Ich habe Angst vor den Konsequenzen – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 23


 Duplexbild mit Blaustich © Foto: Taylor Ross, Cambridge, MA, United States

Ich bin eine Ehebrecherin und habe Angst vor den Konsequenzen – © Foto: Taylor Ross, Cambridge, MA, United States

Kuckuckskind – Liebhaber – Konsequenzen – Kindesunterhalt – Angst / Autorin – Claudia Knieriem – Wie betäubt sitze ich auf dem Bett. Aus welchem Film war denn diese Szene gerade? Mein sonst so tougher Geliebter sieht ein wenig blass aus um die sonnengebräunte Nase. Mir ist übel. Ich bin eine Ehebrecherin!

Was ist denn nur in Dich gefahren? Was zum Teufel hat Dich dazu veranlasst mir nachzuspionieren? Bestimmt Dein immer freundlicher Vater, ihm war ich sowieso nie gut genug für Dich. Alleine kämest Du doch gar nicht darauf. Ob Du nun auch Deine Vaterschaft anzweifelst? Nein. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen … Im Übrigen würde ich einem Vaterschaftstest nie im Leben zustimmen. Dies von

mir zu verlangen wäre eine bodenlose Frechheit. Außerdem muss ich unser Kind schützen. Deine Eifersucht stellt noch lange keinen Grund dar – und ich lasse unsere Tochter nicht von Dir instrumentalisieren.

Wie soll es nur weitergehen? Erst einmal muss ich jetzt nach Hause. Überhaupt: Wer ist bei der Kleinen, wenn Du mir gefolgt bist? So kommst Du also Deinen Vaterpflichten nach?! Wenn ich mich schon mal auf Dich verlasse …

„Sag ihm endlich, dass ich der Vater der Kleinen bin!“ Fast flehentlich dringen seine Worte mitten hinein in mein Gedankenkonstrukt.

„Wie stellst Du Dir das vor? Soll ich vielleicht auf seinen Unterhalt verzichten?“ Die Angst vor den Konsequenzen schnürt mir die Kehle zu. Er guckt mich völlig ungläubig an. „Wieso Unterhalt? Dass die Kleine nicht sein Kind ist, sieht doch ein Blinder mit ’nem Krückstock! Und an Geld mangelt es mir nun wirklich nicht.“

„Ja, DIR! Mir mangelt es aber an Geld. Und ich habe es mehr als verdient, nach all den Jahren. Und wenn er doch der Vater ist?“

Seine Miene verdunkelt sich. Seine Worte tun mir weh. „Was bist Du nur für ein Mensch?! Willst Du uns gegeneinander ausspielen? Sieh in die Augen Deiner Tochter – und sag mir, dass ich NICHT ihr Vater bin, nicht ihr Vater sein kann. Du wirst ja kaum mit jemand Drittem zur gleichen Zeit gevögelt haben!“

„Solch einen Mist muss ich mir nicht anhören …“ Binnen Sekunden habe ich meine Sachen zusammen gekramt und eile hinaus in die Nacht. Ich muss zu meinem Kind. Denn nur das ist sicher, dass sie MEINE Tochter ist. Und ich habe Angst vor dem, was mich zu Hause erwartet.

© Claudia Knieriem Mai 2013

OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO

Fortsetzung Pack’ Deine Sachen! Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 24

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihm: Erwischt, Du Schlampe! – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 22

Und alle Teile im Überlick: hier klicken!

Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
Dieser Beitrag wurde unter Geschichten abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Ich habe Angst vor den Konsequenzen – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 23

  1. Norbert Potthoff schreibt:

    Wenigstens das ist klar: Wer die Mutter ist.
    Das wussten die Juden auch schon immer, weshalb die jüdische Identität nur über die Mütterlinie zu 100% weitervererbt wird.

