Du bist an allem Schuld – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 27


Foto von einem Schnuller - http://www.sxc.hu/profile/trolf

Kaum hat sie den Schnuller, beruhigt sie sich auch wieder – © Foto: T. Rolf – Dänemark

Kuckuckskind – Liebhaber – Schuld / Autorin – Claudia Knieriem – Woher nimmst Du nur auf einmal solch eine Entschlossenheit? Beinahe wagemutig kommst Du daher… Völlig perplex und rasend vor Zorn laufe ich Euch hinterher. Ich fühle mich erniedrigt, bloß gestellt.

Und Du kommst Dir jetzt sicher ganz groß vor, hm?! Ist doch so. Widerliches, pubertäres Verhalten, mir auch noch

den Mittelfinger zu zeigen, in einem Wohnviertel, wo Du Dir nicht mal ein Zimmer leisten kannst. Wie peinlich. Meine Sachen – und die der Kleinen – stehen einfach auf dem Fußweg, das ist echt asozial von Dir.

Vor allem Deinem Vater hätte ich deutlich mehr Größe zugetraut. Seinem herzhaften Lachen nach scheint es ihm allerdings genauso viel Spaß zu machen wie Dir. So leicht machst Du es Dir also. Sogar das Kinderbettchen unserer Tochter hast Du hier vor der Tür abgeladen. Du wirfst sie demnach auch raus?! Dein eigen Fleisch und Blut? Wie konnte ich mich nur so in Dir täuschen? Wo ist der Vater hin, der schwangerer war als ich, der für alles die Verantwortung übernommen hat. Feige bist Du …

„Die Kleine weint. Am besten kümmerst Du dich erst mal um sie. Ich räum derweil Deine Sachen ins Haus. Und versuche, Dich ein wenig zu beruhigen.“

Wutschnaubend stehe ich vor ihm. Warum nur will mir immer jeder sagen, was ich zu tun oder zu lassen habe?

„Weil Du ja auch so genau weißt, was gut für mich und meine Tochter ist?!“ herrsche ich ihn an. Mir wächst die gesamte Situation allmählich über den Kopf; das Weinen aus dem Haus wird lauter, wütender, als spürte sie, wie ich mich gerade fühle.

„Herrje! Sie ist auch meine Tochter …“ Kaum hat er seinen Satz beendet zische ich: „Ach ja? Und das weißt Du so genau woher?“ Seine Miene verfinstert sich und seine Stirnfalten verwandeln sich in regelrechte Zornesfurchen. Sehr leise, mit aufeinander gepressten Kiefern sagt er: „Du gehst jetzt besser rein.“

Etwas in seiner Stimme lässt mich endlich den Mund halten. Vermutlich bin ich zu weit gegangen. Eine Entschuldigung bringe ich dennoch nicht über die Lippen, gehe wortlos ins Haus und hole den kleinen Schreier aus dem Reisebettchen. Den Schnuller kaum im Mund, beruhigt sie sich sehr schnell.

„Du wirst Dich an diesen Mann nicht mehr erinnern, dafür sorge ich, es wird ihn nie gegeben haben, selbst wenn er Dein Vater ist. Das einzige, was ihn an Dich erinnern wird, ist der monatliche Unterhalt …“ flüstere ich in ihr zartes Babyhaar.

Hätte sie doch bloß mehr Ähnlichkeit mit mir, dann wäre ich jetzt nicht in der Misere. Jeder Depp kann erkennen, dass sie nicht Dein Kind ist, sogar Du …

© Claudia Knieriem Juni 2013

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Fortsetzung …

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihm: Du falsches Luder! – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 26

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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5 Antworten zu Du bist an allem Schuld – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 27

