Leugnen, eine deutsche Tradition? – Warum es gut ist, dass wir die Geschehnisse in Nazi-Deutschland aufgearbeitet haben


Holocaust Mahnmal in Berlin - © Foto: Hendrik Dacquin

Deutschland genießt international für seine Ethik, Moral und seinen Gerechtigkeitssinn hohes Ansehen. Doch innenpolitisch ist die Moral deutscher Abgeordneter zweifelhaft. – © Foto: Hendrik Dacquin

Nazideutschland – drittes Reich  / Verantwortung – Aufarbeitung / Leugnen /  Moral – Ethik – Politik / Kuckuckskind – Ich habe einen Patenonkel. Er ist Geschichtslehrer und ich hatte das große Glück, seinem Geschichtsunterricht eine Zeit lang folgen zu dürfen. Sehr prägend war für mich dabei sein ausgeprägtes Interesse am Genozid Nazideutschlands, diesem außerordentlichen Verbrechen eines ganzes Volkes an vielen Völkern, Religions- und Randgruppen.

Mit seinem unstillbaren Durst nach Wissen, speziell über die Judenverfolgung im Dritten Reich und dem Wunsch, dieses auch an seine Oberschüler weitergeben zu können, nahm er jede Dokumentation auf VHS auf, die im Deutschen Fernsehen kam – ja sogar die von Guido Knopp, die ihm eigentlich zu stimmungsmachend, zu theatralisch waren. Während einer meiner Sommerferien half ich ihm bei der Sichtung und Katalogisierung seiner immensen, weit über 200 Aufnahmen umfassenden Sammlung. Wir unterhielten uns viel über die Taten, die Greuel, die Deutsche Juden, Zigeunern, Schwulen, Kommunisten, geistig Behinderten und allen anderen, die dem System zuwider oder einfach nur im Weg waren, antaten. Wenige Jahre später leitete er dazu eine AG mit seinen Oberstufenschülern. Dabei entdeckten diese einen in Vergessenheit geratenen jüdischen Friedhof. Er war nicht einmal mehr im Register des „Zentralrats der Juden“ verzeichnet. Sie erhielten die Genehmigung vor Ort weitere Untersuchungen zu machen und entdeckten weitere Grabsteine, die sich unterhalb der Erde verborgen befanden, hoben diese und ließen sie fachgerecht restaurieren und wieder aufstellen. Zu diesen Ausgrabungen und Forschungsarbeiten nahm er mich häufig mit. Warum ich das hier erzähle? Weil ich damals immer wieder eine Frage im Kopf hatte, die ich meinem Patenonkel stellte: „Warum müssen wir uns mit diesem ganzen Leid beschäftigen? Wäre es nicht besser, einfach weiter zu machen und neue Wege zu gehen, es halt besser zu machen?“

Seine Antwort war einfach und klar: „Dadurch, dass Deutschland sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt und die Taten, die schweren Verbrechen, die es ganzen Völkern angetan hat und auch die Taten an dem einzelnen Menschen anerkennt, bedeutet, dass Deutschland und jeder einzelne von uns Verantwortung übernimmt. Die einen, für das was sie getan haben und die anderen dafür, dass so etwas nie wieder geschieht. Hinschauen, verstehen und anerkennen, statt zu leugnen. Das sind wir auch all den Überlebenden schuldig.“

Noch heute suchen und finden wir ehemalige NS-Verbrecher und überprüfen, ob eine Strafverfolgung möglich ist. Wir zeigen international hohe moralische Werte und betonen, dass wir uns von den damaligen Greueltaten distanzieren. Aus gutem Grunde ist die Holocaustleugnung auch eine Straftat im Sinne des StGb und wird vom Gesetzgeber unterhalb des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung gestellt.

Nahezu jeder deutsche Politiker von höherem Rang bekennt sich zur deutschen Vergangenheit und ächtet das Leugnen derselben. Dass wir Deutsche zu unserer Geschichte stehen, statt sie zu leugnen gibt uns die Fähigkeit Ungerechtigkeit und Willkür zu erkennen und weiterere derartige Verbrechen in  Zukunft zu verhindern.

Doch all diese Politiker, die sich auf hohe ethische Werte berufen und sagen, dass wir unsere Geschichte nicht leugnen dürfen, werden auf einmal ganz still, wenn es darum geht, die über jeweils 70.000 Kuckuckskinder und Scheinväter (insgesamt also 140.000 Betroffene jährlich) zu schützen, die Jahr für Jahr hinzukommen. Da wird Leugnen urplötzlich wieder zur politischen Disziplin. Es werden wieder Antworten vom Justizminiserium, Bundespräsidenten etc. geschrieben, in denen mitgeteilt wird, dass doch das deutsche Familienrecht ausgewogen sei, dass es wichtiger sei einem Kind EINEN Vater statt DEN Vater zuzuordnen. Auch korrigiert der Gesetzgeber – die Justiz – nur dann Missstände im BGB, wenn er von höherer Instanz dazu gezwungen wird, worüber wir erst vor wenigen Tagen wieder berichten durften. § 1686a BGB – Gesetz zur Stärkung der Rechte leiblicher Väter passiert den Bundesrat. Anschließend klatschen sie vor Freude in die Hände und schmücken sich mit den Federn anderer, als wenn das neue Gesetz schon immer in ihrem Bestreben gelegen habe.

