerade den Husten in den Griff bekommen und ich traue meinen Ohren nicht recht. Hat er gerade gesagt, dass er sie dort auch gesehen hat? „Ist schon in Ordnung, dass Du bei dem Arsch arbeitest. Bin froh für Dich, dass Du endlich wieder einen Job gefunden hast. Doch das muss ich erst einmal verdauen“ antworte ich dann leicht heiser.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Dein Lover kommt gerade um die Ecke und begrüßt seinen Mitarbeiter, meinen besten Freund und ich höre mich zu ihm sagen „Ich glaube, wir sollten miteinander reden.“

OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO

Fortsetzung Eine Lüge bleibt eine Lüge – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 31

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihr: Wie Du mir, so ich Dir – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 29

Und alle Teile im Überlick: hier klicken!

Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Geschichts-Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

Advertisements

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
Dieser Beitrag wurde unter Geschichten, Kuckuckskind, Vaterschaftstest abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Dann halt gerichtlich! – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 30

  1. don2alfredo schreibt:

    Zitat Max: „Der Vaterschaftstest ab Geburt ist das einzige Mittel, welches das Kind vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann.“
    Wie hoch schätzt du den Prozentsatz (Dunkelziffer eingerechnet) von Kuckuckskindern in Relation zu den Geburten bei uns im Land? Soll bei diesem Risikostand in alle Paarbeziehungen das Misstrauen als gesetzlicher Standard eingeführt werden?

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Hi don2alfredo,
      hier ein Link zu einem Artikel, der sich mit der Frage „Wieviele Kuckuckskinder werden in Deutschland jährlich geboren“ beschäftigt und Zahlen nennt.
      Es geht nicht um das Mißtrauen, sondern um das Bewußtsein, dass der Vater eben erst sicher ist, wenn ein Test gemacht wird. Dem Staat sollten bloße Bekundungen nicht ausreichen, er möchte doch auch sonst aus gutem Grund für jede andere amtliche Beurkundung Nachweise sehen. Durch die Frage nach einem Nachweis der Vaterschaft werden die Väter von der Frage nach dem Mißtrauen befreit und spätere Katastrophen verhindert.

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s