    • Janne schreibt:

      Ja, interessant. Allerdings inzwischen gilt das so nicht mehr. Inzwischen gibt es auch Kuckuckskinder von Kuckucksmüttern – wenn ich an die Leihmütterschaften denke (wo gleichzeitig die Armut vieler Frauen in ärmerern Ländern ausgenutzt wird) oder die Einpflanzung von Eizellen anderer Frauen (Einzellenspende). Gibt es inzwischen alles.. Um so wichtiger, dass hier endlich die Rechte der Kuckuckskinder bzw. Spenderkinder und der Kuckucksväter gestärkt werden !!

      • Petra Scholz schreibt:

        Dem kann ich nur beipflichten.
        Gerade auch, was die Leihmutterschaft oder Samenspende betrifft, sollte man sich vorher bewusst machen, wie sich die daraus resultierenden Nachkommen fühlen.
        Ich habe den Eindruck, dass es in erster Linie um Prestige, ebenso, wie um die Verfügbarkeit des Kindes geht und die folglichen Interessen des Kindes hintan stehen.
        Ich weiß wie man sich als Kuckuckskind fühlt und kann mich, so glaube ich, in die Gefühlswelt eines Samenspenderkindes einfühlen.
        Ob ich letztlich ein ungewollter Unfall eines billigen Flirts zu jener Zeit bin, in der Abtreibung noch nicht legalisiert war, den Gedanken nicht loswerdend, dass es mich ansonsten auch nicht geben würde und letztlich notgedrungen und geduldet, dem Ehemann untergeschoben wurde, der dies wissentlich hinnahm, obwohl er, seitdem ich denken kann, weder liebevolle Zuwendung, noch körperlichen Kontakt zu meiner Mutter hatte und doch zu meinem gesetzlichen Vater wurde, verurteilt dazu, den Defizit der gefühlskalten Ehe zu ertragen, den ich psychisch, wie pysisch auf meinem Rücken ausgetragen wurde, oder ob ich ein letztlich ein, durch ohne jegliche vorherige Bezugsbindung zweier Menschen einerseits zum bezahltem und letztlich verfügbarem Prestige(wunsch)objekt eines Samenspenders bin, der letztlich aus reinem Kalkül des finanziellem Interesse handelte, für den ich von vorn herein gleichgültig bin, ob ich einst zur Welt kam oder nicht, was macht das für einen Unterschied?
        In beiden Fällen bin ich meiner Identität beraubt, ohne jegliche Liebe gezeugt, unabhängig davon ob letztlich als „notgedrungenes, geduldetes Übel“ für den Schein einer vorgegaukelten, intakten Ehe, für die Außenwelt herhalten gemusst zu haben oder als letztlich bezahlbares Prestigeobjekt dienend einerseits und aus reinem finanziellem Anreiz anderseits, mal abgesehen von all den weiteren Empfindungen, Gedanken und offene Fragen, wie: „Wer bin ich überhaupt?“ „In wie weit kann ich mich überhaupt identifizieren?“ „Was macht mich aus?“ „In wie weit gibt es Ähnlichkeiten oder sind gar Fähigkeiten vorhanden, die hätten zum Tragen kommen können?“ …..
        Auch wenn man wiederholt versucht war, einfach zu verdrängen, jene Dinge holen einen zunehmend ein, mitschwingend die leise Ahnung, stets etwas gesucht zu haben, ohne zu wissen was dies eigentlich war.
        Das ist einfach Wahnsinn, ein irgendwie nicht zu realisierender Schmerz, nicht mehr wahrhaben wollend, dessen Wunden nicht die Zeit heilt, wie oftmals gemeint oder sich selbst eingeredet, sondern man hat wohl eher einen Weg gefunden, um dementsprechend damit zurecht zu kommen, wahrscheinlich um letztlich so gut wie möglich überleben zu können, denn auch wenn Wunden verheilen, einige Narben bleiben dennoch, mit denen wir in der Lage sind, zu existieren, dessen Merkmale uns wohl dennoch einst mit geprägt haben.

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s