„Die Justiz ist eine Hure der Politik.“ Minister Napoléons, Fürst Charles Maurice de Talleyrand

Doch noch dümmer ist es, wenn die Politik die Hure von Lobbyisten ist und nicht aus eigener Initiative heraus Notwendigkeiten erkennt oder sie gar leugnet, wenn das Geldsäckerl etwas anderes bestimmt. Dass das Anti-Abgeordnetenbestechungsgesetz seit über 10 Jahren von den potentiell betroffenen Abgeordneten selbst blockiert wird, spricht Bände und verheißt nichts Gutes über den tatsächlichen ethischen und moralischen

Abgeordnete können sorgen dafür, dass auch weiterhin die Abgeordnetenbestechung legal bleibt

Bundestagsabgeordnete blockieren seit über 10 Jahren das Antiabgeordnetenbestechungsgesetz – Na dann, schön weiter legal die Hand aufhalten! – Karikatur http://www.facebook.com/svenner.de

Zustand unserer demokratisch gewählten Volksvertreter. Auf www.abgordnetenwatch.de übt der Ausschussvorsitzende Siegfried Kauder scharfe Kritik an der eigenen Fraktionsführung.  Am kommenden Mittwoch, 12. Juni, findet die entscheidende Sitzung des Rechtsausschusses statt. Blockieren Union und FDP dann erneut die Behandlung des Themas „Abgeordnetenbestechung“, bleibt Vorteilsnahme bei Politikern erlaubt – das ist empörend und in einem Rechtsstaat nicht hinnehmbar!

Bitte unterstütze die Aktion von Abgeordnetewatch und werde jetzt aktiv! Wie? Das findest Du dort auf abgeornetenwatch.de.

Doch nun wieder zurück zum Kernthema:

Natürlich sind Völkermord und Judenverfolgung nicht mit der Kuckucksthematik zu vergleichen und ich betone hiermit, dass dies auch nicht unser Ansinnen ist. Anhand des Beispiels soll lediglich aufgezeigt werden, wie man mit Unrecht und Verbrechen verantwortungsvoll umzugehen hat, wenn man erfolgreich einen Wandel herbeiführen möchte. Das hat uns unsere Deutsche Geschichte gelehrt. Aus gutem Grund genießt das heutige Deutschland ethisch und moralisch international hohes Ansehen. Es ist wünschenswert, dass diese Werte endlich allgemein auch innenpolitisch vertreten werden und nicht nur als Showeinlage für den Rest der Welt.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Leugnen, eine deutsche Tradition? – Warum es gut ist, dass wir die Geschehnisse in Nazi-Deutschland aufgearbeitet haben

  1. kara schreibt:

    …tja…da hätte man sich wohl die Biographie unseres „Befreiers“ Churchill durchlesen sollen, sich sämtliche Kriegserklärungen durchlesen sollen…besonders auf das Datum achten dabei! Alte jüdische Zeitungen von Anfang 1933 zudem durchforsten! 565000 Millionen Juden lebten damals in Deutschland…
    15 Millionen Deutsche wurden ermordet…beispielsweise im Rheinwiesenlager!
    Die Sieger schreiben die Geschichte und was man im Fernsehen sieht, wurde zuvor zensiert!
    Was ist mit den 66 Millionen Toten, die die USA seither verursacht hat in ihren Kriegen? DAS ist natürlich vertretbar!
    Die Juden fühlten sich sehr wohl in Deutschland-180.000 von ihnen kämpften gemeinsam mit den Deutschen in der Wehrmacht! In diese Richtung bitte auch einmal recherchieren und bitte auch den Talmud lesen…
    DANN kann man behaupten, ein wenig vom 2. Weltkrieg zu verstehen! Ich bin unter Zeitzeugen aufgewachsen, die unter unseren Befreiern sehr gelitten haben-vergewaltigt und beraubt wurden…ALS KINDER zum Teil!
    Es gab eine Wehrpflicht-wer den Kriegsdienst verweigerte, wurde erschossen! Wie kann man so einem Volk eine Volksschuld anlasten wollen?!
    Wir sind KEIN Volk von Mördern-unsere Geschichtsbücher und Berichterstattungen im Fernsehen zeigen sehr bewusst und zielgerichtet alles von einer sehr verzerrenden Seite. Fragen sie mal Putin!!!! Da erhalten sie ein reelles Bild vom ach so bösen Nazideutschland…

  2. Norbert Potthoff schreibt:

    Nein, da habe ich keine Illusionen mehr. Nähme man das Recht des Kindes und des rechtmäßtigen Vaters (nicht das des juristischen Vaters) wirklich ernst, würde unsere Gesellschaft in die Zeit vor Oswald Kolle und Beate Uhse zurückgeworfen.
    Wenn ich diese Position einnehme, dann werde ich gleich als reaktionär beschuldigt.
    Nein, das bin ich nicht, ich bin gegen jede Form von sexueller Unterdrückung, aber ich achte auch die Werte von Treue und Verantwortung. Sexuelle Befreiung sollte kein Freibrief für sexuelle Enthemmung sein, für Beliebigkeit in den Beziehungen, kurz, für Hurerei.
    Denn beim Sex, wer hätte das gedacht, kann man sogar Kinder zeugen, z.B. eben auch die Kuckuckskinder.
    Was ich meine, ist, dass eine Stärkung des Kindesrechts seine wahre Identität zu kennen, Männern und Frauen mehr sexuelle Disziplin auferlegen würde. Das verhindert sicher nicht das Fremdgehen, könnte es aber gewaltig einschränken und so weitere Schicksale von Kindern verhindern.

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