  1. Claudia Knieriem schreibt:

    Danke Jörg und Norbert für Euer Feedback.
    Den Anspruch auf Realismus erheben wir nur bedingt; es ist eine fiktive Story, in der wir gerne auch überzeichnen möchten.
    Für mich als völlig Unbetroffene ist das reale Thema Kuckuckskind, Kuckucksmutter, Scheinvater eh fast immer schier unbegreiflich. In meiner Welt sind solche Verhaltensweisen nicht existent. Umso schwieriger, mich immer wieder hineinzudenken zu versuchen und mich durch Gespräche mit Max anfixen zu lassen.
    Die Kommentare auf Facebook z. B. „… Gedanken einer blöden Ziege …“ und private Unterhaltungen zwischen Nicht-Betroffenen zeigen, dass das Thema diskutiert und weiter getragen wird. Und damit haben wir dann sehr viel erreicht. Und die Zahl der Leser hier im Blog bestätigen ebenfalls ein zunehmendes Interesse.
    An dieser Stelle danke an alle Leser – lasst gerne Eure Gedanken zu dem Thema als Kommentar da.

    Sonnige Grüße
    Claudia Knieriem

    • Norbert Potthoff schreibt:

      Hallo Claudia,
      wenn du selber gar nicht die Problematik erlebt hast, dann mein doppelter Respekt für deine Arbeit. Im Normalfall kennt man solche Themen ja höchstens aus so Fernsehserien wie Denver Clan und so. Und dann amüsiert man sich eher darüber.
      Also bitte weitermachen.
      Gruß
      Norbert

  2. Jörg schreibt:

    Die Geschichte ist (inzwischen) sicher amüsant. Realistisch finde ich sie nicht mehr.
    Dass SIE hier ihre Affäre so offensichtlich weiterführt und sich von ihrem Mann abwendet und dazu auch noch den Erzeuger so vor den Kopf stößt – nur wegen ihrer Ehre und ein bisschen Unterhalt, den sie zudem vom (hier auch noch wohlhabenden und auch noch vaterschaftswilligen, wie realistisch) Erzeuger viel einfacher haben könnte, finde ich unrealistisch.
    Die wirklichen schlimmen Probleme entstehen doch da, wo die Scheinvaterschaft erst nach Jahren herauskommt. Wo Scheinvater und Kind schon langjährige feste Bindungen aufgebaut haben und durch die Aufdeckung der Wahrheit alles in Wanken gerät (worauf hier im Forum dankenswerterweise immer wieder zu Recht hingewiesen wird). Und wo auch noch die Ehe und Familie des Erzeugers mit hineingezogen wird, weil plötzlich ein neues Halbgeschwisterkind auftaucht. Von den ganzen finaziellen Folgen mal abgesehen.
    Alle realen Geschichten, die ich kenne bzw. gelesen habe endeten i.d.R. damit, dass spätestens mit dem Verdacht einer Scheinvaterschaft und mit dem Willen, die Hauptbeziehung aufrecht zu erhalten, die Mutter jeden Kontakt zur Affäre / leiblichen Vater aufgibt, in der Hoffnung das Kuckuckskind verheimlichen zu können.
    Hier lässt sich doch alles noch – unter den gegeben Umständen – ziemlich glimpflich für alle Beteiligten abwickeln. Es sei denn, hier wird noch ein jahrelanges juristisches Tauziehen konstruiert, um die böse Justiz anzuprangern.

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      an dem Punkt der Geschichte kann ich Deiner Begründung folgen und stimme Dir zu. Doch es wird noch Entwicklungen geben, die im Rückblick dann vieles nachvollziehbar machen und für Überraschung sorgen werden, nicht nur für die Protagonisten in der Geschichte hoffe ich.

      • Norbert Potthoff schreibt:

        Abgesehen von den weiteren Entwicklungen, die diese Geschichte noch nehmen wird, finde ich hingegen die Übersprungreaktionen aller Beteiligten durchaus realistisch beschrieben. Diese Situation finde ich einleuchtend. Hier wird der Konflikt bereits unmittelbar nach der Geburt aufgegriffen, schildert die Problematik von Betrug und Kuckuckskind, den Eltern und dem Liebhaber in einem sehr frühen Stadium. Das könnte ja diejenigen nachdenklich machen, die mit einer Liebschaft liebäugeln, die eheliche Treue auf die leichte Schulter nehmen und sich noch keine Gedanken über mögliche Folgen gemacht haben.

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