Du falsches Luder! – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 26


Umzugskartons zu einem Berg gestapelt

Du wirst ausziehen! – © Foto: Chris Schauflinger, Wien, Österreich

Kuckuckskind – Affäre – Scheidung – Rausschmiss / Spiegelwelten – Serie – Ich kann nicht schlafen und wälze mich im Bett meines alten Jugendzimmers. Hier scheint die Zeit still zu stehen, nichts hat sich verändert. Selbst die alten Poster von U2 und Depeche Mode hängen noch. Zuviel ist heute passiert, als dass ich zur Ruhe kommen könnte. Ständig schwirren mir Fragen im Kopf herum. Ich kenne diesen Kerl, mit dem Du mich betrügst. Ist das nicht Dein Ex-Freund vor mir? Er hat sich im Gesicht sehr verändert, aber das müsste er sein. Seit wann läuft das zwischen Euch wieder oder noch schlimmer, warst Du jemals wirklich von ihm getrennt? Was mache ich jetzt mit der Kleinen, schließlich

ist sie nicht mein Kind und ich nicht ihr Vater? Ja, ich liebe das Engelchen abgöttisch, doch mein Vater hat Recht: wenn ich Dich ein und für alle Male loswerden möchte, dann muss ich auch die Kleine mit Dir gehen lassen. Es tut so weh. Wie lange ist das schon her, dass ich bitterlich geweint habe? Nun tue ich es.

Das Geklapper des Frühstückstischdeckens weckt mich gemeinsam mit dem Kaffeduft aus meinem kurzen, traumlosen Schlaf. Gott sei Dank muss ich am heutigen Samstag mal nicht ins Büro, nachdem ich gestern schon im Gefühl hatte, dass etwas geschehen wird und ich mir besser frei nehmen sollte. Paps sitzt schon mit der Tageszeitung am Frühstückstisch und Mutter begrüßt mich mit einem aufgezwungenen Lächeln. Ich kann ihr Mitleid sehen und gerade so gelingt es mir, dass ich keinen Heulkrampf bekomme. “Verdammt! Jetzt bloß nicht sentimental werden!”, denke ich mir, balle meine Hand zur Faust und gebe ihr einen zarten Wangenkuss, doch Worte vermag ich nicht zu finden.

Wirklich in Ruhe kann ich jetzt nicht mit meinen Eltern frühstücken, zu sehr brennt es mir unter den Nägeln, Dich endlich aus meinem Haus zu wissen. Du wirst Dich bestimmt wehren und den Aufstand proben. Schnell schlinge ich das Brötchen mit Rührei hinunter und leere die Tasse Kaffee in einem Zug. “Vater, kommst Du mit?”, frage ich ihn, mich auf der Ferse zur Küchentür wendend. “Klar! Hab’ auf Dich gewartet”, antwortet er gelassen, faltet sogleich die Zeitung zusammen und schiebt hinterher: “Das Luder wird bestimmt noch Ärger machen. Besser, wenn jemand dabei ist.” Mutter möchte auch mitkommen, doch Paps lehnt es ab.

Dein Auto ist nicht mehr in der Einfahrt, was schon einmal ein gutes Zeichen ist. Doch das Schloss klemmt wieder einmal und ich rüttle an der Tür, während ich den Schlüssel immer wieder umzudrehen versuche. Mist! Ausgerechnet jetzt muss er mir abbrechen!

Vater versucht mit einem Stück Kaugummi das Reststück aus dem Schloss zu ziehen, doch es geht nicht und verklebt nun auch noch die letzte Hoffnung, ohne Schlüsseldienst ins Haus zu kommen. Warum habe ich nur nicht den angeknacksten Schlüssel neu machen lassen? Wut kommt in mir hoch. Vater ruft beim Schlüsseldienst seines Vereinskameraden an. Bereits nach 10 Minuten kommt er auch schon, packt den schweren Koffer aus dem Wagen und sagt: “Ich habe doch erst gestern Nacht das alte klemmende gegen ein neues Schloss ausgetauscht. Lass mal sehen.” Irritiert schauen Paps und ich einander an und hören schon: “Welcher Schlumpf hat Dich denn auf dem Kieker Junge, dass er ‘nen Kaugummi da reinstopft? Det wird teuer.“ Er fängt sogleich an, den Zylinder aufzubohren. “Neues Schloss?”, spreche ich vor mich hin. “Ja, das werdet ihr wohl brauchen”, antwortet er mit einem Glucksen in der Stimme und schüttelt verständnislos den Kopf. “So, offen ist die Tür! Wat für’n Schloss darf es denn diesmal sein?”, fragt er mich, sich komisch wähnend. “Das gleiche wie vorher” antworte ich, entscheide mich aber dann doch zu der etwas teureren Marke ohne Zahnkamm, damit Du falsches Luder nicht auch Deinen Schlüssel im Schloss abbrichst. Wie gut, dass der Schlosser uns kennt und weiß, dass es mein Haus ist und nicht geschnallt hat, dass Du mich eigentlich aussperren wolltest. Eins ist gewiss, Du wirst noch mehr herumzicken und abermals hat Paps Dich richtig eingeschätzt. Werde mich wohl noch daran gewöhnen müssen, dass Du alles andere als der Engel bist, für den ich Dich hielt.

“Da hast Du Dir ja ein richtiges Schätzchen angelacht, sag ich Dir!” steckt mir Dad mit seinem typischen Lächeln beim reingehen, nachdem er den Schlüsselmeister verabschiedet und die Rechnung entgegengenommen hat. Aus dem Keller hole ich die Kartons von Deinem Einzug und wir füllen sie ordentlich mit Deinen Dingen. Ich will Dich nicht mehr sehen. Nie mehr. Ich will nur noch eines: Die Scheidung!

Doch wo bist Du eigentlich? Mittlerweile ist es Nachmittag und Mutter bringt Nachschub an Umzugskartons. Nach und nach tragen wir alles in meinen VW-Bus, nehmen sogar die Bänke heraus. “Wo willst Du das Ganze hinbringen?”, fragt mich Vater. “Zu ihrem Stecher! Wohin denn sonst?”, antworte ich und ziehe die Seitentür zu. Das Kinderbett und alles andere von der Kleinen habe ich ebenfalls eingepackt. Was soll ich jetzt noch damit?

Dein Lover macht verdutzt die Tür auf und ruft: “Schatz! Dein Mann!” Doch noch bevor Du an die Tür kommen kannst, antworte ich ihm: “Der Scheiß da auf dem Bürgersteig ist von ihr”, gehe zum Auto, in dem Vater bereits auf mich wartet und sehe Dich fluchend hinter uns herrennen. Wir lachen herzhaft und ich zeige Dir den Stinkefinger aus dem Fenster.

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Fortsetzung folgt …

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihr: Ihr versteht mich einfach nicht – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 25

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Spiegelwelten – Geschichts-Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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